+
Eines ist klar: Eine Übernachtung im Hotel Haller wäre unbezahlbar.

Stillleben

Ciao Milano

  • schließen

Unser Kolumnist freut sich, in Mailand zu sein und fragt sich, wann er im Hotel Haller einchecken kann.

Mailand! Wie geht’s? Schön, dich zu sehen! Endlich mal. Nie in Mailand gewesen bisher. Gab im Süden immer Reiseziele mit mehr Meer. Aber jetzt geht’s ja um Fußball. Ach was, jetzt geht’s ums Ganze. Doch bevor wir zum Ganzen kommen, Sie wissen ja, wie das ist: Da bereitet man sich gewissenhaft auf eine bevorstehende Reise vor, plant alles minutiös, und wenn dann jemand seinen (respektive: ihren) unverstellten Blick auf die Pläne wirft, denkt man: Kannste mal sehen!

Fragt mich nämlich meine bezaubernde Frau am Wochenende, ob ich die Hotels klar gemacht habe für den Trip nach Milano.

„Hab ich“, sage ich.

„Und?“, fragt sie.

„Was und?“, frage ich.

„Und wo wirst du wohnen?“, fragt sie.

„Ach so ... Moment“, sage ich und fummele die Reservierungsbestätigungen heraus, „im Hotel Schiller. Und im Hotel Mozart.“

„Was?“, gackert die Bezaubernde, „das ist ja witzig.“

Und wenn man es sich mal genau anschaut: In der Tat, das ist schon ganz lustig. Zwei Hotels, zwei Komponisten. Ach nee, zwei Schriftsteller. Ach nee, jeweils einer. Und wenn ich noch genauer nachdenke: Ich glaube, ich habe noch nie in einem Hotel übernachtet, das den Namen eines deutschen oder österreichischen Musik- oder Wort-Superstars trug. Ich habe aber auch noch nie in einem Hotel übernachtet, das den Namen eines deutschen oder österreichischen Fußball-Superstars trug. Wobei die Auswahl da vermutlich geringer wäre. „Hotel Hölzenbein“, „Hotel Pezzey“, selbst „Hotel Cha“ oder „Hotel Yeboah“ hat man ja eher selten auf der Landkarte. Andererseits dürften künftig gewisse Hotels, die auf ic enden, durchaus ihr Publikum anziehen.

„Wo übernachtest du auf deiner Europa-Rundreise?“

„Hotel Rebic, dann Hotel Kostic, und dann vermutlich im Jovic, falls ich mir das überhaupt noch leisten kann.“

„Nicht im Hotel Haller?“

„Unbezahlbar.“

Wenn man sich überlegt, dass wir Frankfurter mit dem Begriff „absteigen“ noch vor ziemlich kurzer Zeit etwas ganz anderes verbinden mussten, gedanklich, als Übernachtungen in Hotels, die nach unseren berühmtesten Spielerpersönlichkeiten benannt sind – Wahnsinn. Jetzt fahren wir nach Mailand und werden auf der Autobahn von fröhlichen Hessen überholt, den Adler auf der Heckklappe, die steife Oberlippe im Wind, voller Zuversicht, dass wir Inter Mailand die Stirn bieten können. Internazionale Milano, Jeschäftsfreunde! Das gibt’s doch gar nicht. Also Mailand schon. Und das Hotel Mozart auch. Hoffe ich. Und noch ein paar Eintracht-Freunde, die da ebenfalls wohnen und feiern wollen, hoffen auch, dass es beides gibt.

Am allermeisten hoffen wir aber: dass da wieder diese Europa-Magie erstrahlt, dieses Unfassbare, das die Eintracht umweht, wann immer sie sich mit den Sportfreunden aus anderen Ländern misst. Vermutlich wurde das 1960 in die Frankfurter Gene implantiert, als es gegen Glasgow und Real ging, unvergesslich selbst für jene, die damals noch gar nicht geboren waren.

Die Bezaubernde kann nicht dabei sein, weil sie arbeiten muss. Ein Jammer. Mailand! Die Stadt der Mode! Künftig sicher auch bekannt als die Stadt, in der die ersten Hotels nach Frankfurter Fußballern benannt wurden. Wussten Sie übrigens, dass manche Textprogramme aus dem Wort „habe“ inzwischen beim kleinsten Vertipper sofort Hasebe machen? Aber ich schweife ab. Pardon. Die Nerven.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare