Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Michael Skibbe.
+
Michael Skibbe.

Bruchhagen spricht mit Skibbe

Brüchiger Burgfriede

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen

Zwischen dem ehedem mächtig angefressenen Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen und Trainer Skibbe gibt es plötzlich "nicht die geringsten Dissonanzen". Von Ingo Durstewitz

Sechs, sieben Kamerateams lauerten bei Eiseskälte, ein gutes Dutzend Fotografen, Reporter von Fernsehen, Radio und den Frankfurter Zeitungen. Um ziemlich genau 14.47 Uhr setzte sich die Meute dann in Bewegung, weil die beiden Protagonisten nahten. Showdown im Foyer in der Haupttribüne des Frankfurter Stadions.

Heribert Bruchhagen, der Eintracht-Chef, und Michael Skibbe, der Eintracht-Trainer, kamen Seite an Seite. Und das ungleiche Paar übte auch im verbalen Nachspiel des öffentlichen Zwists den Schulterschluss, die beiden verkündeten in dürren Worten das, was später als Burgfriede im Stadtwald interpretiert werden sollte. "Zwischen uns gibt es nicht die geringsten Dissonanzen", sagte Heribert Bruchhagen gleich zu Beginn des kurzfristig anberaumten Pressegesprächs. Er meinte es tatsächlich ernst. Fünf Minuten später war der Spuk vorüber, Nachfragen waren nicht erlaubt. "Schönen Dank, auf Wiedersehen."

Knapp zwei Stunden zuvor war Michael Skibbe mit Co-Trainer Edwin Boekamp an der Arena vorgefahren. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch. Der Vorstand der Eintracht hatte ihn nämlich zum Rapport gebeten, weil der 44-Jährige im Trainingslager in der Türkei in Abwesenheit von Vorstandschef Bruchhagen den Verein in ein schlechtes Licht gestellt hatte. Zum wiederholten Male. Dem erneut brüskierten Heribert Bruchhagen platzte im fernen Frankfurt der Kragen, der aufmüpfige Trainer musste sogar um seinen Job fürchten.

Plötzlich alles halb so wild

Am Dienstag, nach der Unterredung auf höchster Ebene, war auf einmal alles nur noch halb so wild. Bruchhagen räumte zwar ein, "irritiert" gewesen zu sein ob der Kunde aus dem fernen Belek, "aber Michael hat uns nun seine Argumente dargelegt. Und wir teilen seine Auffassung zu 100 Prozent." Das ist insofern bemerkenswert, da Skibbe dem Verein bescheinigte, in Zukunft keine Entwicklungsmöglichkeiten und keine Perspektive zu haben. "Der Verein wird nicht vorankommen." Viel eher nach unten durchgereicht werden.

Bei Bruchhagen hörte sich das so an: "Michael blickt aufgrund der vielen Verletzten mit einiger Sorge der Rückrunde entgegen. Er sieht unser Ziel von 46 Punkten in Gefahr. Diese Sorge teilen wir." Ob die beiden aneinander vorbeigeredet haben? Oder ob da eher versucht wird, sehr, sehr viel Erde in einen riesengroßen Graben zu schütten?

Bruchhagens Aussage lässt jedenfalls tief blicken: "Wir wollten es unbedingt verhindern, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass es Dissonanzen gibt." Auch das noch: "Wir haben auch die Schlussfolgerungen ausgeräumt, dass Michael nicht gerne hier Trainer ist. Er versicherte uns, dass er sowohl mit dem Vorstand als auch mit der Mannschaft gerne zusammenarbeitet." In Wahrheit trifft das nur auf die Mannschaft zu.

Ein, zwei halbwegs kritische Worte wollte sich Bruchhagen bei aller vordergründiger Harmonie aber doch nicht verkneifen. "Wir haben Michael gesagt, dass wir uns wünschen, dass solche Diskussionen im internen Kreis stattfinden." Eine mehr als vage Hoffnung, denn der Coach wählt gerne die öffentliche Plattform, um den Finger in die Wunde zu legen. Auch, weil er intern schon zu häufig ausgebremst wurde. Ob sich dieser Trainer, unberechenbar und ehrgeizig bis zum Anschlag, tatsächlich auf die Zunge beißt, wenn ihm in Zukunft etwas missfällt? Man kann es sich tatsächlich nur äußerst schwer vorstellen. Skibbes bislang gute Arbeit mit der Mannschaft, die der Eintracht 24 Punkte in der Hinrunde und ein gediegeneres Passspiel bescherte steht auch bei Bruchhagen außer Frage, "er hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen", lobte der Eintracht-Boss. "Er hat zu 100 Prozent das Vertrauen des Vorstands."

Skibbe wollte am Dienstag kein zusätzliches Öl ins lodernde Feuer gießen. Wortscheu wie selten erteilte er vor der unheimlich großen Presseschar Auskunft. "Ich kann nur all das bestätigen, was Heribert Bruchhagen gesagt hat. Ich bin sehr gerne Trainer von Eintracht Frankfurt. Daran wird sich auch nichts ändern." Und die Pauschalkritik aus der Türkei? Am Dienstag klang das merklich abgeschwächt so: "Aufgrund der Verletzungen ist eine Weiterentwicklung unseres guten Spiels aus der Vorrunde erschwert." - "Danke schön." Das war´s. Dann schritten die beiden wichtigsten Männer der Eintracht Schulter an Schulter hinaus in den Schnee. Bruchhagen ging in sein Büro, Skibbe marschierte auf den Trainingsplatz. Am Samstag wird nämlich Bundesligafußball gespielt. In Frankfurt. Gegen Werder Bremen. Man hätte es fast vergessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare