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Eintracht-Manager

Bruno Hübner: Ein Verkäufer mit Herz

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Nach zehn Jahren bei Eintracht Frankfurt zieht sich Sportdirektor Bruno Hübner zurück – er geht im Guten und hinterlässt viele Erinnerungen.

  • Eintracht Frankfurt und Sportdirektor Bruno Hübner gehen in Zukunft getrennte Wege.
  • Die Verdienste des ehemaligen Profis für die Hessen sind groß.
  • Der scheidende Sportdirektor will jetzt die letzten drei Monate mit Eintracht Frankfurt genießen.

Frankfurt - Einer der Tricks von Bruno Hübner, dem der Ruf vorauseilt, selbst Eskimos Kühlschränke verkaufen zu können, geht so: Nach einem ersten Verhandlungsgespräch mit einem begehrten Spieler setzt sich Bruno Hübner ins Auto, fährt zur nächsten Tankstelle, kauft sich Zeitungen und einen Kaffee und wartet. Nach einer Stunde ruft er erneut bei dem umworbenen Spieler an, sagt, dass er schon längst auf der Autobahn sei, sich die ganze Sache aber nochmals überlegt habe und man erneut reden müsse. Er kehre sofort um.

Das hat durchaus Eindruck hinterlassen.

Kann angeblich auch Eskimos Kühlschränke verkaufen: Bruno Hübner.

Ja, Bruno Hübner, der jetzt erklärt hat, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nach zehn Jahren als Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt auslaufen zu lassen, dieser Bruno Hübner ist schon eine Marke für sich, ein gewiefter Verhandlungsführer allemal, mit allen Wassern gewaschen, hartnäckig, beharrlich. Und stets mit ziemlich guten Argumenten unterwegs. Hübner, vor kurzem 60 Jahre alt geworden (die man ihm nicht ansieht), kann einen schon überreden, manchmal auch überrumpeln. Er hatte halt immer noch ein Ass im Ärmel, sein breites rheinhessisches Idiom brachte ihm zusätzliche Sympathiepunkte ein. Und er ist auf dem Boden geblieben, hat sich in dem unwirklichen Zirkus Bundesliga eine angenehme Normalität bewahrt, er war und ist leutselig, umgänglich, einer zum Anfassen. Auch jetzt, bei seinem angekündigten Abschied, hatte Hübner für jeden seiner professionellen Wegbegleiter eine nette Anekdote zur Hand, manche rief er auch persönlich an, um sich zu bedanken. Der Mann versteht sein Handwerk, überzeugend war er, der gelernte Industriekaufmann und frühere Bundesliga-Profi des 1. FC Kaiserslautern, sowieso.

Eintracht Frankfurt ist „eine andere Hausnummer“, sagt Bruno Hübner

Und das musste er auch sein, gerade in seiner Anfangszeit bei Eintracht Frankfurt. Das Angebot erhielt Hübner, da war er Manager des Zweitligisten MSV Duisburg, und im Auto gerade auf dem Weg zum Pokalfinale, wo die „Zebras“ 0:5 gegen Schalke 04 verloren. Hübner hatte in Duisburg gerade verlängert, aber „die Eintracht war eine andere Hausnummer“, er sagte dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen zu. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, Armin Veh als Coach für den anvisierten Aufstieg in die Erstklassigkeit zu holen - und ihm für die kurzfristig anberaumte Pressekonferenz ein frisches, weißes Hemd zu leihen. Große Sprünge konnten sich die Hessen, anders als Hübner zunächst annahm, nicht leisten - und doch bastelte, pokerte, fintierte, verhandelte Hübner so lange, bis die Eintracht über ein Team verfügte, das tatsächlich aufsteigen konnte - und das im ersten Jahr sensationell gar die Qualifikation für die Europa League schaffte. Der Grundstein für die spektakulären späteren Auswärtsfahrten in Europa wurde just in der Saison 2012/13 gelegt.

Eintracht Frankfurt und Bruno Hübner: Eine Erfolgsgeschichte

Im Grunde ist die Liaison Hübner/Eintracht eine Erfolgsstory, ein Wort, das der Vater dreier Profifußballer gerne verwendet, Erfolgsstory. Hübner als ausführende, treibende Kraft hat viele Kicker und Trainer nach Frankfurt geholt, Idrissou, Butscher, Gekas, Aigner, Seferovic, Hasebe, Hradecky, Trapp, Wolf, auch bei Rebic und Jovic war er am Ball, um nur einige zu nennen. Und wegen Vaclav Kadlec ist der Mann bestimmt ein dutzend Mal nach Prag gefahren, bis der Deal klappte. Nach Veh hatte er sich trotz großer Widerstände für den damals weitgehend unbeleckten Niko Kovac stark gemacht, eine Entscheidung, die dem Klub 2018 den ersten Pokalsieg seit 30 Jahren bescherte, ein absolutes Highlight in der an Höhepunkten reichen Eintracht-Zeit des Sportdirektors, der aus seinem Herzen nie eine Mördergrube machte und auch, sah er den Klub in ein schlechtes Licht gerückt, sehr deutlich werden konnte. Ohnehin ist das Jahr, in dem die Hessen gerade noch so die Klasse halten konnten, das einzige, das nicht vom ganz großen Erfolg gekrönt war. Danach freilich sollte es bald deutlich stärker bergauf gehen.

Bruno Hübner geht in Frieden mit Eintracht Frankfurt

In den letzten Jahren ist sein Einfluss geringer geworden, Sportvorstand Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga haben mehr und mehr Aufgaben übernommen, „ich war aber im steten Austausch mit ihnen, habe meine Ideen und Vorstellungen eingebracht“, sagt Bruno Hübner, der mit allen Trainern, von Veh über Thomas Schaaf, Kovac und jetzt Adi Hütter blendend auskam. „Ich gehe nicht im Unfrieden“, sagt er, „ich bin fein mit Eintracht Frankfurt.“ Nur sei jetzt die Zeit gekommen, sich mehr um die Familie und Ehefrau Karin zu kümmern. „In den zehn Jahren hatte ich keine 14 Tage Urlaub am Stück.“ Selbst beim Skifahren im Winter habe bisweilen das niemals ausgeschaltete Handy geklingelt. Bruno Hübner, rastlos, umtriebig, war halt immer online.

Eintracht Frankfurt auf Augenhöhe mit den Bayern

Der Entschluss, den Kontrakt auslaufen zu lassen, ist Ende Dezember, Anfang Januar gefallen, überraschend kam er nicht. Er habe ohnehin „kürzer treten wollen“, schon bei der Vertragsverlängerung 2018 sei das Ende in diesem Sommer angedacht worden. Hübner wird auch nicht als Berater in anderer Funktion bei Eintracht Frankfurt tätig sein, doch wenn sein Rat nötig ist, wird er natürlich zur Stelle sein. Seine Aufgaben soll dem Vernehmen nach vorerst Sebastian Zelichowski übernehmen, der persönliche Referent von Bobic.

Der scheidende Sportdirektor will die letzten drei Monate genießen und „mit voller Kraft und Energie dazu beitragen, dass wir diese bislang so gute Saison mit der Qualifikation für das internationale Geschäft abschließen.“ Und noch eines wird ihm widerfahren: Erstmals in den zehn Jahren kommen die Bayern nicht als Topfavorit ins Stadion. „Wir brauchen uns nicht kleiner zu machen als wird sind. Wir sind auf Augenhöhe.“ Was für ein Satz! (Thomas Kilchenstein)

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa

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