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Causa Hinteregger: Eine unheilvolle Verquickung

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger.
Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger. © dpa

Eintracht-Profi Martin Hinteregger geht eine ungehörige Geschäftsbeziehung zu einem Rechtsextremisten ein. Aus Unwissenheit? Aus Naivität? Ein Kommentar.

Man könnte es sich leicht machen und ganz plakativ den Rauswurf von Martin Hinteregger fordern. Klare Sache: Wer sich mit einem querdenkenden Rechten einlässt, geht eine unheilvolle Liaison ein und hat nichts bei Eintracht Frankfurt zu suchen. Diese Verquickung ist mit den Werten des Vereins nicht vereinbar. Der Klub ist weltoffen, die Stadt multikulturell. Eintracht Frankfurt ist ein Verein mit Haltung, er hat sich stets klar positioniert, stellt sich gegen Rechte, Faschos und Homophobie. Er zeigt klare Kante. Das hat ihm Respekt und Aufmerksamkeit eingebracht. Gerade Präsident Peter Fischer ist ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen Rassismus, seit Jahren bietet er schrill und mutig der AfD die Stirn. Daher ist selbst die Nähe zu Rechten nicht tolerierbar.

Und: Martin Hinteregger hat sich in der Vergangenheit mehr als nur eine Verfehlung erlaubt. Es gibt also gute Gründe, den Publikumsliebling und in den Rang des Kultspielers gehobenen Verteidiger in Bausch und Bogen zu verdammen und ihn vom Hof zu jagen. Die Frage ist mehr als berechtigt: Sollte so einer noch das Trikot von Eintracht Frankfurt tragen? Einerlei, ob der österreichische Nationalspieler sportlich eine verlässliche Größe und ein Leistungsträger ist. Einerlei, ob der Verein dadurch sehr viel Geld, bestimmt fünf, sechs Millionen Euro, verbrennen und ein zweiter Fall Amin Younes drohen würde. Das müsste man schlucken.

Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt: Distanzierung ist richtig und wichtig

Eintracht-Verteidiger

Martin Hinteregger in Erklärungsnot

Doch ganz so einfach ist die Gemengelage eben nicht: Denn Hinteregger selbst trägt kein rechtes Gedankengut in sich, er ist gänzlich unpolitisch, hat umgehend die Geschäftsbeziehung mit Heinrich Sickl ausgesetzt. Distanzierung ist richtig und wichtig. Es ist in diesem Fall aber auch das Mindeste. Vielleicht ist der Spieler die ungehörige Beziehung aus familiärer Verbundenheit eingegangen, im kleinen 277-Seelen-Bergort Sirnitz kennt jeder jeden. Gewiss sind auch Unbedarftheit und Blauäugigkeit treue Begleiter des Kärtners, der schlecht beraten ist, sich der Tragweite des Ganzen nicht bewusst war und sich nun hinter Unwissenheit verschanzt. Ist das glaubwürdig? Und gibt es einen Freispruch wegen Naivität? Natürlich nicht.

Es ist der allerletzte Warnschuss für den eigenwilligen Typen, dem so vieles verziehen wurde, weil der Hinti eben so ist wie er ist, authentisch, bodenständig, einer zum Anfassen. Die Verantwortlichen aber beobachten seinen Lebenswandel schon lange mit großer Sorge. Dass sie ihren eigenen Spieler am Donnerstag den ganzen Tag nicht erreichen konnten, sagt alles über die Beziehung. Sie ist am Tiefpunkt. Eine Trennung scheint fast schon unausweichlich. (Ingo Durstewitz)

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