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Eine entpersonalisierte Dauerkarte der Eintracht aus der Saison 2017/18. 2018/19 gibt es sogar 2.000 Stück mehr.

Dauerkarten

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2.000 neue Dauerkarten verkauft Eintracht Frankfurt zur neuen Saison. Die Chance, eine zu bekommen, entspricht in etwa einem Sechser im Lotto.

Wenn Archäologen einst die Statistik darüber ausgraben, welche Sätze ein Fan von Eintracht Frankfurt in seinem Leben am häufigsten gelesen hat, werden sie dies finden: „Achtung! Zur Zeit sind leider zu viele Benutzer auf unserem System. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut. Wir bitten um Ihr Verständnis, Ihr Eintracht Frankfurt Team.“

Beim Eintracht-Frankfurt-Team im Internet konnte man am Donnerstag angeblich Dauerkarten für die kommende Bundesligasaison kaufen. 2000 Stück. Dauerkarten sind gerade sehr beliebt, weil sie nicht nur zum Besuch von Heimspielen im Waldstadion berechtigen, sondern auch zum Erwerb von Tickets fürs Pokalfinale in Berlin, an dem die Eintracht ja quasi traditionell teilnimmt, und zum Erwerb von Tickets für Europapokalspiele, die im Herbst blühen.

Problem an der Sache: Es gibt die Karten nur im Internet, und man kommt leider nicht ins Computersystem des Eintracht-Frankfurt-Teams. Um 10 Uhr soll der Verkauf offiziell losgehen, um 9.31 Uhr meldet die Internetseite tickets.eintracht.de: „Achtung! Zur Zeit sind leider zu viele Benutzer auf unserem System. Bitte versuchen ...“ – Sie wissen schon.

Im Eintracht-Fanforum liest man lange Gesichter. Daniel280 schreibt um 10.02 Uhr: „Bei mir macht er Bad Gateway.“ Heißt: kein Durchkommen. WKN_818 ist um 10.04 Uhr schon einen Schritt weiter, aber: „Hab jetzt die Seite mit dem Stadionplan, aber da stand auf allen Kurven nur 0 Plätze.“ So geht es vielen, bis 10.30 Uhr. Die Rede ist von „Bugs“, Programmierfehlern.

Dann eine taktische Umstellung im Eintracht-Frankfurt-Team. Der angezeigte Text lautet nun: „Die Seite ist zur Zeit nicht erreichbar“ oder so ähnlich, bis 10.50 Uhr. Das wirkt. Viele Angreifer an ihren PCs sind nachhaltig verwirrt. Anschließend wieder: „Achtung! Zur Zeit sind leider ...“ etc.

Der Ton wird langsam schärfer. User Obi-Wan Kenobi: „Dilettantisch wie immer. Komme mir vor wie 1997 mit nem ISDN Modem... klick knack knarsch.“ Das spielt auf vergangene Ticket-Runden an, in denen ebenfalls Zehntausende Fans im Bermudadreieck tickets.eintracht.de verschwanden und als Pay-TV-Zuschauer wieder auftauchten.

Kleine Aufmunterung zwischendurch: „Solange noch kein ,ausverkauft‘ vermeldet wurde, könnt ihr es weiter probieren. Noch sind Dauerkarten für die Saison 2018/19 zu haben. Viel Glück“, twittert die Eintracht. Dann die ersten Jubelschreie im Fanforum. Es soll Menschen geben, die tatsächlich eine Dauerkarte ergattert haben. Davon werden noch ihre Ururururururenkel den Archäologen erzählen.

Andere werden dann immer noch mit blauen Zeigefingern vom Taste-F5-Drücken (Seite neu laden) dasitzen und vor sich hinstottern: „Achtung! Zur Zeit ...“.

Am Donnerstagnachmittag lässt die Eintracht dann wissen, sie wolle „auch im Bereich der Digitalisierung im deutschen Fußball an die Spitze“, gar „der digitalste Bundesligist werden“. Vermutlich ein Scherz. Das scheint so abwegig, als wollte man, sagen wir mal, Bayern München im Pokalfinale besiegen.

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