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Eintracht Frankfurt: Basis setzt deutliches Signal

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Von: Ingo Durstewitz

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Banger Blick in die Zukunft: Eintracht-Finanzchef Oliver Frankenbach.
Banger Blick in die Zukunft: Eintracht-Finanzchef Oliver Frankenbach. © IMAGO/Hartenfelser

Eintracht Frankfurt sucht einen Geldgeber, doch die Anteile des Muttervereins sollen nur bis zu einem bestimmten Maße verwässert werden – das ist das deutliche Votum der Mitglieder des Bundesligisten.

Es war gewiss kein Zufall, dass am Montag während der Jahreshauptversammlung von Eintracht Frankfurt alle wichtigen Funktionäre in ihren Redebeiträgen irgendwann auf ein brisantes Thema zu sprechen kamen, das recht sperrig daherkommt, für den Fußball-Bundesligisten aber von größter Bedeutung ist, ein Thema, das sich mit einem ungelenken Wort zusammenfassen lässt: Kapitalmaßnahmen. Das avisierte Finanzierungsmodell der Eintracht Frankfurt Fußball AG war am Montagabend zweifelsfrei das eigentlich größere, nebst allem Personenkult um Peter Fischer auch wichtigere Thema.

Denn alle Protagonisten machten unmissverständlich deutlich, dass der Fußball-AG frisches Geld zugeführt werden müsse, um seriös überwintern zu können. Zu unwägbar sind die bevorstehenden Entwicklungen (Krieg, Energiekrise, Inflation, Corona), zu schlecht die aktuellen Kennzahlen: Verlust durch Corona 80 Millionen Euro, Verbindlichkeiten 30 Millionen, Eigenkapital abgeschmolzen binnen zwei Jahren von 60 auf sechs Millionen. „Das ist eine dramatische Situation, um den Risiken der Zukunft begegnen zu können“, sagte Finanzvorstand Oliver Frankenbach.

Und wer glaube, der Gewinn des Europapokals unter Trainer Oliver Glasner habe zu einer wirtschaftlichen Stabilität beigetragen, „den muss ich eines Besseren belehren.“ Der Gürtel sitzt eng.

SGE: Neues Geld soll fließen

Daher rate er im Namen des Vorstands dringend zu einer Kapitalerhöhung. Die Frage ist natürlich, wie diese aussieht und ausgestaltet wird. Dem Vernehmen nach hat es bereits ein Angebot eines Geldgebers gegeben, der im ersten Schritt 40 Millionen Euro in die Fußball-AG pumpen, aber im Gegenzug entsprechende Anteile erhalten wollte, was logisch ist, aber dazu geführt hätte, dass die anderen Eigner hätten abspecken müssen – auch der Mutterverein, der als Mehrheitsgesellschafter zurzeit 67,89 Prozent hält. Ein Vorgehen, das die Basis kritisch sieht, Hinterzimmerpolitik lehnt sie ab, steht – gerade nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit – für Transparenz.

Das machten die Mitglieder am Montag deutlich. Einem Dringlichkeitsantrag von Sebastian Braun stimmten sie mit großer Mehrheit (73,67 Prozent) zu. Demnach solle der eingetragene Verein nie weniger als 60 Prozent der Anteile halten und ein Investor nicht mehr als 24,9 Prozent besitzen dürfen, um eine Sperrminorität zu vermeiden. Nichts fürchten die Mitglieder von Eintracht Frankfurt mehr als Fremdbestimmung. Das sind nun die Leitplanken, an denen sich die Verantwortlichen zu orientieren haben. Die Basis hat ein klares Votum abgegeben, ein klares Signal gesetzt.

Und sowohl der Verwaltungsrat als auch das Präsidium wollen sich daran halten. „Ein Aktionär muss sich einordnen bei uns“, sagte Fischer. Verwaltungsratschef Felix Wirmer flankierte: „Es muss sich zu 100 Prozent im Sinne des Vereins darstellen.“ Doch auch Präsident Fischer machte generell deutlich: „Ohne externes Kapital sehe ich beachtliche Risiken für die Zukunft.“

Natürlich hat die SGE auch Vermögen auf dem Platz, allein fünf Spieler haben einen Marktwert von 20 Millionen Euro oder mehr - darunter Abräumer Djibril Sow, der eine beeindruckende Entwicklung hinter sich hat. Doch es geht für den Klub darum, den mühsam erworbenen Status quo zu erhalten, also die sportlichen Ambitionen nicht zu konterkarieren oder gar zu verraten, die ehrgeizigen Ziele sollen nicht aus den Augen verloren werden. Ein Ausverkauf, um den Betrieb am Leben zu halten, will niemand und bringt niemandem etwas. Da wäre die Mannschaft sportlich nur noch schwerlich konkurrenzfähig.

Genauso wenig könne es sein, dass man irgendwie versuche, jeden Euro in den Sport zu stecken. „Unsere Basis ist wirtschaftliche Vernunft“, ruft Vorstandssprecher Axel Hellmann aus. „Wir wollen junge Spieler einbauen und sie weiterentwickeln. An diesem Weg werden wir festhalten.“ Und daher werde es sicher nicht passieren, „dass wir unseren Etat an den der Champions-League-Klubs anpassen, nur weil wir jetzt einmal Champions League spielen. Das wäre wirtschaftlicher Wahnsinn.“ Aber der Frankfurter Bundesligist sucht nach Wegen, um konkurrenzfähig zu sein – und abgesichert. Das ist vernünftig.

Eintracht Frankfurt: Immense Wertsteigerung innerhalb der letzten Dekade

Unter Wert muss sich die Eintracht bei ihrer Investorensuche nicht verkaufen. „Wir haben den höchsten Unternehmenswert seit der Geschichte der AG“, führt Frankenbach aus, „wir befinden uns in einer Position der Stärke.“ Denn die Eintracht ist angesagt, en vogue. Das zieht – und führe dazu, dass man selbst sehr wohl einen Investor aussuchen könne. Genau deshalb sei nun der richtige Zeitpunkt, um eine Partnerschaft einzugehen. „Mit dem Rücken zur Wand wäre das schwieriger.“ Experten gehen von einem Unternehmenswert von 450 Millionen Euro aus, manche taxieren ihn gar auf eine halbe Milliarde. Vor zehn Jahren betrug er 70 Millionen Euro. Eine unglaubliche Steigerung.

Der Vorstand wird nun die Gespräche mit potenziellen Geldgebern intensivieren und sie zu gegebener Zeit den Vereinsgremien vorstellen, die zustimmen müssen. Für Sprecher Axel Hellmann ist klar, dass man vor allen Dingen mit hiesigen Unternehmern sprechen werde: „Einen Oligarchen, der sich bei uns einkauft, wird es nicht geben.“ Eine regionale Beziehung indes wäre wünschenswert, sagt der 51-Jährige, also Gesellschafter, „die schon bei uns sind und mit denen wir positive Erfahrungen gemacht haben“.

So wie die „Freunde des Adlers“, hinter denen der einflussreiche und gut situierte SGE-Aufsichtsratschef Philip Holzer sowie der im Hintergrund agierende und vermögende Stephen Orenstein stehen. Beide zeichneten schon einmal für eine Kapitalerhöhung verantwortlich, 2018 flossen 15 Millionen in die Kasse der AG. Noch mal drei Jahre später erwarb die Herzschlag GmbH mit Sven Janssen Anteile für 22 Millionen Euro, Janssen hält nun fünf Prozent der Aktien, die „Freunde des Adlers“ inzwischen 16,81 Prozent. Die übrigen verteilen sich auf die „Freunde der Eintracht“ (7,30) und die Wolfgang Steubing AG (3,00).

Beide Maßnahmen haben dem Verein extrem geholfen, die Mannschaft zu verstärken, Leistungsträger wie Kevin Trapp zu halten (und sie später gewinnbringend zu verkaufen) und große Erfolge (Pokalsieg, Europa-League-Triumph) zu erreichen. Beide Male wurden die Anteile des Muttervereins aber nicht verwässert - das wird nun anders sein, soll aber eben in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Das ist die klare Botschaft der Mitglieder von Eintracht Frankfurt.

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