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Und es hat Zoom gemacht: Im Hinspiel schossen Haller, Rebic und Jovic (von links) den VfB ab.

Eintracht Frankfurt

Auf die Büffel, fertig, los

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In Stuttgart wagte Eintracht-Trainer Adi Hütter erstmals das Experiment, mit allen drei Stürmern zu spielen – es glückte.

Das Hinspiel in Stuttgart im November des alten Jahres geriet zur Geburtsstunde der Frankfurter Büffelherde. Kevin Trapp, der eloquente Eintracht-Torwart, war es, der mit dieser Wortkreation aufwartete, was der 28-Jährige freilich nicht bedachte: Seitdem wird der Begriff derart inflationär benutzt, dass „die Büffelherde“ bei manchen Zeitungen auf dem Index steht und eigentlich in allen Redaktionsstuben auf selbigem stehen sollte. Hier noch einmal, ausnahmsweise, die Aufzählung der Büffel in alphabetischer Reihenfolge für alle jene, die im vergangenen halben Jahr ohne Internetzugang in Neuseeland unterwegs gewesen sein sollten: Sebastien Haller, Luka Jovic, Ante Rebic.

Das Besondere an diesem Spiel in Stuttgart war, dass alle drei gemeinsam und von Beginn an auf dem Platz standen, was vorher als ausgeschlossen oder doch als ziemliches Wagnis galt. Doch Trainer Adi Hütter begründete ganz pragmatisch und wenig enthusiastisch: „Ich hatte unter der Woche die Idee, dass das gegen Stuttgart mit allen dreien zusammen ganz gut passen könnte. Es war eine richtige Entscheidung.“ Kann man so sehen.

Die FR jedenfalls schrieb nach dem furiosen 3:0-Erfolg in Bad Cannstatt bilderreich von „einem Feuer und einem Flächenbrand in der Stuttgarter Abwehr“, und der entfesselte Ante Rebic müsse wohl vor 25 Jahren nach einer „wunderbaren Liebschaft zwischen einer Abrissbirne und einer fußballerisch begabten Betonwalze das Licht der Welt erblickt“ haben. Hört, hört.

SGE gegen VfB am Sonntag um 18 Uhr

Seitdem ziehen die drei Magischen ihre Bahnen durch die Liga, sie sind in aller Munde von der Ostsee bis zum Bodensee und haben eine ganze Menge Angst und Schrecken verbreitet. Keine Spieltagspressekonferenz vergeht seither, ohne dass der Trainer des Gegners in vorauseilendem Gehorsam die Qualität der Eintracht-Mannschaft, aber vor allem die der drei Stürmer hervorhebt, frei nach dem Motto: Uiuiui, besser mal warm anziehen.

Coach Hütter aber, und das fiel vielleicht gar nicht so auf, dosierte ihre gemeinsamen Einsätze zuletzt doch merklich. In den zurückliegenden neun Begegnungen liefen sie nur einmal zusammen auf, das war vor gut einem Monat beim ungefährdeten 3:0-Erfolg in Hannover. Davor und danach saß meistens einer draußen, zumeist Rebic, auch weil dieser sich im Heimspiel gegen Hoffenheim das Knie verdreht hatte und erst einmal ausfiel.

Mittlerweile hat sich sogar einer angeschickt, das Trio zu einem Quartett zu erweitern: Goncalo Paciencia stand in den letzten beiden Bundesligaspielen in der Startformation, er hat auch schon zwei Tore beigesteuert.

Die meiste Zeit ist es aber so, dass der Serbe Mijat Gacinovic einen der drei Angreifer ersetzt. In sieben der vergangenen neun Pflichtpartien stand der 24-Jährige in der Startformation, nur in Hannover und Düsseldorf saß er draußen. Trainer Hütter schätzt seine Flexibilität und, was man bei der auf Pressing und Attackieren ausgelegten Spielweise nicht vergessen darf: Gacinovic ist auch deshalb so wichtig, weil er stets Druck auf den Gegner ausübt, ihm keine Ruhe lässt und ihn in hohem Tempo anläuft. „Wichtig sind die Laufwege und das Pressing“, sagt der Spieler selbst. Hütter findet: „Es ist Wahnsinn, wie er arbeitet.“

Vor dem abermaligen Duell mit den Schwaben, am Sonntag in Frankfurt (18 Uhr), ist aber genau jener Gacinovic angeschlagen. Die Ferse ist seit einem Duell mit dem ungnädigen portugiesischen Starspieler Cristian Ronaldo gereizt, nach seiner Rückkehr von der serbischen Nationalmannschaft trainierte der Mittelfeldmann erst einmal individuell. Coach Hütter rechnet allerdings damit, dass Gacinovic am Sonntag eingesetzt werden kann. Die Frage ist aber, von Beginn an oder vielleicht doch eher später.

Eigentlich böte es sich ja an, mal wieder alle drei Zügellosen gemeinsam aufzubieten – nicht nur des Gegners wegen. Hütter hat mittlerweile sogar Variationsmöglichkeiten innerhalb des Dreiersturms. Nachdem er zu Rückrundenbeginn zumeist Luka Jovic ein wenig auf die „Zehn“ zurückzog, wenn alle gemeinsam aufliefen, so mottete der Fußballlehrer diese Variante nach dem Sieg in Hannover erst einmal ein, weil Jovic zwar ein Spieler sei, der theoretisch und von seinen Fähigkeiten her dort spielen könne, aber doch auf jeden Fall in die Box, also den Sechzehner, gehöre.

Das ist nach wie vor korrekt, doch mittlerweile spielt Jovic richtig gut mit, lässt sich fallen und verteilt die Bälle: Paradebeispiel ist da sein eingeleiteter Treffer zum 1:0-Sieg gegen Nürnberg, als er sich zurückfallen ließ, den Ball im Mittelfeld behauptete und mit einem Traumpass auf Filip Kostic die FCN-Abwehr knackte.

Oder aber Ante Rebic spielt, wie häufiger, ein Stückchen hinter den beiden Spitzen. Der Kroate ist zumindest wieder hergestellt, hat auch für sein Heimatland gespielt und getroffen. Wettkampfpraxis würde dem bulligen Stürmer gut tun – im Hinspiel, beim Flächenbrand, hatte Rebic auch getroffen.

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