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Champions League: Eintracht Frankfurt erstaunlich reif

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt hat schnell gelernt, wie man sich auf dem Parkett der Champions elegant bewegt. Jetzt wollen sie den nächsten Schritt tun. Ein Kommentar.

Nach dem ersten harten Aufprall im Land der Könige kam Oliver Glasner wie ein kleiner Trotzkopf daher. Mit null zu drei hatte die Eintracht gerade das erste Champions-League-Spiel ihrer Vereinsgeschichte verloren, nicht mal gegen Manchester City oder Real Madrid, sondern gegen den Mittelgewichtler Sporting Lissabon, zu Hause auch noch im Waldstadion. Doch der Trainer blickte mutig voraus: „Ich habe gelesen, dass seit 25 Jahren kein Champions-League-Neuling die Gruppenphase überstanden hat“, sagte Glasner also und schob mild lächelnd, aber wild entschlossen nach: „Wir wollen der erste sein.“ Das klang schwer nach dem berühmten Pfeifen im Walde.

Viele, auch die FR, waren unnachgiebiger in ihrer Bewertung, den Status quo beschrieb sie nach dem ernüchternden Start ins Abenteuer eher kühl: „Die Eintracht ist kein natürlicher Teilnehmer in diesem Zirkel, dieser Wettbewerb ist, nüchtern betrachtet, nicht die Kragenweite der Hessen.“ Das ist nicht einmal zwei Monate her. Seitdem ist einiges passiert.

So sehen Sieger aus. Foto: dpa
So sehen Sieger aus. © dpa

Eintracht Frankfurt: Entscheidung gegen Sporting

Am Dienstag steht das Rückspiel in Portugal an, und irgendwie fühlt es sich so an, als hätte diese Eintracht von heute mit der von damals nicht mehr viel gemein, sieben Wochen, wie gesagt, liegen nur dazwischen. Die Frankfurter Mannschaft hat in bemerkenswerter Geschwindigkeit gelernt. Gelernt, wie man sich zu bewegen hat auf diesem Parkett, auf dem sich eben nur die Besten tummeln, auf dem man schnell ausrutschen und abgefiedelt werden kann. Ein Beweis: Der hochwertige Auftritt im hochklassigen Spiel am Mittwoch gegen Olympique Marseille, 2:1-Sieg.

Vor dem letzten Spieltag ist alles offen in Gruppe D, die schon unmittelbar nach der Auslosung als relativ ausgeglichen beschrieben wurde. Genauso ist es gekommen: Es ist die Staffel mit den niedrigsten Ausschlägen im gesamten Wettbewerb, den Ersten (Tottenham, acht Punkte) trennen nur zwei Zähler vom Letzten (Marseille), dazwischen liegen Sporting auf Rang zwei und die Eintracht mit je sieben Punkten – alle Teams haben zwei Spiele gewonnen. Das nennt man wohl Augenhöhe.

Das bedeutet vor dem letzten Spieltag, dem Endspieltag für alle, dass Eintracht Frankfurt noch alle Trümpfe in der Hand hält, alles ist drin: das Aus, die Europa League oder das Achtelfinale in der royalen Kaste. Das haben sich die Frankfurter erarbeitet und verdient. Sie sind erstaunlich rasch gereift, wissen, auf was es ankommt und was es zu vermeiden gilt: Naivität, Unkonzentriertheit, Anfälligkeit, selbst kleine Fehler. Das wird auf diesem Level gnadenlos bestraft. Schließlich ist – anders als in der Europa League – kein Team dabei, das ein Spiel abschenken oder auf die leichte Schulter nehmen würde, denn mehr als die Champions League geht halt nicht. Die Spiele sind alle eng, auf des Messers Schneide, hoch intensiv.

SGE: Mehr als nur Kämpfer

Die Eintracht wirkt inzwischen in der illustren Runde nicht mehr wie ein Fremdkörper oder ein Eindringling, der sich verirrt hat in dieser Luxusgesellschaft, sie tritt erwachsen und abgebrüht auf, feuert den letzten Tropfen raus, den sie im Tank hat. Das kennt man von dieser Mannschaft, das steckt tief in ihr drin. Aber: Es ist mehr als das, es ist mehr als Teamspirit, Willen und Widerstandsfähigkeit, mehr als Mentalität und Moral – Tugenden, mit denen sie die Europa League gewinnen konnte. Die Hessen paaren diese Grundeigenschaften, ohne die sie eh chancenlos wären, mit fußballerischer Klasse und einer beachtlichen Selbstverständlichkeit in ihren Aktionen, selbst in schwierigen Phasen des Spiels verliert sie nie den Kopf. Das ist ein Qualitätsmerkmal und der Grund, weshalb sie es bislang geschafft hat, eine gute Balance zu finden und auch in der Bundesliga nicht Schiffbruch zu erleiden. Will man auf allen Hochzeiten tanzen, bedarf es mehr als Kraft, Wucht und Draufgängertum, dazu gehört eine gewisse spielerische Finesse.

Eintracht Frankfurt wird die Champions League nicht gewinnen, aber sie rockt auch diesen Wettbewerb, hat schon jetzt wieder ihre Duftmarke abgegeben und ist längst angekommen in der Liga der Könige. Das ist mehr als man erwarten konnte nach dem harten Nackenschlag im ersten Spiel – außer man heißt vielleicht Oliver Glasner.

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