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Der Möglichmacher: Eintracht-Manager Hübner.

Eintracht Frankfurt

Bruno, der Baumeister

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Eintracht-Manager Bruno Hübner hat Spuren hinterlassen, aber kein leichtes Jahr hinter sich.

Manchmal muss sich Bruno Hübner einfach selbst loben. Macht ja sonst keiner. Also erzählt er, an welchen Spielern er dran ist oder war, welche Spieler er fast schon fest am Haken hatte, die dann doch des Geldes wegen bei anderen Klubs unterschrieben haben. Der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht erzählt das ohne Überheblichkeit, ohne Eitelkeit, er ist ja kein Selbstdarsteller, er sagt das einfach so, weil es den Fakten entspricht. Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg), Max Kruse (Borussia Mönchengladbach, jetzt VfL Wolfsburg), Kevin Volland (TSG Hoffenheim), Anthony Modeste (1. FC Köln) nennt er als Beispiel, oder jetzt aktuell: Joselu, den er vor zwei Jahren von der TSG Hoffenheim geholt hat, der ein Jahr bei Eintracht Frankfurt spielte, hat Hannover 96 mittlerweile mit Gewinn für acht Millionen Euro nach England zu Stoke City veräußert. Hübner sagt, er höre oft Lob, wonach er ein ganz spezielles Gefühl für Spieler habe. Manchmal fehlt ihm halt nur das nötige Kleingeld dazu, die Spieler nach Frankfurt zu lotsen.

Veh und Hübner – das passt

Vor einem Jahr war der vor 54 Jahren in Mainz-Kastel geborene Hübner schwer unter Beschuss geraten. Friendly Fire, könnte man sagen, denn die Kritik, die barsche Kritik, kam aus den eigenen Reihen. Wilhelm Bender, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef, hatte seinen eigenen Sportdirektor via Zeitungsinterview angeschossen. Es war um die Einkaufspolitik vor der letzten Saison gegangen, die dem früheren Manager des Frankfurter Flughafens viel zu schleppend vorangegangen war. Man benötige Lösungen, denn: „Wir werden nicht für Bemühungen bezahlt, sondern für Erfolge.“

Bruno Hübner, den die Schelte tief getroffen hatte, hat dann doch noch einen ganz ordentlichen Kader zusammengestellt, in Makoto Hasebe und vor allem in dem bis dato weitgehend unbekannten Haris Seferovic sogar zwei richtige Volltreffer gelandet.

Aber das letzte Jahr war für den früheren Profi (1. FC Kaiserslautern, SV Wehen) wirklich kein leichtes. Er ist da fast ein wenig an seine Grenzen gestoßen, war zwischen die Fronten geraten, wenn man so will. Weil er intern zu oft ausgebremst wurde, weil ihm ein Mann fehlte, mit dem er sich austauschen konnte, mit dem er gemeinsam eine Strategie entwickeln konnte, mit dem er diskutieren, auch kontrovers diskutieren konnte, Ein Mann, wie es Armin Veh war, mit dem er in den ersten drei Jahren seit 2011 kongenial zusammenarbeitete, und mit dem er jetzt wieder arbeitet. Kaum einen hat die Rückkehr des Trainers mehr gefreut. Beide ergänzen sich trefflich.

Denn Bruno Hübner ist eigentlich ein Teamplayer, einer, der das Fachsimpeln über Spieler benötigt, um mit sicherem Instinkt gemeinsam den richtigen herauszupicken. Hübner ist kein Einzelkämpfer, kein Entscheider, da tut er sich zuweilen schwer, er wägt ab, verwirft, stellt in Frage. Armin Veh ist da anders. Veh hat schnell klare Vorstellungen. Zweifel sind ihm eher fremd. Hübner ist der Möglichmacher.

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Der Vater dreier ambitioniert Fußball spielenden Söhnen, von denen Benjamin gerade mit dem FC Ingolstadt in die erste Liga aufgestiegen ist, kann überzeugen, kann überreden, kann begeistern. Er würde, heißt es, auch einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen. Verkaufen, das kann er. Hübner selbst nennt das einen Spieler „emotional mit auf die Reise nehmen“. Hübner, der gelernte Industriekaufmann, jahrelang auch für den Wasserfilterhersteller Brita tätig, kann mit Worten schöne Bilder malen, kann Spielern das Projekt Eintracht Frankfurt schmackhaft machen. Er ist hartnäckig, bleibt am Ball. Dass Eintracht Frankfurt in den letzten vier Jahren meist positive Schlagzeilen geschrieben hat, ist zu einem Großteil auch sein Verdienst. „Meine Jahre hier“, sagte er der „FAZ“, „sind ja eher eine Erfolgsgeschichte“. Und auch in der Branche genießt der Morgenmuffel und ewige Optimist in der Tat einen guten Ruf.

Natürlich kann nicht jeder Transfer einschlagen, auch Hübner hat Flops zu verantworten, Amedick, Friend, Occean, Demidov, Kouemaha, Rosenthal, Weis, Medojevic, Piazon waren nicht gerade das Gelbe vom Ei. Auch sein Krisenmanagement in dieser so ambivalenten Saison war nicht besonders gelungen. Mit unglücklichen Aussagen zu Felix Wiedwald („Nicht die Ausstrahlung wie Trapp“) oder Alex Meier („Kröte, die wir schlucken müssen“) hat Hübner angeeckt.

Vor allem aber war er in der Auseinandersetzung um Trainer Thomas Schaaf abgetaucht. Da gab es vom Sportdirektor keine klare Ansage, er ließ die Diskussion einfach laufen. Und verschanzte sich hinter dem neuen Medienchef Markus Jestaedt.

Dessen ungeachtet hat er in Frankfurt tiefe Spuren hinterlassen. Auch wenn es momentan bei der Zusammenstellung des neuen Kaders noch hakt. Das liegt entscheidend an der Personalie Kevin Trapp. Sollte sich der Torhüter und Kapitän wirklich Paris Saint-Germain anschließen, stünden Eintracht Frankfurt und damit Hübner deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Der Sportdirektor könnte sich auf dem Markt komplett anders umschauen als mit einem Investitionsvolumen von drei, vier Millionen Euro. Es wäre auch das erste Mal, dass die Hessen im größeren Stil einkaufen könnten. Bruno Hübner hat entsprechende Kandidaten schon „im Kopf“. Keine Frage, dass er sich zutraut, die Richtigen zu finden.

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