Geisterspiele

Big Brother is watching you

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Auch für Medienschaffende sind Bundesligaspiele in Zeiten von Corona Neuland. Es gelten strenge Restriktionen. Und in Frankfurt wird man gar auf Schritt und Tritt überwacht.

Die Auflagen für diejenigen, die für ein sogenanntes Geisterspiel der Fußball-Bundesliga zugelassen werden, sind extrem streng. Im Rahmen des Gesundheits- und Hygienekonzepts, das die DFL ausgearbeitet hat und das als beispielhaft für andere, auch ausländische Profiligen gilt, gelten klare Regeln für die 300 Menschen, die sich während der Partie im Stadion aufhalten dürfen. Auch für Journalisten sind die Vorgaben rigide.

Pro Redaktion darf nur ein Mitarbeiter für die ausstehenden Spiele benannt werden, sollte dieser erkranken oder sich im Urlaub befinden, bliebe der Platz unbesetzt. Nachrücker gibt es also nicht. Die Akkreditierungen für eine Begegnung werden an einem separaten Check-In-Schalter erst nach einer Fiebermessung ausgegeben, zuvor muss ein Fragebogen rund um das Coronavirus (etwa nach typischen Symptomen, etwaigem Aufenthalt in Risikogebieten oder Kontakten mit positiv getesteten Personen) ausgefüllt und unterschrieben werden.

Eine Mund- und Nasenschutzmaske ist während des Aufenthalts in der Arena zwingend vorgeschrieben. Die Medienarbeitsräume bleiben geschlossen, die Pressevertreter, allesamt mit Namenschild ausgestattet, werden unverzüglich zu ihrem Arbeitsplatz auf der Tribüne gebracht, im Fall von Eintracht Frankfurt mit dem Fahrstuhl – dessen Benutzung sonst für die Medienschaffenden seit dem Umbau 2005 untersagt ist. Nach Spielende sind sie dazu angehalten, sich zügig auf den Heimweg zu begeben. Kontakt mit Spielern, Trainern oder Verantwortlichen ist nicht vorgesehen. Auch die obligatorische Pressekonferenz entfällt, sie findet auf virtuellem Wege statt, die zugelassenen Reporter können Fragen per WhatsApp einreichen.

Eintracht Frankfurt bietet zudem noch Corona-Tests für den kleinen Kreis der Reporter an, überdies startet der Klub mit dem Heimspiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr) eine Art Pilotprojekt. So wird den Medienschaffenden ein Sensor ausgehändigt, der blinken und piepen wird, wenn die Abstandsregel (mindestens 1,5 Meter) nicht eingehalten wird. Der Chip gibt auch Aufschluss darüber, wer sich wann, wo und wie lange aufgehalten hat. Auf diesem Wege soll kontrolliert werden, ob das DFL-Konzept tatsächlich mit Leben gefüllt und umgesetzt wird, und außerdem auch Aufschluss darüber geben, wer mit wem in Kontakt kam, sollte es im Nachgang zu einem positiven Corona-Test kommen. Das Vorgehen soll als Blaupause dienen, bei erfolgreichem Start könnte der Transponder auch für die DFL und andere Vereine interessant werden.

Man könnte gleichwohl auch folgern: Big Brother is watching you. Befremdlich ist das für einen freien Bürger allemal. 

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