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Schnappen sich keinen Ball mehr weg: Christopher Lenz und Filip Kostic spielen sich künftig gegenseitig zu. imago
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Schnappen sich keinen Ball mehr weg: Christopher Lenz und Filip Kostic spielen sich künftig gegenseitig zu. imago

SGE

Eintracht: Neuzugang Christopher Lenz bringt mehr taktische Flexibilität

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Neuzugang Christopher Lenz bringt Eintracht Frankfurt mehr taktische Flexibilität - Trainer Oliver Glasner wird‘s freuen.

Frankfurt - Ende März, als die Bundesligaklubs ihren Nicht-Nationalkickern in der spielfreien Zeit ein paar entspannte Tage Erholung verordneten, schaute sich Christopher Lenz schon einmal um in seiner künftigen Heimat, in Frankfurt. Da schlenderte er mit seiner Freundin also ganz gemütlich durch Sachsenhausen, die trotz Corona-Beschränkungen ziemlich belebte Schweizer Straße entlang, in Richtung Mainufer. Und die Stadt im Herzen von Europa (oder eher Hessens) präsentierte sich tatsächlich in allerbestem Gewand, sonnig war’s, angenehm warm noch dazu. Alles in allem: einfach nett.

Vermutlich wird Christopher Lenz Ende März nicht nur das Städtchen erkundet und sich dabei nach einer Wohnung umgeschaut haben, sondern auch bei seinem neuen Arbeitgeber, der Eintracht, im Stadtwald vorstellig geworden sein. Die ablösefreie Verpflichtung des Linksverteidigers von Union Berlin hatten die Hessen bereits im Januar fix gemacht, ab Anfang Juli, dem Trainingsstart, heißt es daher für die kommenden drei Spielzeiten: Der Lenz ist da.

Der bald 27-Jährige ist bisher der einzig erfahrene Sommerzugang, den die Eintracht von einem anderen Klub geholt hat, für den damaligen Deal zeichneten sich noch Ex-Sportvorstand Fredi Bobic und Ex-Trainer Adi Hütter, neuerdings ja ein sich gegenseitig neckendes TV-Expertenduo bei der EM für Magenta-TV, federführend. Ansonsten kommen, Stand jetzt, lediglich verliehene Profis zurück (Paciencia, Rönnow, da Costa, Zalazar, Joveljic) oder hoffnungsvolle Talente neu dazu (Blanco, Akman, Ramaj). Für Lenz, den gebürtigen Berliner, bedeutet der Wechsel den „nächsten Schritt“. In der Alten Försterei, dem Stadion des FC Union habe er ja schon vor tollem Publikum spielen dürfen, sagt er, aber: „Wenn man die Spiele der Eintracht in der Europa League gesehen hat, dann weiß man, wie emotional es hier zugeht. Die Atmosphäre gehört zur Weltspitze.“ Werden sie gerne hören, die Frankfurter Fans, die ja hoffentlich beim Eintracht-Debüt des früheren U-19-Nationalspielers wieder in die Arena reindürfen.

Eintracht Frankfurt: Die Lücke links hinten

Lenz wird natürlich nicht der einzig erfahrene Eintracht-Zugang bleiben, auch ist er vom Status eines Königstransfers weit entfernt. Dennoch: Seine Verpflichtung ergibt Sinn. Links hinten krankte es bei der Eintracht in den vergangenen Jahren doch sichtbar, im Grunde gab der Kader überhaupt keinen gelernten Linksverteidiger her - mit Ausnahme des nach seinem Kreuzbandriss nie richtig fit gewordenen Jetro Willems, nun ja. So musste sich Filip Kostic links draußen stets alleine abrackern, was dem Überspieler der Eintracht freilich vortrefflich gelang. In kurzen Phasen, in denen es Hütter mit einer Viererabwehrkette probierte, durfte Evan Ndicka dem Vordermann Kostic - übrigens mittlerweile auch vom italienischen Europa-League-Vertreter Lazio Rom umworben - den Rücken stärken. Hat nur phasenweise nach Wunsch funktioniert.

Die Verpflichtung von Linksfuß Lenz bringt Oliver Glasner bald mehr taktische Flexibilität. Wenn der neue Eintracht-Trainer will, hat er vernünftiges Personal, um auch mit vier Mann in letzter Reihe zu verteidigen. Defensiv war Lenz in Berlin eine Bank, offensiv hat er dagegen Steigerungspotenzial, er dürfte eher nicht für die alleinige Besetzung des linken Flügels taugen.

Eintracht Frankfurt: Kumpel von Wolfsburgs Maxi Philipp

Für Union kam er in den zurückliegenden beiden Spielzeiten auf sieben Torvorlagen in 53 Liga-Einsätzen – nicht herausragend, aber okay. „Wir hätten ihn gerne weiter im Union-Trikot gesehen“, sagt der Berliner Geschäftsführer Oliver Ruhnert, und das nicht nur, weil Lenz beliebter Kabinen-DJ der Eisernen war. Ruhnert weiter: „Er hat eine andere Entscheidung getroffen, die wir respektieren.“

Christopher Lenz ist niemand, der als sonderlich sprunghaft gilt. Geboren in Neukölln und mit den Eltern früh nach Tempelhof umgezogen, wurde er von den vielen verschiedenen Kulturen und Religionen in Berlin geprägt. „Hier mischt sich alles. Da kann man so unendlich viel erleben und machen. Ich bin ohnehin jemand, der selten nur auf dem Sofa liegt“, sagt Lenz, der sich nach einem wohlverdienten Urlaub auf Mallorca nun noch einige Tage in Berlin bei einem Personal Coach fit machen wird. Lenz gilt als bodenständiger Typ, hat ein abgeschlossenes Fachabitur und hatte eigentlich immer nur den runden Ball im Kopf - bereits als kleiner Knirps. Er wuchs gemeinsam auf mit Maximilian Philipp, einst kickend für Freiburg, Dortmund und Moskau, jetzt für Wolfsburg. Sie besuchten dieselbe Schule, wurden bei einem Feriencamp gleich im Doppelpack von der Hertha entdeckt, spielten dann zusammen beim Berliner Sport-Club und später für Tennis Borussia. Und natürlich sind sie auch heute gute Kumpels.

Eintracht Frankfurt: Christopher Lenz verlässt Wohlfühloase

Überhaupt, die Hertha: Mit sechs Jahren zog Lenz das Trikot der Hauptstädter über, mit 14 ging’s dann zu Tennis Borussia, mit 15 wieder für drei Jahre zurück in den Westen Berlins. Schließlich schloss sich Lenz – Lieblingsverein Juventus Turin, fußballerisches Idol Pavel Nedved – mit 18 der Borussia aus Mönchengladbach an. In deren Nachwuchsinternat direkt am Stadion wohnend wollte er den Sprung zu den Profis packen - es gelang ihm nicht. Lenz durfte zwar mittrainieren, spielte aber für die Reserve in der Regionalliga. 2016 folgte die Rückkehr nach Berlin, diesmal zu Union.

Und auch bei den Eisernen startete er nicht direkt durch, wurde gar in die Dritte Liga zu Holstein Kiel verliehen, war später dann zu Berliner Zweitligazeiten nur Ergänzung, ehe er erst in der Bundesliga als Stammkraft wirklich überzeugen konnte. Bald also geht es für Christopher Lenz wieder raus aus der eigenen Wohlfühloase, weg von der Familie, den Freunden in Berlin, ab nach Frankfurt. Stadtwald, Schweizer Straße, Mainufer, Bankentürme - kann ja auch ganz nett sein.

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