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Wechselt zur Eintracht: Stefan Reinartz (links).

Eintracht Frankfurt

Bruchhagens Vorstoß

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen bekennt sich zu Trainer Schaaf – doch die Diskussion bleibt. Auf der Suche nach neuen Spielern ist man jetzt fündig geworden.

Am Montagabend hat der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen im Hessen-Fernsehen erklärt, er stelle sich grundsätzlich nicht hinter einen Trainer. Er gebe auch keine entsprechenden Statements ab. „Ich sehe keinen Sinn darin.“ Bekenntnisse zum Trainer hätten im schnelllebigen Bundesligageschäft bald ihre Gültigkeit verloren. „Ich mache diese Spielchen seit Jahren nicht mit.“ Er nannte Hannover 96 als Beispiel, dort habe Präsident Martin Kind dem angezählten Trainer Tayfun Korkut demonstrativ den Rücken stärkte, um ihn ein paar Tage später zu entlassen. Die Eintracht hingegen, sagte Bruchhagen, sei „trainerstabil“.

Das war übrigens ohnehin die Kommunikationsstrategie der Eintracht in den zurückliegenden Wochen: Sich besser nicht in Treueschwüren verzetteln, die man womöglich nicht halten könne. Und dann, urplötzlich, bezog Heribert Bruchhagen am Dienstag dezidiert Stellung, stärkte den wankenden Coach: „Thomas Schaaf bleibt Trainer in der kommenden Saison – auf jeden Fall.“ Das sagte der Eintracht-Chef Sky Sport News.

Und doch: Eintracht Frankfurt bekommt die Diskussionen um Trainer Schaaf einfach nicht klein. Weil es entgegen allen Beteuerungen eben doch nicht so einfach vom Tisch zu wischen ist, dass ein Großteil der Mannschaft Schwierigkeiten mit dem Coach hat. Im Übrigen nicht Reservisten, sondern wichtige Stammspieler. Und es ist so, dass die Verantwortlichen davon wissen und sie nicht eine Erfindung der Medien sind, wie es manch einer darstellen möchte. Nein, der Vorstand, der Aufsichtsrat, die Sportliche Leitung – alle wissen von den Problemen, die schon seit Monaten schwelen. Und die Diskussion wird auch im inneren Kreis weitergeführt. Einig sind sich die Verantwortlichen in der Trainerfrage nicht. Und keiner weiß genau, wie Thomas Schaaf die Diskussion um seine Person selbst wegsteckt und wie er nach dem finalen Saisonspiel am Samstag gegen Bayern 04 Leverkusen reagieren wird. Bisher schweigt er eisern dazu.

Nun sind auf dem Boulevard, bei „Bild“ und „Sportbild“, einige Namen aufgetaucht, die Schaaf beerben könnten. Da wurde etwa Sascha Lewandowski genannt. Das ist kein haltloses Gerücht, die Eintracht hat den früheren Leverkusener Chefcoach als Trainer ins Auge gefasst – sollte es mit Schaaf nicht weitergehen. Der 43-Jährige leitet noch bis zum Ende dieser Spielzeit den Nachwuchs-Bereich von Bayer. Er will aber wieder in den Profizirkel wechseln. Zusammen mit Sami Hyypiä war er zwischen 2012 und 2013 für die Leverkusener Profis verantwortlich. Sehr erfolgreich. Er galt stets als das Hirn in der Zweierkonstellation. Er ist ein moderner Trainer mit klaren Vorstellungen. Das würde passen. Schon vor der vergangenen Saison war Lewandowski ein Kandidat in Frankfurt. Es wäre eine Lösung, die Charme hätte.

Auch die ins Spiel gebrachte Variante, dass Ex-Trainer Armin Veh noch mal für ein Jahr übernimmt, einen jungen Mann heranführt und dann in den Vorstand wechselt, ist keine undenkbare Option. Er hat intern ein hohes Standing, in der Mannschaft sowieso – auch wenn man sich schwer vorstellen kann, dass Veh diese Konstellation begrüßen würde. Auf jeden Fall soll Alexander Schur aufgebaut werden, nicht gleich als Cheftrainer, aber er soll reinschnuppern. Der Ex-Kapitän, derzeit U 19-Trainer, gilt als Trainertalent, hat im Jugendbereich viele Erfolge eingefahren, zuletzt die A-Jugend vor dem fast sicheren Abstieg gerettet. Keine Option bei einem Schaaf-Abgang ist Jos Luhukay.

Deutsche Spieler im Fokus

Klar ist, dass sich Heribert Bruchhagen qua seines Amtes durchsetzen kann, er hat die Entscheidungshoheit. Und er hat sich kurz vor seinem letzten Jahr als Eintracht-Chef weit aus dem Fenster gelehnt. Sollte er den Trainer im Alleingang halten, müsste er im Misserfolgsfall die alleinige Verantwortung tragen.

Offenkundig ist, dass die Debatte der Mannschaft zunehmend unangenehmer wird. „Ich äußere mich nicht zum Trainer“, sagte Marc Stendera, Stefan Aigner ist die Trainerdiskussion „egal“, Marco Russ sogar „scheißegal“. Er, Russ, sei „zufrieden mit dem Trainer“, die „meisten Spieler“ hätten sich „für den Trainer ausgesprochen, nur ein paar Kleine nicht“, sagte Russ noch. Damit liegt er sicherlich nicht richtig.

Kaum ein Profi zweifelt aber die Verdienste des Trainers an. Kapitän Kevin Trapp äußerte sich im Gespräch mit der FR so: „Er ist ja kein Unbekannter. Er hat Riesenerfolge gehabt. Er ist ein sehr guter Trainer, der uns viel abverlangt, der uns fordern will.“ Aber über die Beziehung zueinander möchte keiner sprechen.

Sportdirektor Bruno Hübner, der sich in der Öffentlichkeit merklich zurückhält, bastelt dessen ungeachtet an der Umsetzung der Personalpolitik. Da steht die Verpflichtung von Stefan Reinartz nach FR-Informationen unmittelbar bevor. Kurz vor oder kurz nach dem Saisonfinale gegen Bayer Leverkusen soll der von einigen Vereinen umworbene defensive Mittelfeldspieler des samstäglichen Gegners einen Vertrag bei der Eintracht unterschrieben, er kommt ablösefrei. Der 26-Jährige ist die erste Neuverpflichtung, in dieser Richtung soll es weitergehen. Im neuen Team sollen wieder mehr deutsche Spieler stehen. Zudem sollen willensstarke und geradlinige Spieler geholt werden. Daran wird mit Hochdruck gearbeitet.

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