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Ein Leben im Zeichen des Adlers: Karl-Heinz „Charly“ Körbel, ab Sonntag 65. 

Eintracht Frankfurt

Charly Körbel - bis in alle Ewigkeit

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Eintracht-Frankfurt-Ikone und Rekordspieler Karl-Heinz Körbel hat ein großes Herz – am Sonntag wird er 65.

Vor fünf Jahren hat es Karl-Heinz Körbel gewaltig krachen lassen, obwohl er eigentlich gar nicht wollte. Doch er, der ewige Charly, die Eintracht-Ikone, der Bundesligarekordhalter, hat sich dann doch überreden lassen, gerade seine Tochter Carla konnte ihn umgarnen und umstimmen. Also wurde aus der stillen Familienfeier zum 60. Wiegenfest eine rauschende Party in den Fluren der Frankfurter WM-Arena mit 400 Gästen aus Sport, Politik und aus der Mitte der Gesellschaft. Uefa-Boss Michel Platini, damals noch nicht in Ungnade gefallen, war sogar da, die gesamte DFB-Spitze, Jupp Heynckes, Andi Möller, natürlich der Holz und Dr. Hammer und alle anderen Größen. „Abgesagt“, sagte Körbel stolz, „abgesagt hat keiner.“

Charly Körbel - Feier in aller Ruhe

Wenn er 65 Jahre alt wird, wird er so feiern, wie er damals schon feiern wollte, in aller Ruhe. „Das letzte Mal ist es aus dem Ruder gelaufen“, sagt er lachend. „Dieses Mal habe ich allen gesagt, ich mache nichts. Ich bin nicht erreichbar. Ich werde nur im engsten Familienkreis feiern. Mit meiner Frau, meiner Tochter, meiner Mutter und meinem Bruder“, sagt Mister Eintracht. Am Sonntagmorgen wird er, wie so oft, auf den Feldberg fahren und seine Runden drehen. „Da bekomme ich den Kopf frei.“

Der frühere Kapitän, bescheiden und beliebt, eine Institution in Deutschland und ein wichtiger Botschafter der Eintracht, ist auch mit 65 noch gesund und fit, kickt in der Traditionsmannschaft, er weiß, dass er auf der Sonnenseite des Lebens steht. Erst in der vergangenen Wochen musste er zur Beerdigung seines Onkels in seinem Heimatort Dossenheim. „Da siehst du, wie schnell es gehen kann“, sagt er im Gespräch mit der FR nachdenklich. „Und man merkt, wie gut es einem geht.“ Körbel möchte etwas zurückgeben. Zu seinem 60. Geburtstag lehnte er Geschenke ab und bat stattdessen um Spenden für den schwer erkrankten früheren Mitspieler Dietmar Roth.

Charly Körbel - Sozial engagiert

Der gläubige Christ ist sozial engagiert, hat ein großes Herz, er hilft, wo er kann, er ist Schirmherr der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau, kämpft gegen Rassismus und Armut sowie für sozial Schwache und leukämiekranke Kinder. „Das liegt mir am Herzen“, sagt Körbel, der zu seinen 602 Spielen eine besondere Beziehung hat. „Diese Zahl ist mein Markenzeichen. Sie begleitet mich mein ganzes Leben.“

Fast 20 Jahre, von 1972 bis 1991, trug er das Trikot der Eintracht – ein Rekord für die Ewigkeit. „Ich glaube nicht, dass ein Spieler diese Marke noch einmal erreicht, schon gar nicht bei einem einzigen Verein“, sagt er. Noch außergewöhnlicher: 600 seiner 602 Einsätze bestritt Körbel, der 2001 die erfolgreiche Eintracht-Fußballschule aus der Taufe hob, von Beginn an. „Nur Dettmar Cramer hat mich zweimal auf die Bank gesetzt.“ Körbel blieb seinem Klub immer treu, einmal hätte er zu Galatasaray wechseln können, „da hat meine Frau gesagt, um Gottes Willen, was wollen wir in Istanbul?“, erzählt er. Auch Werder Bremen sagte er ab. „Letztlich habe ich mir gesagt, du kannst den Verein nicht im Stich lassen.“

Charly Körbel - wird der SGE erhalten bleiben

Der sechsfache Nationalspieler ist mit sich im Reinen, er trauert auch nicht dem großen Geld nach, das die Profis heute verdienen: „Mir geht es auch so gut – und du kannst eh nichts mitnehmen.“ Körbel, der mit der Eintracht viermal den DFB-Pokal holte und einmal den Uefa-Cup gewann, erfreut sich am Wandel seines Klubs, von der grauen Maus zu einer aufregenden Marke mit Strahlkraft. „Gegen Leverkusen kamen bei uns früher 9000 Zuschauer, heute sind 50 000 da. Das fehlt mir im Rückblick.“

Seiner Eintracht wird er weiter dienen: „Meine Mission ist noch nicht beendet. Weder bei der Eintracht noch bei meinem Glauben und sozialem Engagement. „Solange ich Ideen und Freude habe, werde ich nicht aufhören.“ (mit dpa)

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