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Im letzten Derby Trainer auf Abruf: Lothar Buchmann.

Eintracht - Darmstadt

Als Buchmann zum Buhmann wurde

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Der frühere Eintracht-Trainer Lothar Buchmann wird trotz des 2:1-Sieges gegen Darmstadt 98 im April 1982 angefeindet, doch der Coach wehrt sich auf seine Weise: „Die Dummheit der Leute ist nicht mein Problem“.

Am Ende dieses Mittwochs im April 1982 kannten die wenigen Zuschauer im Waldstadion keine Gnade mehr. Sie buhten und pfiffen, sie schimpften und zeterten. Sie waren schier außer sich vor Zorn, des Volkes Seele kochte, sie kochte über. Das war, zumindest mit dem Abstand von 33 Jahren betrachtet, ein wenig merkwürdig.

Die Eintracht lag im Derby gegen den SV Darmstadt 98 nämlich nicht heillos zurück, nein, sie führte durch Tore von Bum-Kun Cha (35.) und Norbert Nachtweih (55.) bei einem Gegentreffer von Helmut Vorreiter (71.) gar mit 2:1 gegen den späteren Absteiger und brachte diesen knappen Vorsprung trotz schwacher Leistung letztlich über die Runden. Dennoch war die Stimmung im Keller. Es war der Trainer, der sich den Unmut der nur 10 000 Zuschauer zuzog.

Die Fans pfiffen Lothar Buchmann erbarmungslos aus, „Buchmann-raus“-Rufe hallten die letzten zehn Minuten durch das Oval. Unablässig. Der renommierte Sportjournalist Hartmut Scherzer schrieb damals: „So wütend, so hasserfüllt, so heftig war der Ruf nach seinem Aus noch nie.“ Buchmann war zum Buhmann geworden. Nur weshalb?

Trainer auf Abruf

Die Zuschauer verziehen dem Coach eine Auswechslung nicht: Für Norbert Nachtweih brachte er nach 81 Spielminuten den Verteidiger Michael Sziedat. Das war zu viel für die Besucher, ein Affront, eine Provokation. Selbst Hartmut Scherzer, noch heute regelmäßiger Berichterstatter von den Eintracht-Spielen, konnte diese Maßnahme nicht nachvollziehen. „Zur Stabilisierung einer ins Wanken geratenen Abwehr mag der Einsatz des Verteidigers Sziedat richtig gewesen sein, aber dafür Nachtweih zu opfern? Werner Lorant etwa oder auch Ralf Falkenmayer, der nach einer großartigen Partie mit seinen Kräften am Ende schien, waren in dieser Phase größere Risikofaktoren als Nachtweih.“

Buchmann, der mit seinem Team letztlich auf Rang acht einlief, scherte sich nicht um die Reaktion der Besucher. „Nachtweih hat schlecht gespielt“, argumentierte er überraschend. Und einen Werner Lorant nehme er nicht raus, alldieweil: „Ich habe gespürt, dass Lorant wusste, was auf dem Spiel stand. Nachtweih hatte diese Einstellung nicht, deshalb holte ich ihn runter.“

Zur Reaktion der Anhänger erklärte der frühere Darmstädter Coach lapidar: „Die Dummheit der Leute ist nicht mein Problem. Man könnte meinen, die sind gekauft, aber mit sehr viel Geld.“

Hintergrund der gegenseitigen Ressentiments: Buchmann war nur noch ein Trainer auf Abruf, sein Wechsel zur neuen Saison stand bereits fest – ausgerechnet zum ungeliebten Rivalen Kickers Offenbach. Doch das ist eine andere Geschichte.

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