Trafen mit ihren Nationalteams in der Nations League kürzlich aufeinander: Portugal mit André Silva (rechts) gegen Ante Rebics Kroaten.
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Trafen mit ihren Nationalteams in der Nations League kürzlich aufeinander: Portugal mit André Silva (rechts) gegen Ante Rebics Kroaten.

Der Silva-Rebic-Deal

Das Husarenstück von Sportchef Fredi Bobic

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Wie es der Eintracht-Sportvorstand geschafft hat, die Verpflichtung von André Silva zu einem Nullsummenspiel werden zu lassen.

Damals, als Ante Rebic von Fredi Bobic „mit einem Tritt in den Hintern“ (O-Ton) direkt von der Stadiontribüne an den Flughafen befördert und schließlich Richtung Mailand verabschiedet wurde, während die alten Frankfurter Kameraden unten auf dem Platz Fortuna Düsseldorf mit 2:1 niederrangen, damals ging alles ganz schnell. Auf den allerletzten Drücker und in einer echten Hauruckaktion war der Deal eingefädelt worden, dass der Eintracht-Stürmer zum ruhmreichen AC Milan wechselt und im Tausch für ihn André Silva aus Italien nach Frankfurt kommt.

Zeit, um eine verpflichtende Kaufoption in die Vertragswerke einzuflechten, war nicht mehr. Der Druck war zu groß. Deshalb einigten sich beide Parteien zunächst auf ein zweijähriges Leihgeschäft. Eines davon ist nun beendet, das andere wird es bald sein.

Fredi Bobic ist als gewiefter Taktiker und cleverer Verhandler bekannt

Der Frankfurter Bundesligist hat sich mit dem portugiesischen Nationalspieler Silva auf einen festen Kontrakt bis 2023 geeinigt, der als Kronprinz des großen Cristiano Ronaldo ausgerufene 24-Jährige steigt zu den Topverdienern auf, wird an die vier Millionen Euro einstreichen. Die Ablösesumme bewegt sich in einem moderaten Rahmen, ist im einstelligen Millionenbereich anzusiedeln. Damals, im Sommer 2019, rief Milan noch mehr als 20 Millionen auf.

Vordergründig ist es überraschend, dass der Silva-Transfer nicht an einen zeitgleichen Rebic-Deal gekoppelt ist, denn der damalige Tausch der Spieler steht in einem kausalen Zusammenhang. Doch natürlich wird der italienische Topklub nachziehen, es ist nur eine Frage von Tagen, bis eine feste Verpflichtung des kroatischen Nationalspielers bekannt gegeben wird. Mit dem bulligen Stürmer, der in der Lombardei nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Volltreffer avancierte, haben sich die Rossoneri schon längst geeinigt, der fast 27-Jährige wird künftig fast sieben Millionen Euro einstreichen.

Interessanter ist die Mechanik des Geschäfts zwischen den Vereinen, zu denen ja auch der AC Florenz als außenstehender Teilhaber zählt; der Ex-Klub Rebics hält 50 Prozent der Transferrechte an dem Spieler. Die finanziell schwer gebeutelte Eintracht ist in diesen komplizierten Corona-Zeiten nicht in der Lage, einen Spieler wie Silva in dieser Preisklasse zu verpflichten. Was steckt also dahinter? Sportvorstand Fredi Bobic ist als gewiefter Taktiker und cleverer Verhandler bekannt, er hat es geschafft, den Silva/Rebic-Deal als Nullsummenspiel abzuwickeln. Ein Husarenstück.

Das bedeutet, dass der AC Mailand so ziemlich genau das Doppelte von dem bezahlen wird, was die Eintracht für Silva berappt, weil ja 50 Prozent an den AC Florenz abfließen. Es ist, mal vereinfacht dargestellt, also für die Eintracht nicht von Belang, ob sie nun fünf, zehn oder 15 Millionen für den Portugiesen überweist, wenn die Italiener im Gegenzug das Zweifache für Rebic ausgeben. Da das Geschäft aber auch für Milan annehmbar sein soll, darf man davon ausgehen, dass die ausgehandelten Entschädigungszahlungen nicht exorbitant hoch sind. Logisch ist, dass der AC Florenz als externer Rechteinhaber bei einer niedrigeren Ablöse entsprechend weniger partizipiert. Das ist aber das Geschäftsrisiko mit Klauseln dieser Art.

Rebic mehr wert als Silva

Dass die Lombarden mehr für Rebic zahlen als die Eintracht für Silva ist nicht verwunderlich, der Marktwert des Kroaten liegt bei 32 Millionen, der von Silva bei 24 Millionen. Außerdem wollten die Italiener den Angreifer vom Balkan unter allen Umständen fest verpflichten, mit Silva, den sie einst für 38 Millionen Euro aus Porto holten, haben sie indes keine Verwendung mehr.

Die Preisentwicklung entspricht in etwa der aktuellen Leistungsstärke beider Spieler, da ist Draufgänger Rebic durch seine brachiale Art vielleicht etwas höher zu bewerten als der fußballerisch feinere Silva, der in Frankfurt seinen Wert aber gerade nach dem Re-Start der Bundesliga unter Beweis gestellt hat und mit acht Treffern nach Robert Lewandowski zum zweitbesten Torschützen dieser Phase avancierte.

„Wir haben in den vergangenen Monaten gesehen, welche Leistungsfähigkeit in André steckt“, sagt Sportvorstand Bobic. „Er ist ein junger und flexibler Angreifer, der mit seinen 24 Jahren noch Entwicklungspotential besitzt. Wir sind überzeugt, dass wir ihn hier auf ein noch höheres Niveau bringen können.“ (Von Ingo Durstewitz)

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