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Mein Freund, der Ball. Eintracht-Profi Timothy Chandler kommt langsam auf Touren.
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Mein Freund, der Ball. Eintracht-Profi Timothy Chandler kommt langsam auf Touren.

Eintracht Frankfurt

Chandler gewinnt an Boden

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der Verteidiger ist zur echten Option für die hart umkämpfte Position rechts hinten geworden, nachdem er sich zu Beginn hinten anstellen musste.

Vor ein paar Wochen hat Armin Veh die sportliche Wertigkeit des sogenannten Gold-Cups doch arg herabgewürdigt. Auf die Frage, ob der US-Nationalspieler Timothy Chandler nach Turnierende noch Sonderurlaub erhalte, lachte der Eintracht-Trainer spöttisch: „Er hat doch Urlaub. Gold-Cup ist Urlaub.“ Veh ärgerte sich darüber, dass sein Spieler wegen des mit Exoten gespickten Wettbewerbs fast die gesamte Vorbereitung verpasste.

Timothy Chandler kann verstehen, dass er erst einmal außen vor und auch beim ersten Saisonspiel in Wolfsburg nicht im Kader war. Aber er würde immer wieder so entscheiden. „Ich bin stolz, für mein Land zu spielen“, sagte der in Frankfurt geborene 25-Jährige. Der Gold-Cup sei hier vielleicht nicht die große Nummer, „für die Menschen in den USA ist es sehr wichtig.“ Den Titel konnten die Vereinigten Staaten nicht verteidigen, sie schieden im Halbfinale recht peinlich gegen Jamaika aus. Mexiko gewann den Pokal, und gegen die Mittelamerikaner müssen die USA als Gold-Cup-Sieger 2013 nun ein Entscheidungsspiel bestreiten, um 2017 beim Confed-Cup dabei sein zu können. „Das ist wichtig für uns, das ist unser Ziel“, sagte Chandler.

In Frankfurt ist der Rechtsverteidiger schneller als gedacht wieder zur echten Alternative geworden. Am Samstag im insgesamt so enttäuschend verlaufenen Heimspiel gegen den FC Augsburg wurde Chandler zur zweiten Halbzeit ins Rennen geschickt. Das kam einigermaßen überraschend, weil Veh nur ein paar Tage zuvor geäußert hatte, dass der Abwehrmann körperlich noch nicht so auf der Höhe sei. „Er kann noch nicht ganz fit sein“, sagte Veh. Für 45 Minuten reichte es dann aber doch, und der Spieler hat seine Sache ausgesprochen gut gemacht, für Belebung und Dampf gesorgt. „Ich war zufrieden, es lief ganz gut“, sagte Chandler. „Ich habe ein paar gute Läufe gehabt.“ Er habe sich während des Spiels gut gefühlt, voller Power und Kraft. „Es wäre auch länger gegangen als 45 Minuten.“ Er habe sich aber auch so aufrichtig gefreut, dass der Trainer ihm das Vertrauen geschenkt habe.

Veh mag die grundsätzliche Einstellung des Profis. „Er haut sich rein, der Junge. Er hat Herz.“ Und Tempo. Auch das ist dem Coach wichtig. Generell findet der Fußballlehrer, dass Chandler eine ganz gute Vorsaison hinter sich gebracht hat: „Er hat das ordentlich gemacht.“ Ordentlich schon, aber nicht wirklich gut. So ganz konnte der schnelle Mann mit dem Offensivdrang die Erwartungen nicht erfüllen. Das lag auch an den Fußstapfen seines Vorgängers Sebastian Jung, die in Frankfurt recht groß sind.

Hasebe muss ins Mittelfeld

Chandler ist nun eine echte Option für die Position rechts hinten, nachdem er sich zu Beginn hinten anstellen musste und plötzlich nur noch dritte Wahl war. „Ich will mich anbieten und im Training alles geben. Ich will das Beste für die Mannschaft herausholen“, sagte der Spieler.

Die Position des Rechtsverteidigers ist hart umkämpft, da ist die Ideallösung noch nicht gefunden. Zuletzt begann Mittelfeldspieler Makoto Hasebe zweimal auf ungewohntem Terrain. Doch der Japaner hat gerade am Samstag eine denkbar schwache Leistung abgeliefert, die man so von ihm nicht kennt. Hasebe fühlt sich nicht wohl als rechtes Glied der Viererkette, das ist nicht sein Spiel, das ist nicht seine Welt. Er scheint eine innere Ablehnung gegen diesen Posten zu haben – anders ist sein fehlerbehaftetes Spiel gar nicht mehr zu erklären. Hasebe, einer der besten und beständigsten Eintracht-Akteure der Vorsaison, ist im Mittelfeld sehr viel wertvoller.

Und auch Aleksandar Ignjovski stand in der Hierarchie bis vor kurzem vor Chandler. Der Serbe hat eine erstaunliche Entwicklung genommen, steht bei Armin Veh recht hoch im Kurs. Ignjovski ist zweimal eingewechselt worden, zweimal machte er seine Sache sehr passabel. Gegen Augsburg leitete sein Ballgewinn den Ausgleich ein, auch wenn der Schiedsrichter das Einsteigen gegen Konstantinos Stafylidis hätte abpfeifen können.

Für Chandler spricht sicherlich sein Offensivdrang und auch seine Schnelligkeit, zudem ist er der einzige gelernte Rechtsverteidiger im Kader – auch wenn er in der Jugend eher Offensivspieler war. Chandler findet es nicht weiter schlimm, dass er um seinen Platz beherzt kämpfen muss. Er sei ja schließlich nicht vor Ort gewesen, „und dann musste der Trainer ja etwas ausprobieren“. Chandler ist auch jetzt weit entfernt davon, Ansprüche zu stellen. Er stelle sich in den Dienst der Mannschaft und biete sich an. „Mehr kann ich nicht tun.“

Und natürlich hat er verfolgt, dass sich die Eintracht stark um Sebastian Jung bemüht hat. Das könnte er ja auch als Misstrauensvotum empfinden. Chandler verneint. „Natürlich geistert hier der Name immer mal herum, aber das kann ich nicht beeinflussen. Wenn er zurückkommt, ist gut. Wenn nicht, auch okay.“ Jung sitzt in Wolfsburg nur auf der Tribüne, eine Rückholaktion wird aber wohl erst im Winter aktuell. Höchste Priorität hat diese Position ohnehin nicht mehr.

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