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Noch schnell ein Abschiedsfoto: Kevin Trapp.

Eintracht-Kaderplanung

Die Chance für die Eintracht

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Sollte Kapitän Kevin Trapp das Angebot von Paris St. Germain annehmen, könnte auch Eintracht Frankfurt einen Schritt tun.

Bei Eintracht Frankfurt kommt nur wenige Tage nach der Inthronisierung von Cheftrainer Armin Veh Bewegung in die Personalabteilung. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kapitän von Bord gehen wird, ist relativ hoch. Kevin Trapp, Torhüter und Spielführer, wird intensiv vom Scheichklub Paris Saint-Germain umworben, erste Verhandlungen sind geführt, am Dienstag weilte der fast 25-Jährige in der französischen Hauptstadt. Ein Wechsel von Frankfurt nach Paris könnte schnell über die Bühne gehen.

Die Eintracht wird auf eine Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe pochen. Das ist bei einer frei verhandelbaren Summe auch sinnvoll, zumal es beim von Öl-Multis gepamperten Klub aus der Kapitale Frankreichs nicht wirklich auf ein paar Euro mehr ankommt. Die Eintracht würde ihrem Torhüter keine Steine in den Weg rollen, im Gegenteil: Sollte das Geschäft über die Bühne gehen, wäre es der Eintracht erstmals seit langem gelungen, einen Spieler tatsächlich in Wert umzusetzen.

Dieser Mangel war den Hessen in der Vergangenheit stets vorgeworfen worden. Während andere Klubs, etwa Mainz oder Mönchengladbach, immer wieder mal Spieler für sehr viel Geld verkaufen konnten (oder mussten), gingen die Eintracht-Profis für zwei, drei Millionen zu einem anderen Klub oder sogar ablösefrei, wie vor einem Jahr Sebastian Rode zu den Bayern. Mit diesem Geschäftsmodell soll Schluss sein, die Frankfurter wollen ihre besten Spieler langfristig binden – am besten ohne Ausstiegsklausel oder mit einer Ausstiegsklausel in entsprechender Höhe. Dazu müssen sie den Profis natürlich im ersten Schritt sehr viel mehr Gehalt zahlen als zuvor und vorher üblich. Aber diese Variante kann sich auszahlen.
Zudem sollte die Eintracht, wenn das Pariser Interesse konkreter wird, überlegen, sich noch die eine oder andere Nachschlagszahlung in die Vereinbarung einarbeiten zu lassen, etwa bei einem Gewinn der Champions League. Dass Trapp gehen wird, wenn die Pariser Ernst machen, dürfte ziemlich sicher sein. Solch ein Angebot darf er sich nicht entgehen lassen. Auch wenn er sich in Frankfurt wirklich wohlfühlt und das fürwahr nicht nur Lippenbekenntnisse sind. Doch im Fußball gibt es nicht nur unmoralische Angebote, sondern auch sportliche Avancen, denen man nicht widerstehen kann: Der Saarländer würde in einer der besten Mannschaften Europas spielen, wäre regelmäßig in der Champions League vertreten, würde mit den Besten der Besten trainieren und spielen. Dafür ist man doch Profifußballer geworden – um die höchstmögliche Leistung zu erzielen.

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Sollte der Transfer realisiert werden, müsste Trainer Armin Veh das Kapitänsamt neu besetzen, wobei ohnehin Zweifel bestehen, ob Trapp die Binde weiter tragen würde, so oder so. Zum einen gab der Spielführer in den vergangenen Wochen rund um die Personalie Thomas Schaaf kein glückliches Bild ab, zum anderen weiß er nicht die ganze Mannschaft hinter sich. Doch vor allen Dingen ist Veh nicht bekannt dafür, Torhüter zum Kapitän zu machen. „Das gab es bei mir bisher nie“, hat er erst am Dienstag im Gespräch mit der FR gesagt. Womöglich würde dann Alexander Meier stärker eingebunden, schon einmal, in der zweiten Liga, machte er ihn zum stellvertretenden Kapitän. Meier hat das einen Schub gegeben. Auch Bastian Oczipka oder Stefan Aigner sind zumindest Kandidaten, auch Stefan Reinartz. Marco Russ, unter Schaaf in der Hierarchie nach oben geklettert, indes wäre nun eher chancenlos.

Und die Eintracht hätte bei einem Transfer dieser Größenordnung eine erheblich größere Option, um den Kader adäquat zu verstärken – auch wenn sie natürlich noch einen Nachfolger für Trapp als Nummer eins holen müsste und auf dem Transfermarkt doch recht spät dran ist, weil erst einmal die vakante Trainerposition besetzt werden musste. Und doch hätte sie plötzlich einen Spielraum von fast 15 Millionen Euro, wenn man davon ausgeht, dass der tschechische Stürmer Vaclav Kadlec den Verein verlassen dürfte.

Derweil hat die Eintracht, wie die FR gestern bereits berichtete, den 24 Jahre alten Schlussmann von Austria Wien, Heinz Linder, für zwei Jahre unter Vertrag genommen. „Bei der Eintracht möchte ich den nächsten Schritt in meiner Karriere machen. Ich bin jetzt schon voller Euphorie und Begeisterung und will mich nun in der Bundesliga beweisen“, sagte Lindner, der als Torwart Nummer zwei geholt wurde.

Viele offene Baustellen

Unabhängig von dieser Personalie müsste die Eintracht hinten, hinten rechts, vorne und links vorne noch aktiv werden. Gerade die Position links vorne müsste mit Hochdruck angegangen werden, denn ob Takashi Inui tatsächlich noch mal durchstarten wird, ist eher zweifelhaft. Doch die offensiven Flügelspieler sind im Veh-System wichtige Positionen.

In der Abwehr wird einiges davon abhängen, ob es die Eintracht schafft, Carlos Zambrano zu halten. Da ist das Rennen total offen. Zum einen ist da immer noch die komplizierte Vertragssituation durch das Schweizer Konsortium, zum anderen hat der Peruaner andere lukrative Angebote. Und: Es gibt ein paar Zweifel, ob man sich wirklich so weit aus dem Fenster lehnen sollte, um ihn zu halten. Sein Lebenswandel war zuletzt nicht eben professionell, er war sehr verletzungsanfällig und hat durch seine Mätzchen der Mannschaft mehr geschadet denn geholfen. Trainer Veh schätzt Zambrano als sehr guten Innenverteidiger, der in Topform internationales Format besitzt, aber auch er steht dem fast 26-Jährigen nicht mehr vorbehaltlos gegenüber, auch er hat ein paar Bedenken.

Das gilt für Alexander Madlung weniger. Der 32-Jährige hat durch Vehs Wiedereinstieg in Frankfurt gute Chancen, übernommen zu werden. Seine gradlinige Art und seine positive Rolle in der Mannschaft sprechen für ihn, seine soliden sportlichen Fähigkeiten natürlich ebenfalls. Zum Back-up ist er allemal befähigt.

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