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Slobodan Medojevic erzielt kurz vor der Pause den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer.
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Slobodan Medojevic erzielt kurz vor der Pause den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer.

Eintracht Frankfurt

Chancenlos gegen Bayer

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Die kleine Erfolgsserie von Eintracht Frankfurt ist mit dem 1:3 gegen Leverkusen schon wieder gerissen. Zu allem Überfluss fällt jetzt auch  Stürmer Luc Castaignos verletzt aus.

Nach einer knappen Stunde hätte Stefan Aigner dem Spiel noch einmal eine ungeahnte Dynamik geben können. Da lief  der Rechtsaußen plötzlich mutterseelenallein auf das Tor von Bernd Leno zu. Zuvor hatte er seinen Gegenspieler Wendell hübsch aussteigen lassen, doch Aug in Aug mit dem Torwart traf der gebürtige Münchner die falsche Entscheidung. Statt die Kugel flach links oder rechts am Torhüter vorbei zu schießen, entschied sich Aigner für die rustikale Variante – und donnerte die Kugel hoch und weit über die Latte in Richtung G-Block. Es wäre das 2:2 gewesen, und die Eintracht wäre im Spiel zurück gewesen. „Ich habe das 2:2 auf dem Fuß und mache es nicht. Das war´s dann“, räumte Aigner hinterher zerknirscht ein. Vor allem: Es wäre ein völlig anderes Spiel geworden mit psychologischen Vorteilen für die Eintracht. Denn die hätte, obzwar haushoch unterlegen gegen ungemein spielstarke Leverkusener, urplötzlich den zweiten Wind bekommen. „Dann kann das Spiel ganz anders ausgehen“, sagte hinterher auch Trainer Armin Veh, denn: „Im Fußball ist alles möglich“. Er räumte aber auch ein, dass der Sieg verdient gewesen war.

In der Tat war Bayer Leverkusen an diesem regnerischen Samstag das bessere Team, sie hatten deutlich mehr Spielanteile, die bessere Anlage, boten mehr individuelle Qualität. „Das war heute eine reife Leistung“, fasste Bayer-Trainer Roger Schmidt die 90 Minuten treffend zusammen. Allerdings stand Bayer auch in der Bringschuld: Nach zuletzt drei Niederlagen (zweimal in der Bundesliga, einmal in der  Champion League) war ordentlich Druck im Kessel unterm Bayer-Kreuz. „Das hat man gespürt“, sagte Sportdirektor Rudi Völler später.

Kein Zweifel: Die Gäste hatten mehr Spielanteile (56 Prozent Ballkontakte), aber „das war auch so geplant“, verriet Trainer Veh später. Die Eintracht wollte im Prinzip wieder so spielen wie gegen Bayern München, tief stehen, kompakt stehen, wenig zulassen und dann kontern. Dummerweise „war unser Plan nach 20 Minuten kaputt“, sagte Veh. Luc Castaignos, der wegen der Gelbsperre von Haris Seferovic im Sturm spielte, musste verletzt vom Platz. In die Kabine humpelte er an Krücken, eine erste Diagnose ergab, dass er eine Blessur am Syndesmoseband davongetragen hatte. Wie schwer die Verletzung war, vermochte am Abend keiner zu sagen. Das Ganze sah nicht wirklich gut aus, womöglich fällt er längere Zeit aus. „Ich hoffe, dass sich die Befürchtungen der Ärzte nicht bestätigen“, sagte Veh.

Mit dem Ausfall von Castaignos war freilich sein taktisches Konzept über den Haufen geworfen, denn die Hessen wollten gerade über den schnellen Angreifer immer wieder Nadelstiche setzen. „Das konnten wir dann so nicht mehr machen.“ Veh wechselte defensiv, schob Alex Meier in die Spitze, Marc Stendera ein Stückchen weiter vor und Rechtsverteidiger Makoto Hasebe ins Mittelfeld, und es kam Timothy Chandler. Nahezu zeitgleich geriet die Eintracht in Rückstand (23.). „Das war eine Art Knacks“, sagte Veh. „Wenn man gegen eine Mannschaft wie Leverkusen bestehen will, braucht man zwei Dinge“, sagte Klubchef Heribert Bruchhagen. „Man darf keine Fehler machen und man braucht Spielglück.“ Beides war Eintracht Frankfurt an diesem Samstag nicht gegeben. Dennoch war das Urteil einhellig: „Wir haben heute zu Recht verloren.“   

Vor allem das erste Gegentor war an Dusseligkeit kaum zu überbieten. Statt den Ball nach einem Rückpass einfach nach vorne zu schlagen, spielte Torwart Lukas Hradecky den ohnehin gleich von drei Leverkusenern bedrängten Slobodan Medojevic an. Der konnte sich mit einer feinen Körperdrehung gerade noch befreien, doch statt den Ball abzuspielen, ging er in einen Zweikampf, und verlor die Kugel prompt an den überragenden Kevin Kampl. Ähnliches war „Medo“ schon einmal passiert, im letzten Hinrundenspiel der vergangenen Saison, auch damals ging es gegen Leverkusen, führte sein Ballverlust ebenso zu einem Tor.  Und weil Hradecky den Flachpass von Kampl mit den Fingerspitzen leicht berührte, trat Verteidiger David Abraham, der die Kugel sonst mühelos weggeschlagen hätten, ein riesiges Luftloch – hinter ihm hatte Hernandez, genannt Chicharito leichtes Spiel, die Kugel über die Linie zu drücken. „Ein doofes Gegentor“, urteilte Alex Meier. Ein Gegentor, das oft bei den Bambinis fällt, aber nie in der Bundesliga fallen darf. Und es kam noch schlimmer: Dem 0:2, wieder durch Hernandez (38.), war zuvor eine klare Abseitsposition vorausgegangen.

Dass die Leverkusener die bessere Mannschaft waren, darüber gab es keine zwei Meinungen. Und auch darüber, dass Eintracht Frankfurt erneut vieles vermissen ließ, Galligkeit, Aggressivität etwa, auch Spielwitz. Vieles wurde schon im Keim erstickt, vieles wirkte wenig eingespielt, oft kamen die Frankfurter überhaupt nicht in die Nähe des gegnerischen Tores. Es hakte und knirschte im Frankfurter Spiel nach vorne, Fehlpässe häuften sich. Das lag zwar auch an dem sehr engagiert geführten Pressing der Bayer-Elf, die immer wieder früh attackierte, aber ein bisschen mehr Initiative, ein bisschen mehr Fußball hätte der Eintracht schon gut getan. Das meiste wirkte, bei allem Einsatz, doch eher hausbacken. Im Grunde kamen die Frankfurter nur zu Möglichkeiten, wenn Bayer nachließ oder Fehler machte.

Einige Plätze bleiben frei

Und doch schafften die Hessen noch den Anschlusstreffer: Marc Stendera, ohnehin der beste Frankfurter, hatte kurz vor der Halbzeit einen prima Freistoß getreten und Slobodan Medojevic mit einem wuchtigen Kopfball sein erstes Bundesligator für die Eintracht erzielt.  Die Eintracht war wieder im Spiel. Und dann lief, eine Viertelstunde später, Stefan Aigner allein auf Lenos Tor zu. Erst das 3:1 durch Hakan Calhanoglu (72.) „hat uns dann das Genick gebrochen“ (Veh).

Und doch hätte es Aigner sogar noch einmal spannend machen können. In der Schlussminute schoss er einen feinen Rückpass von Luca Waldschmidt mit links über die Latte. Das wäre das 2:3 gewesen, und drei Minuten blieben noch an Nachspielzeit. Da hätte die Arena sicherlich noch einmal gebebt.

Allerdings war auch klar zu erkennen, dass weniger als die angegebenen 47500 Zuschauer in die Arena gekommen waren. „Vielleicht 41000 oder 42000“, schätzte Vorstand Axel Hellmann, waren nur in den Stadtwald gepilgert.  Es waren Plätze leer geblieben, Plätze, etwa auf der Gegengerade, die sonst besetzt waren. Wegen der Ereignisse in Paris waren die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen verschärft worden. Klubchef Heribert Bruchhagen konnte, anders als Kollege Hellmann, allerdings keinen Unterschied  bei Stimmung und Atmosphäre zu sonstigen Partien ausmachen. „Es war alles in Ordnung.“  

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