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Treibt an und redet darüber: Eintracht-Vorstand Fredi Bobic (re.) mit den Kollegen Michael Preetz (Mitte) und Christian Heidel.

Spobis

Fredi Bobic: „Wir wollen noch weiter“

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Sportvorstand Fredi Bobic über die Positionierung von Eintracht Frankfurt, den Verkauf von Spitzenspielern, die Überprüfung von Mitarbeitern und den Druck auf die Stadt

Es ist ein Lob für die Entwicklung von Eintracht Frankfurt, wenn der starke Mann im Verein als letztes aufgerufen wird. Weil der Klub tabellarisch vor Hertha BSC und dem FC Schalke 04 positioniert ist, schritt Fredi Bobic bei einer Podiumsdiskussion auf dem Sportbusiness-Kongress Spobis nach den Kollegen Michael Preetz und Christian Heidel auf die ausgeleuchtete Hauptbühne. Einigkeit herrschte über den erfreulichen Ist-Zustand der Bundesliga, den Frankfurts Sportvorstand so beschrieb: „Wir sind sehr froh über einen spannenden Wettbewerb. Natürlich müssen wir uns strecken, aber wir erleben eine tolle Saison. Wir müssen das nicht schlechtreden.“ Mit den Duellen der Eintracht gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gegen Bayern München stehen am Samstagnachmittag zeitgleiche Partien mit wegweisender Bedeutung für den Meisterschaftskampf an.

Bobic mag nicht erkennen, dass die Premier League diesbezüglich mehr zu bieten hat. „In England funktioniert vor allem das Marketing prächtig.“ Er sehe, dass sich dort auch gerade nur Manchester City und der FC Liverpool um den Titel streiten. Dem finanziellen Vorsprung will der 47-Jährige genau wie Heidel („das große Geld wird in England bleiben, das werden wir nicht verhindern können“) gar nicht nacheifern, sondern eigenen Weg gehen. „Die Engländer kaufen auch den ganzen Jugendmarkt auf – und irgendwann merken sie, dass sie gar nicht alle Spieler einsetzen können.“ Ohne die Namen seiner Topstürmer Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic zu erwähnen, so hielt er generell fest: „Wir verlieren auch den einen oder anderen Spieler aus wirtschaftlichen Gründen. Es kann passieren, dass uns einer von den Spitzenspielern weggekauft wird.“

Investitionen ins Team hinter dem Team

Ihm sei selbiges ja vergangene Saison auch mit dem Trainer passiert. Die Vorhaltungen, er habe damals Niko Kovac beim Abgang zum FC Bayern eine zu geringe Ausstiegsklausel zugestanden, mag Bobic nicht gelten lassen. „Das ist ein Stück weit heuchlerisch. Wenn ein Trainer gehen will, wird er gehen. Am Ende des Tages ist das eine Geldfrage.“ Die Eintracht hat unter seiner Regie in Rekordzeit die Metamorphose vom Relegationsgegner zum Pokalsieger und Europapokalteilnehmer hinbekommen – und das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht. „Wir setzen uns intern hohe Ziele – nur müssen wir das nicht nach außen blasen. Wir wollen noch weiter.“

Interessante Details verriet der vom Fachmagazin „Kicker“ zum „Mann des Jahres“ gekürte Macher vom Main über das Leitmotiv im Mitarbeiterstab: „Hat jemand Feuer?“ Diese Hingabe werde intern regelmäßig überprüft, denn: „Bei uns sind alles Treiber, das verlange ich auch von ihnen. Ich verzichte lieber auf einen Spieler und baue es in das Team hinter dem Team.“

Der 37-fache Nationalspieler ist derjenige, der ständig anschiebt – und jede Information aus Scouting, Trainerstab oder medizinische Abteilung aufsaugt. Auch wenn er „kein Meeting-Monster“ sei. Der Sportvorstand legte auch dar, warum sich der hessische Bundesligist für die mehrteilige RTL-Doku „Countdown für Europa“ geöffnet habe. Das sei erstmal eine Marketingmaßnahme gewesen: „Wir diskutieren uns in Deutschland manchmal kaputt, und wundern uns dann, dass die Engländer so viel Fernsehgeld bekommen. Die Fokussierung der Spieler der heutigen Generation stört das überhaupt nicht.“ Man habe sofort Trainer Adi Hütter befragt, der sich rückblickend selbst von vielen Einblicken angetan gezeigt habe. „Ich glaube, es ist für den Fan schön zu sehen, wie so etwas abläuft. Man hat eine gewisse Kontrolle, was gezeigt wird. Wir brauchen bei diesen Dingen keine Angst haben. Wir müssen uns nicht verstecken.“

Auch zum Thema des stockenden Neubaus einer Geschäftsstelle auf der ehemaligen Tennisanlage an der Arena fand Bobic am Donnerstag noch deutliche Worte. „Infrastrukturell haben wir riesigen Nachholbedarf.“ Man sei an drei verschiedenen Standorten auseinandergezogen. Mit der Folge: „Man sieht sich nicht.“ Deswegen brauche man eine größere Bleibe mitsamt neuem Profitrakt. „Wir haben eine zu enge Behausung.“ Er fühle sich mitunter an seine eigene aktive Zeit bei Borussia Dortmund erinnert, als er sich zur Jahrtausendwende an der Strobelallee in Containern umgezogen habe – und eigentlich dachte, er sei zu einem Champions-League-Sieger gewechselt.

Für Frankfurt gelte: „Wir sind infrastrukturell brutal weit hintendran. Dies ist eine Aufforderung gegenüber der Stadt. Die Baugrube liegt drei, vier Monate – und man hätte längst anfangen können. Die Stadt kommt nicht in Tritt.“ Diese Verzögerung ist für ihn ziemlich unverständlich: „Wir bauen hier für die Zukunft der nächsten 20, 25 Jahren.“

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