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Schmerz, lass nach: Eintracht-Stürmer Haris Seferovic fällt mit Muskelfaserriss aus.

Eintracht Frankfurt

Chance vertan - mal wieder

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt verpasst den Sprung auf Platz drei und muss einen neuen Anlauf nehmen. Hinter dem Einsatz von Reinartz am Wochenende steht ein dickes Fragezeichen.

Am Tag danach konnte der Frankfurter Trainer Armin Veh schon wieder lächeln, ein bisschen gequält vielleicht, aber es ging ja schon wieder weiter. Nach dem Auslaufen am Vormittag im Stadtwald, bummelte ein Teil der Truppe inklusive Coach am frühen Nachmittag über die Internationale Automobilausstellung. Der Sponsor hatte geladen, aber bei der lockeren Plauderei in Halle 6 neben den schicken Boliden hat der Fußballlehrer dennoch keinen großen Hehl aus seiner Enttäuschung gemacht. Die Niederlage auf Schalke – sie nagte noch an dem 54-Jährigen. Mit leeren Händen hätte Eintracht Frankfurt bestimmt nicht aus Gelsenkirchen heimkehren müssen.

Am Abend zuvor, kurz nach dem nicht zwingend notwendigen 0:2 beim FC Schalke 04, hatte der Coach noch deutlich angefasster gewirkt. „Ich bin ein bisschen traurig. Wir hätten aus meiner Sicht was holen können, ja was holen müssen“, fand Armin Veh geknickt. Möglichkeiten hätten sich genug geboten, „wir hatten klare Chancen, keine Halbchancen“. Er meinte vor allem die Einschussmöglichkeiten von Makoto Hasebe, Stefan Aigner, Alexander Meier oder Marc Stendera in der zweiten Hälfte, in der die Hessen die klar bestimmende Mannschaft waren. „Aber der Ball fällt einfach nicht rein.“ Wie sicher sich der Coach fühlte, der normalerweise selbst bei einer 3:0-Führung fünf Minuten vor Schluss im eigenen Stadion noch um den Erfolg zittert, machte auch diese Aussage deutlich: „Ich habe nie gedacht, dass die noch ein Tor schießen.“ Doch es fiel, aus heiterem Himmel und einem Standard auf Verteidiger Joel Matip (76.). Der lange Pfosten war auf Frankfurter Seite aus Mangel an Personal unbesetzt geblieben. Doch selbst nach dem Rückstand zeigte die Eintracht eine gute Reaktion, „wir waren dran, noch was biegen zu können“, sagte Veh. Allenfalls „ein Quäntchen Schussglück“ habe gefehlt, deckelte der Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen moderat.

Ausfall von Seferovic schmerzt

Die Schlappe auf Schalke hatte Trainer Veh auch deswegen so mitgenommen, weil die Hessen leicht mit drei Punkten im Gepäck nach Hause hätten reisen können. Und dann stünde Eintracht Frankfurt anstelle von Schalke 04 auf Tabellenplatz drei – jetzt kleben die Hessen mit acht Punkten auf Rang zwölf. Wenig verdeutlicht die Leistungsdichte in der Bundesliga mehr: Zwischen Platz vier und Platz 13 liegt nur ein Sieg und ein Remis. „Wahnsinn“, sagte auch Sportdirektor Bruno Hübner knapp.

Immerhin war Veh mit der Leistung vom Mittwochabend zufrieden – mit Ausnahme von vielleicht 20, 25 Minuten. „Ich habe keinen großen Unterschied zu Schalke bemerkt. Da sind wir nicht weit entfernt.“ Gerade in der – wieder stärkeren – zweiten Halbzeit agierte die Eintracht sehr dominant. Und das, obwohl die Hessen ihre taktische Ausrichtung gezwungenermaßen verändern mussten: Haris Seferovic, der beste Ballhalter, erlitt einen Muskelfaserriss und wird der Mannschaft in den nächsten beiden Spielen gegen Berlin und Ingolstadt nicht zur Verfügung stehen: „Jetzt fehlt eine Anspielstation vorn“, sagt Veh. Der Schweizer „wird vor allem Luc Castaignos fehlen. Beide passen ideal zusammen“. Der eine behauptet die Bälle, der andere geht steil.

Dessen ungeachtet ist Veh nicht gänzlich frustriert. Dazu besteht aktuell wenig Anlass. Die Art und Weise, wie die Mannschaft Fußball spielt, gefällt ihm. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er. „Das alles ist kein Zufallsprodukt.“ Er sieht eine Struktur im Spiel, sieht, dass sich das Team seit Saisonbeginn sukzessive verbessert und weiterentwickelt hat. „Wir spielen einen ordentlichen Fußball. Das war eine gute Leistung.“ Es komme nicht so häufig vor, auswärts, noch dazu bei Schalke, derart dominant aufzutreten. Allerdings gerät die Eintracht doch wieder ein wenig unter Druck.

Die Partie am Sonntag gegen die gut in die Saison gestartete Hertha aus Berlin ist zwar sicherlich kein Schicksalsspiel, aber schon ein wegweisendes. Bei einer erneuten Niederlage müsste sich der Blick erst einmal nach unten richten. Ein Sieg wäre auch deswegen wichtig, um weiter im ruhigen Fahrwasser schwimmen zu können. Und da mochte sich Armin Veh erst mal gar nicht vorstellen, was los gewesen wäre, hätte die Eintracht auf Schalke gewonnen: Platz drei, elf Punkte, und – endlich ein Heimspiel vor der Brust. Was für Aussichten! Doch diese Chance ist erst einmal vergeben worden.

Aber das kennt man ja aus der jüngeren Vergangenheit: Immer wenn der Klub einen entscheidenden Schritt nach oben hätte machen können, kommt etwas dazwischen. Der schnelle Weg nach oben ist jetzt durch die Niederlage vom Mittwoch erst einmal verbaut. Es gilt einen neuen Anlauf zu nehmen.

Und mit neuem Personal: Der Ausfall von Haris Seferovic, den am Mittwoch Stefan Aigner ersetzte, wirft einige Fragen auf. Eins-zu-eins ist der Schweizer schwer zu ersetzen, denn er ist ein entscheidendes Glied in der Raute.

Das Problem bei der taktischen Ausrichtung (4-2-3-1) wie in Halbzeit zwei: Der Eintracht fehlt jetzt ein Spieler für den linken Flügel, Takashi Inui ist nicht mehr da, Luc Castaignos, der nur eine einzige gute Szene in dem Spiel hatte, „ist keiner für links“ (Veh). Wer soll also diese verwaiste Außenbahn beackern? Luca Waldschmidt, der kurz vor Schluss kam und vieles richtig machte, hält Veh zwar für ein außerordentliches Talent, aber er sieht ihn als zentralen Stürmer. Vaclav Kadlec? Er spielte bisher in den Planungen keine große Rolle und kam auch in Schalke nicht zum Einsatz. Johannes Flum? Ihm fehlt das Tempo für einen Flügelspieler. Veh wird sich wieder ein paar Gedanken machen müssen.

Wenigstens scheint die neuerliche Blessur an den Rippen, die sich Carlos Zambrano, der eine sehr seriöse Partie spielte, zugezogen hat, nicht so gravierend zu sein. Dafür steht hinter dem Einsatz des defensiven Mittelfeldspielers Stefan Reinartz noch ein Fragezeichen. Er klagt über Schmerzen an der Wade.

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