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Eintracht Frankfurt greift nach den Sternen

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison viel vor: Manch einer glaubt sogar, dass der Champions-League-Titel drin ist.

Frankfurt – Unlängst kam es zu einer zufälligen Zusammenkunft in wärmeren Gefilden zwischen einem Eintracht-Edelfan und einem Frankfurter Reporter. Der Anhänger, ein echt netter Kerl, nahm sich den Journalist so ein bisschen zur Brust, halb im Spaß und halb im Ernst. Der hatte nämlich geschrieben, dass sich die Eintracht auch in dieser Saison von ihrer Schokoladenseite zeige und den deutschen Fußball auf internationalem Terrain stolz und würdig vertrete, aber auch angefügt, dass die Möglichkeiten dann doch irgendwann begrenzt sind. „Die Eintracht rockt diesen Wettbewerb, hat schon jetzt wieder ihre Duftmarke abgegeben und ist längst angekommen in der Liga der Könige“, hieß es exakt in besagtem Artikel. Und dann folgte das ABER: „Aber sie wird die Champions League nicht gewinnen!“ Rumms. Nicht eher nicht, vielleicht nicht, wahrscheinlich nicht, sondern Imperativ (!).

Das fand der treue Fan gar nicht so lustig, sogar ziemlich doof. „Weshalb“, fragte er also den Reporter bei guter Gelegenheit und einem Kaltgetränk, „haben Sie das geschrieben? Das hat mich echt geärgert. Wir haben doch gezeigt, dass nichts unmöglich ist.“

Eintracht Frankfurt und die Champions League

Es ist ein ganz gutes Beispiel dafür, dass Eintracht Frankfurt – fernab der Großmannssucht und des Größenwahns längst vergangener Tage – das Denken grundlegend verändert hat. Intern wie extern. Ungefähr so: Grenzen sind da, um verschoben zu werden, der Himmel ist das Limit, Unmögliches wird möglich gemacht. Ganz einfach.

Die Eintracht ist in aller Munde: Am Ende will sie wieder in die Königsklasse einziehen.
Die Eintracht ist in aller Munde: Am Ende will sie wieder in die Königsklasse einziehen. © IMAGO/Jan Huebner

Wer den FC Barcelona demütigt, in 13 internationalen Spielen unbesiegt bleibt, wer sich in einer magischen Nacht in Andalusien auf den Europa-League-Thron setzt und dann, eine Saison später, in der Königsklasse bei der ersten Teilnahme ins Achtelfinale einzieht, ohne in der Bundesliga abzuschmieren, ja, dem ist ein bisschen was zuzutrauen. Die Krone zum Beispiel, der Champions-League-Titel.

Champions League: SSC Neapel nächste Hürde für Eintracht Frankfurt

Dieses bescheidene Ziel hat sich zumindest einer aus dem innersten inneren Zirkel gesetzt, ein Protagonist, der es beeinflussen kann, der wackere Eintracht-Tausendsassa Kristijan Jakic nämlich. „Wieso nicht?“, fragt der kroatische WM-Teilnehmer rhetorisch. „Die Leute können über mich lachen oder mich für verrückt halten – aber ich möchte die Champions League gewinnen.“ Das sei drin, allemal.

Zunächst einmal gilt es freilich, das Achtelfinale zu überstehen. Das wird schwer genug. Gegner am 21. Februar und am 15. März ist SSC Neapel – die Mannschaft der Stunde in Italien und Spitzenreiter der Serie A mit neun Punkten Vorsprung vor AC Mailand. Eine harte Nuss. Aber die Herangehensweise ist klar. „Dass wir da weiterkommen wollen, versteht sich von selbst“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. Genauso wie am 7. Februar im DFB-Pokal gegen den Nachbarn Darmstadt 98. Beileibe kein Selbstläufer, aber vielleicht doch ein Tick leichter.

Erste Aufgabe für Eintracht Frankfurt in 2023 ist Schalke 04

Die größte Herausforderung wartet jedoch in der Liga, die am Samstag (15.30 Uhr/Sky) mit dem Heimspiel gegen Schlusslicht Schalke 04 fortgesetzt wird. Da ist die Eintracht zum Siegen verdammt, will sie ihre Ambitionen untermauern. „Wir wollen Platz vier mit aller Macht verteidigen“, sagt Manager Krösche. Er hält den Kader für stark genug, um in allen Wettbewerben eine gute Rolle zu spielen. Ein erneutes Abschmieren in der Liga soll tunlichst vermieden werden. „Vor einem Jahr haben wir die Herausforderung nicht lösen können“, befindet er. „Jetzt sind wir einen Schritt weiter.“

Das Ganze ist auch ein Lernprozess, Teil einer Weiterentwicklung – auch mental: nie zufrieden, aber stets bereit sein, alle drei, vier Tage abzuliefern – auf höchstem Niveau und gegen Kontrahenten, die das Messer zwischen den Zähnen haben. „Unsere Wahrnehmung hat sich verändert, dadurch auch die Herangehensweise der Gegner“, sagt Krösche. Die Eintracht wird noch gnadenloser gejagt.

Mannschaft des Jahres: Eintracht Frankfurt

Aber sie soll, das fordert der Sportvorstand, ihre Identität beibehalten. „Wir stehen für Mut, Aktivität und Offensive. Wir wollen Spaß machen.“ Der Sicherheitsgedanke werde eher kleingeschrieben, „wir spielen lieber 5:3 als 1:0. Der Sinn des Fußballs ist doch, Tore zu schießen.“

Auch diese Philosophie hat den Klub interessant und sexy gemacht, zu einer heißen Nummer, zur Mannschaft des Jahres. Die Eintracht wird wahrgenommen und allseits geschätzt, die exzellente Arbeit dient vielen anderen Klubs als Vorbild. Kein Zufall, dass in dem erfahrenen Funktionär Axel Hellmann ein Eintracht-Vertreter an die Spitze der DFL gehievt wurde, um die Bundesliga übergangsweise bis Sommer auf Vordermann zu bringen.

Wie hoch geht es noch hinaus für Eintracht Frankfurt?

Der Bundesligist hat seit dem Beinahe-Abstieg 2016 fast alles richtig gemacht. Kein Verein in Deutschland hat derart outperformed und die Erwartungen in jedem Jahr übertroffen – nicht nur gemessen an den finanziellen Möglichkeiten. Die Entwicklung ist atemberaubend und rasant, ach was, fast schon kometenhaft. Dahinter steckt gute, harte Arbeit – und viele wegweisende Entscheidungen – auf administrativer Ebene hinter den Kulissen und auf dem sportlichen Sektor. Gerade Fredi Bobic, ein unbequemer Macher, hat den Klub durch kluges, aber auch mutiges Handeln aufs richtige Gleis gesetzt und in die Spur gebracht. Nach seinem Abgang vor eineinhalb Jahren in Richtung Hertha BSC ist Nachfolger Markus Krösche diesen Weg konsequent weitergegangen, mit anderen Methoden, aber auch maximal erfolgreich – mit der Krönung im Mai in Sevilla. Europa-League-Triumph, der erste internationale Titel nach mehr als vier Jahrzehnten.

Der internationale Wettbewerb ist inzwischen nicht die Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Umso bemerkenswerter, da die Eintracht sich Jahr für Jahr neu erfinden und Leistungsträger verkaufen muss. Aber, auch das hat die Entwicklung beschleunigt, für sehr viel Geld. Luka Jovic und Sebastien Haller brachten allein gut 100 Millionen Euro, auch André Silva oder Filip Kostic gingen für zweistellige Millionenbeträge. Und aktuell? Da wären allein für Randal Kolo Muani jetzt schon locker 80 Millionen Euro fällig.

Die Eintracht, 120 000 Mitglieder stark, wächst und gedeiht immer weiter, der Weg ist noch nicht zu Ende, er führt weiter nach oben – Blickrichtung Gipfelkreuz. (Ingo Durstewitz)

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