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Sind sehr zufrieden mit dem Abschneiden: Klubchef Heribert Bruchhagen (links) und Trainer Thomas Schaaf.

Saisonbilanz

Bruchhagen zieht positives Fazit

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Der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen zieht am Ende der Saison ein rosarotes Fazit.

Als der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen sein fast zehnminütiges Referat über das Abschneiden von Eintracht Frankfurt in der Saison 2014/15 dann beendete hatte, schielte der eine oder andere sicherheitshalber noch mal heimlich auf die Tabelle: Tatsächlich, Eintracht Frankfurt wird da immer noch auf Platz elf geführt.

Für einen Moment hatte man ja wirklich das Gefühl, der Chef spreche über einen anderen Klub, über eine andere Platzierung. Und man wagt sich angesichts derlei rosaroter Beschreibungen des Ist-Zustandes gar nicht auszumalen, wie es geklungen hätte, hätte der hessische Bundesligist den – alles andere als illusorischen – Sprung ins internationale Geschäft tatsächlich geschafft. Nicht auszudenken.

Bruchhagen jedenfalls, das macht er traditionellerweise vor dem letzten Spieltag, sprach auf der letzten offiziellen Pressekonferenz dieser Saison zur Lage des Klubs, und er schüttete dabei ein wahres Füllhorn an Lob aus. „Es war eine wirklich zufriedenstellende Saison“, fasste er seine Laudatio auf den eigenen Klub zusammen. Dass Eintracht Frankfurt bereits jetzt, einen Spieltag vor Ultimo, vier Punkte mehr auf dem Konto habe als in der vergangenen Runde nach 34, sei schlicht „ein tolles Ergebnis.“ Man habe das „Saisonziel klar erreicht“, sagte der 66-Jährige.

Das Saisonziel war bekanntlich die Vermeidung unmittelbarer Abstiegsgefahr. Diese, in der Tat nicht sonderlich hoch gehängte Hürde, hat Eintracht Frankfurt souverän übersprungen.

Heribert Bruchhagen sprach von „einer Saison des Spektakels“. Er verwies auf die 115 Tore, die bei Spielen mit Frankfurter Beteiligung gefallen sind, so viele wie nirgends sonst in der Bundesliga. Er lobte die „viertbeste Offensive“, man stelle höchstwahrscheinlich den besten Torschützen der Saison, „das ist hocherfreulich, das ist fürs Image eine gute Sache.“

Der Boss stellte die starke Heimbilanz heraus, seit zehn Spielen ist die Eintracht im eigenen Stadion ungeschlagen – und erwähnte die vielen, unnötigen Niederlagen gerade in der Rückrunde in der Fremde gegen die Leichtgewichte der Liga nur am Rande. Er ließ die 23 Punkte außen vor, die die Mannschaft nach eigener Führung hatte liegen lassen, und ging mit einiger Nonchalance über die 61 Gegentore hinweg, die nur Paderborn und Bremen noch toppen. 61 Gegentore haben die Hessen seit 2001 nicht mehr kassiert. Im übrigen sei das „der Individualität der Spieler“ geschuldet. „Unsere Besonderheit ist das Spiel nach vorne mit Schwächen nach hinten.“ Fest steht auch, dass die Eintracht seit dem Ausfall ihres besten Schützen Alex Meier in fünf der letzten sechs Spiele keinen einzigen Treffer zu Wege brachte. „Der Ausfall von Meier hat uns sehr, sehr weh getan.“

Angesichts des personellen Umbruchs durch den Verlust von Leistungsträgern, der Installierung eines neuen Trainerteams und eines „beispiellosen Verletzungspechs“ sei die Runde gelungen. Zudem seien im Schnitt 48 000 Zuschauer („Die können nicht irren“) ins Stadion gekommen, „und den „Altersdurchschnitt haben wir auch um 2,2 Jahre gesenkt.“ Auf der „Gefühlsebene“ will Bruchhagen „ein Auf und Ab“ einräumen. Dass die Erwartungen des Umfeldes nicht immer stand hielten mit der Realität, liege in der Natur der Sache. „Wir müssen die Tatsachen rational betrachten. Die Enttäuschung haben wir uns intensivst erarbeitet.“

Ähnlich argumentierte erwartungsgemäß Trainer Thomas Schaaf, der bei der Mannschaft „eine Weiterentwicklung“ gesehen haben will, „vier Punkte mehr als im Vorjahr“ sagten eine Menge aus. „Wir haben den gestellten Auftrag sehr gut erfüllt. Wir können in vielen Bereichen ein positives Ergebnis aufweisen.“
Bruchhagen sieht die Eintracht in der Zukunft „auf einem guten Weg“. Dazu passe, dass die Verpflichtung des Leverkusener Mittelfeldspielers Stefan Reinartz (die FR berichtete) jetzt fix sei. Der 26 Jahre alte dreimalige Nationalspieler unterschrieb einen Zweijahresvertrag in Frankfurt. Schaaf nannte Reinartz „einen kompakten Spieler, der uns im defensiven Mittelfeld verstärken und auch das Spiel ankurbeln kann. Er wird uns Sicherheit geben.“ Im übrigen, so der Klubchef, habe der 54-Jährige bereits „klare Vorstellungen von der Besetzung des Kaders“ für die neue Saison entwickelt.

Für die heutige Partie gegen Bayer Leverkusen wünscht sich Schaaf „ein Spektakel. Wir wollen zum Schluss noch einmal die Fans begeistern.“ Daneben geht es um viel Geld, denn die Eintracht kann in der TV-Tabelle bei entsprechenden Spielausgängen noch Boden gut machen. Und jede Verbesserung im Fernseh-Ranking ist etwa 1,25 Millionen Euro wert. „In der TV-Tabelle können wir nicht schlechter werden“, sagte Bruchhagen, besser schon. In der echten Tabelle ist zwischen Platz acht und 12 noch alles drin.

Vor der Partie werden übrigens die beiden Spieler Lucas Piazon, der wegen muskulärer Probleme „leider“ (Schaaf) nicht im Kader ist, und Felix Wiedwald, der mit großer Wahrscheinlichkeit zu Werder Bremen wechselt, offiziell von Eintracht Frankfurt verabschiedet. Alexander Madlung, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, kommt nicht in den Genuss dieser Ehre. Weil er doch noch bleiben darf? Und wenn alles gut läuft, wird nach der Partie Alexander Meier vom „Kicker“ mit der Kanone des besten Torschützen ausgezeichnet. Noch führt der „Lange“, der erstmals seit seiner OP im Stadion sein wird, mit 19 Treffern, endgültige Gewissheit gibt es gegen 17.20 Uhr.

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