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Wird vielleicht noch in der Bundeslige durchgereicht: Eintracht Frankfurt

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Bleibende Eindrücke

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Jetzt ist sportliche Leistung gefragt.

Es klang ein wenig surreal, ja skurril, was Kevin Trapp da mit leerem Blick und leiser Stimmen von sich gab, doch der Torwart der Eintracht meinte es verdammt ernst: „Wir wollen Platz vier verteidigen.“ Platz vier, die Königsklasse, die Zasterliga. Nach diesem Drama von London gab es nicht wenige, die eher die Befürchtung hegten, dass Eintracht Frankfurt diesen hammerharten Niederschlag in Fulham gegen Chelsea so schnell nicht wird wegstecken können, sondern einen veritablen Knacks davon tragen wird. Platz acht in der Liga schien in der Nacht zum Freitag im englischen Regen irgendwie näher als Rang vier.

Die Frage wird nun tatsächlich sein, wie der hessische Bundesligist dieses alptraumartige Erlebnis auf der Insel wird verarbeiten können. Bricht er ein, weil sich die Spieler körperlich und geistig ohnehin schon auf der letzten Rille gen Ziellinie schleppen und das große, alle vereinende Traumziel ja plötzlich verschwunden ist? Zumal ja seriös niemand vorhersagen kann, wann man mal wieder so dicht an einem europäischen Finale schnuppern darf.

Oder kann sich die Mannschaft zu einem letzten Hurra aufraffen, noch einmal alles aus den von 48 Pflichtspielen geplagten Körpern herausholen und zumindest noch einen Sieg landen, womöglich gleich am Sonntag im Heimspiel gegen den Nachbarn Mainz? Mit 57 Punkten hätten die Frankfurter zumindest gute Aussichten, in der nächsten Saison in der Europa League antreten zu dürfen. Das Bundesligafinale in München in einer Woche wäre dann eine Art Bonusprogramm.

Natürlich besteht die Gefahr, dass die Spieler in ein Loch fallen und durchgereicht werden. Platz acht würde sich nach dieser famosen Saison schal und irgendwie falsch anfühlen, es wäre ein bitterer Ausklang. Doch selbst wenn der Worst Case eintreten sollte, wird diese Spielzeit in Erinnerung bleiben, dieses Team ist speziell und ungewöhnlich, eine Gruppe mit einem besonderen Spirit. Die Spieler haben daher die Pflicht, sich selbst, dem Verein und dem entfesselten Anhang gegenüber, das noch einmal unter Beweis zu stellen und noch einen Dreier einzutüten. Sie müssen es zumindest mit allem, was sie noch im Tank an Reserven übrig haben, versuchen.

Und die Sportliche Leitung ist gefragt, der Mannschaft künftig in der Spitze noch mehr Breite zuzuführen. Denn mit dieser kompromisslosen und brachialen Spielweise, die auf Mentalität und Willen beruht, wird die Eintracht nicht in jedem Jahr ganz vorne vertreten sein können. Dazu sind die Frankfurter Auftritte einfach zu auslaugend und kräftezehrend. So einen wilden Ritt wie in dieser Saison hält eine Mannschaft nicht immer durch, man kann nicht permanent an seiner Grenze spielen oder auch darüber hinausgehen. Und wenn diese Mannschaft nicht an ihr Maximum kommt, ist es ein normales und kein außergewöhnliches Team. Der mentale und körperliche Verschleiß war in den vergangenen Wochen nicht zu übersehen. Nur der Wille trieb die Spieler noch zu manch Kraftakt bei besonderen Anlässen.

Die Aussichten sind dennoch gut, der Klub wird versuchen, die Mannschaft weitgehend zusammenzuhalten und sie sinnvoll zu verstärken. Luka Jovic, der Topstürmer, könnte den Verein verlassen. Bayern-Trainer Niko Kovac hat zudem seinen Ziehsohn Ante Rebic wieder ins Visier genommen. Aber wer weiß schon, wie lange Kovac noch Trainer in München ist. Die Eintracht wird erneut gute Entscheidungen treffen müssen und wenige Fehler machen dürfen, um sich für die neuen Herausforderungen zu wappnen. Das, was sie in dieser Saison erreicht, wie viel Freude sie bereitet und wie viele Sympathien sie gewonnen hat, das wird bleiben, das kann ihr keiner nehmen. Auch als Tabellenachter nicht, so bitter es wäre.

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