1. Startseite
  2. Eintracht

Schalke 04: Blaues Wunder erleben

Erstellt:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Ob er Schalke vor dem Abstieg retten kann? Schwierig wird es in jedem Fall: Trainer Thomas Reis.
Ob er Schalke vor dem Abstieg retten kann? Schwierig wird es in jedem Fall: Trainer Thomas Reis. © dpa

Viele Verletzungssorgen, schlechte Testspielergebnisse, wenige Neuzugänge: Das Schlusslicht aus Gelsenkirchen peilt den direkten Klassenerhalt an, ein Abstieg aber ist wahrscheinlicher.

Ob es wirklich ein gutes Zeichen für den FC Schalke 04 ist, wie von den Gelsenkirchener Klubverantwortlichen allenthalben gedeutet, dass Simon Terodde jüngst verkündete, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag gerne verlängern zu wollen? Sicher, der 34-jährige Angreifer ist ein guter Typ, ein kluger Kopf, ein Sympathieträger, dazu überdurchschnittlich begabt für Schalker Verhältnisse, jedenfalls klar besser als all die anderen Offensiven im königsblauen Kosmos. Doch man kennt ja das wahre Hoheitsgebiet des Bocholters: die zweite Liga. Dort knipst er verlässlich, sucht seinesgleichen, ist Rekordtorschütze gar, satte 172 Buden. Dort will nur eben keiner hin auf Schalke.

Die Bundesliga dagegen scheint dann doch immer eine Nummer zu groß zu sein für den 1,92-Meter-Hünen, dort reicht seine Qualität offenbar nicht ganz aus, um aus der Masse herausstechen. Nicht als junger Simon in Stuttgart, Köln oder Duisburg, nicht als gealterter Terodde auf Schalke. Ausbaufähige 13 Treffer in 73 Erstligaeinsätzen stehen in der Statistik des Mittelstürmers.

Der Fußballclub Schalke 1904, der weltweit die siebtmeisten Vereinsmitglieder vorweisen kann und zu Recht stolz darauf ist, steht mal wieder am Abgrund, mindestens ein Bein hängt vor dem Start in den zweiten Saisonteil an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Eintracht Frankfurt über der Klippe. Die zweite Liga ist entgegen aller Ziele und Wünsche von den Schalker Verantwortlichen sehr nah, zum zweiten Mal binnen drei Spielzeiten.

Konnte der ohnehin klamme Klub die Zurückversetzung ins Fußball-Unterhaus vergangene Runde mit enormer Kraftanstrengung und kluger Personalpolitik des mittlerweile zurückgetretenen Managers Rouven Schröder gerade noch wettmachen, dürfte das aber bei einem durchaus wahrscheinlichen zweiten Anlauf ungleich schwerer werden. Der finanzielle Druck bei Königsblau ist hoch, in der zweiten Liga würde sich die Lage noch mal verschärfen. Also lieber drin bleiben in der Bundesliga - logisch wie schwierig.

„Ich denke, dass wir konkurrenzfähig sind“, sagt der Anführer Simon Terodde selbstbewusst vor dem Frankfurt-Spiel und ergänzt: „Wenn wir da weitermachen, wo wir aufgehört haben, habe ich Hoffnung, dass wir Punkte holen.“ Anfang November gab es einen 1:0-Erfolg gegen Mainz 05, auf den ein 0:2 samt zumindest ordentlicher Leistung gegen die Überbayern folgte. „Mir macht die Spielweise unter Thomas Reis Mut“, sagt Terodde.

Die Aufbruchstimmung auf Schalke, die nach der Verpflichtung des coachenden Hoffnungsträgers im Spätherbst entfacht worden war, ist, fernab der subjektiven Spielerdraufsicht, in großen Teilen aber eigentlich schon wieder dahin.

Ein Auszug Schalker Schreckensmeldungen der vergangenen Wochen: Bandscheibenvorfall bei Mittelfeldmann Alex Kral, Kreuzbandblessur bei Stürmer Sebastian Polter, Muskelfaserriss bei Neuzugang Niklas Tauer (Leihspieler von Mainz 05), Corona-Infektion bei Dominick Drexler. Auch ließen sich die Jungprofis Ibrahima Cisse, 21 Jahre, und Sidi Sané, 19, der Bruder von Nationalspieler Leroy Sané, bei einer Laufeinheit im Übungscamp von Belek vom 40-jährigen Co-Trainer Matthias Kreutzer überholen. Nicht schlecht, Herr Kreutzer.

Zudem: sechs Testspiele, kein einziger Sieg, und das nicht gerade gegen übermächtig anmutende Gegner. Drittligist Osnabrück, Zweitligist Nürnberg, das Schweizer Schlusslicht Zürich, Rapid Wien und Hajduk Split. Im finalen Übungsmatch gegen Werder Bremen gab es schließlich trotz ordentlicher Leistung wieder eine 0:1-Pleite, zehn Profis standen Trainer Thomas Reis da nicht zur Verfügung. Alles in allem: eine unangenehme Situation.

Was kann denn dann den Gelsenkirchenern noch Hoffnung auf den Ligaverbleib machen? Vordringlich ihr Trainer. „Ich will den direkten Klassenerhalt“, sagte der ehemalige Bochumer jüngst erst dem „Kicker“ und verwies zwar auf die komplizierte Ausgangslage seiner Truppe, schließlich sei man mit nur neun Zählern nach 15 Spieltagen „normalerweise schon so gut wie abgestiegen“. Es gebe aber eben nicht nur eine Mannschaft, die für die Schalker in tabellarischer Reichweite liege, sondern mit Bochum, Stuttgart, der Hertha und Augsburg gleich deren vier.

Auch bescheinigte der Schalker Sportvorstand Peter Knäbel wider der Testspielergebnisse seiner Mannschaft „gute, harte Arbeit. Das ist die Basis, mit der wir gestärkt in die verbleibenden 19 Spiele gehen werden.“ Nicht zuletzt feierte Mittelfeldkraft Rodrigo Zalazar, einst von Eintracht Frankfurt nach Deutschland gelotst, nach einem Mittelfußbruch in dieser Woche sein Trainings-Comeback. Der Einsatz gegen seinen ehemaligen Klub aber ist nach monatelanger Pause recht unwahrscheinlich, zumindest allzu lange dürfte er nicht ausfallen.

Als Neuzugänge stehen dem Schalker Coach Thomas Reis der finnische Linksverteidiger Jere Uronen (Stade Brest) und Leih-Rückkehrer Nassim Boujellab (HJK Helsinki), ein Mittelfeldspieler, sowie der aus der eigenen U23 hochgezogene Außenbahnspieler Soichiro Kozuki zur Verfügung. Am Freitag holten die Westdeutschen zudem Michael Frey vom belgischen Erstligisten Royal Antwerpen, der Mittelstürmer wird bis Saisonende ausgeliehen. 

So bedeutend mit Blick auf den Klassenerhalt ein guter Start ins Jahr für die Schalker auch wäre, so schwierig dürfte sich dies gestalten. Nach dem Gastspiel im Hessischen erwarten die Gelsenkirchener am kommenden Dienstag mit RB Leipzig gleich den nächste Champions-League-Achtelfinalisten. Hätte die Ruhrpottler also besser treffen können.

So bleibt final festzuhalten: Der FC Schalke 04 wird auch im ersten Halbjahr 2023 sein blaues Wunder erleben. Ob im positiven oder negativen Wortsinne sei an dieser Stelle erst mal dahingestellt.

Auch interessant

Kommentare