Ein Junger mit Perspektive: Noel Knothe, beobachtet von Niko Kovac.
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Ein Junger mit Perspektive: Noel Knothe, beobachtet von Niko Kovac.

Trainingsauftakt

Ein Biss mit Folgen

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt legt wieder los, sieht sich vor einer schweren Saison und muss auf absehbare Zeit auf Kapitän Alexander Meier verzichten, der jetzt auch noch eine Borreliose-Erkrankung wegstecken muss.

Bevor der neue, mit türkisfarbenen Kreuzen verzierte Bundesligaball namens Torfabrik das erste Mal über den perfekt getrimmten Rasen in Dreieich rollte, versammelte der Frankfurter Trainer Niko Kovac seine Mannen um sich und gab ihnen ein paar Spielregeln mit auf den Weg. Auf einen Weg, der lang und steinig und zuweilen auch beschwerlich werden wird. Der Eintracht-Coach schwor seine Mannschaft am Samstagmorgen in der Arena im Stadtwald auf die kommende Saison ein, da ging es um Erwartungen und Verpflichtungen, aber auch um die generellen Abläufe, gemeinsames Frühstück und Mittagessen und auch die - dosierte – Benutzung der Smartphones.

„Wir hoffen, dass wir gut durch die nächsten Wochen kommen“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. „Für uns geht es darum, die Mannschaft zusammenzuschweißen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Mal schauen, wie schnell wir uns finden.“

Vieles ist ungewiss

In der Regel wird Kovac seine Mannschaft zweimal täglich auf den Trainingsplatz bitten, um zehn und um 16 Uhr. Intensive und anstrengende Wochen liegen vor dem neu zusammengestellten Ensemble. Und so richtig weiß niemand, wo sich das Team einpendeln und wo es stehen wird. Vieles ist ungewiss, viele Fragezeichen pflastern den Frankfurter Weg, denn am Ende wird wieder ein großer Umbruch mit rund einem Dutzend neuer Akteure stehen. Das muss so ein Team erst mal wegstecken und meistern. „Es ist nicht so, dass man von Null beginnt, wenn viele neue Spieler kommen“, sagt Kovac. „Aber klar ist, dass man die Neuzugänge erst mal implementieren und integrieren muss. Das wird seine Zeit dauern.“

Allenthalben wird der Eintracht eine komplizierte Saison in Aussicht gestellt, der 45-Jährige schließt sich den Bedenkenträgern an. „Das ist kein Alibi oder Schutz. Wir wissen, was uns erwartet. Es wird schwer werden.“ Es steht fürwahr zu befürchten.

Durch die vielen Leihspieler, die den Verein durch die Bank wieder verlassen haben, sei man aber gezwungen gewesen, „etwas zu unternehmen“. Und das haben die Frankfurter schnell geschafft. Schon vor dem Trainingsstart am Samstag in Dreieich hatten zehn Spieler (sieben externe und drei aus dem Nachwuchsleistungszentrum) einen Profivertrag unterschrieben. „Wir hatten dieses Mal eine lange Vorlaufzeit und waren gut vorbereitet“, sagt Bobic, der einen ersten Abgang vermelden kann: Der 19 Jahre alte Innenverteidiger Furkan Zorba wechselt zum Drittligisten VfL Osnabrück. Für ihn rückt aus den eigenen Reihen der 18-jährige Noel Knothe nach und wurde mit einem Profivertrag bis 2020 ausgestattet. Bobic glaubt an die jungen Spieler aus dem eigenen Stall. „Wir machen das ja nicht aus Jux und Dollerei.“

Kovac ist mit den bisherigen Aktivitäten auf dem Transfermarkt zufrieden. „Wir haben die Neuen gescannt, auch im charakterlichen Bereich. Ich glaube, dass wir absolut richtig liegen.“ Der Trainer bleibt bei seinem Credo. „Eine gute Mentalität kann fußballerische Qualität schlagen.“
Von Sebastien Haller, den sieben Millionen Euro schweren Königstransfer, ist Kovac schon nach wenigen Einheiten begeistert: „Er bestätigt das, was wir gesehen haben. Er hat große technische Fähigkeiten und das Format für die Nationalmannschaft.“ Die Eintracht könne froh sein, den Franzosen in ihren Reihen zu wissen. „Es ist nicht immer so, dass wir so eine Qualität zu so einem Preis nach Frankfurt holen können.“

Es werden weitere Zugänge folgen, so wird  Mittelfeldspieler Jonathan de Guzman vom SSC Neapel wohl sehr bald ein Frankfurter. Der 29-Jährige war zuletzt an Chievo Verona ausgeliehen, hat dort in 27 Partien zwei Tore erzielt und einen Treffer vorbereitet.

Auch auf den offensiven Außenbahnen werden die Hessen nachlegen müssen, dort tummeln sich bislang lediglich Marius Wolf und Danny Blum. Zumal der Coach Mijat Gacinovic zwar nicht zentral im defensiven Mittelfeld sieht (wo er in der Not in der Rückserie der abgelaufenen Spielzeit aushelfen musste), aber auch nicht mehr am Flügel. Dort sei er nur noch eine Alternative, der schmächtige Serbe sei „eher ein Mittelfeldspieler“, aufgrund seiner „Laufstärke und seines Spielwitzes auf der Acht oder der Zehn“ zu Hause.


Im defensiven Mittelfeld wird die Eintracht ebenfalls noch mal nachlegen. Denn Omar Mascarell wird in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen. Die dauerhaften Achillessehnenbeschwerden sind nicht in dem Maße abgeklungen, wie sich die Sportliche Leitung das vorgestellt und erhofft hatte. Kovac hört sich arg skeptisch an: „Ich bin kein Arzt, aber die Wahrscheinlichkeit ist gegeben, dass er operiert werden muss.“

Bisher hat der Spieler selbst auf eine konservative Behandlung gesetzt, auch die Ärzte von Real Madrid haben eher von einer Operation abgeraten. Real hat eine Rückkaufoption bei Mascarell, weshalb der Klub in diesen Fragen noch immer ein Wörtchen mitzureden hat. Die Eintracht-Mediziner standen von Anfang an eher auf dem Standpunkt, die Sehne operativ zu behandeln. Sollte der Spanier nun tatsächlich unters Messer müssen (wonach es aussieht), hätte er zwei Monate verloren, schließlich liegt der 24-Jährige bereits seit dem Pokalhalbfinale Ende April in Mönchengladbach auf Eis. Zeit, die nun fehlt.


Mascarell wird den am Donnerstag beginnenden USA-Trip nicht mit antreten. Genauso wenig wie Marc Stendera, der nach seinem Meniskusriss und der nachfolgenden Operation am Samstag zwar schon auf dem Platz stand, für den die Reise in die Staaten aber zu früh kommt.

Makoto Hasebe indes wird an Bord sein, der Japaner war schon beim Trainingsauftakt überraschenderweise am Ball. „Er hat gar keinen Urlaub gemacht“, sagt Kovac und lobt die beispielhafte Einstellung des 33 Jahre alten Musterprofis. „Wir wollten ihn eigentlich noch schonen, aber er will immer dabei sein. Das ist die Art der Japaner und von Makoto erst recht.“ Die Eintracht will den von einem Knorpelschaden genesenen Mittelfeldspieler aber „sukzessive, Schritt für Schritt“ aufbauen und heranführen.

Meier muss die Füße still halten

Das wird bei Kapitän Alexander Meier nun immer schwieriger. Der 34-Jährige hat sich nicht nur einer Operation am Knöchel unterziehen müssen, sondern bei ihm wurde eine Borreliose-Erkrankung festgestellt – vermutlich durch einen Zeckenbiss. Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, mit der nicht zu spaßen ist, die langwierige und schwerwiegende Folgen haben kann. „Seit wann ich das habe, kann ich nicht genau sagen“, sagte Meier der FR.

In der vergangenen Woche habe er erneut Schmerzen am Fuß verspürt, die jedoch nichts mit der Operation zu tun hatten. Eine daraufhin durchgeführte Blutuntersuchung förderte dann die Diagnose zutage. Womöglich steht Meiers alte Blessur, die Entzündung an der Fußsohle, die ihn in der zurückliegenden Rückrunde fast zwei Monate zum Zuschauen verdammte, in engem Zusammenhang mit der nun festgestellten Krankheit.

„Ich werde alles dafür tun, um wieder vollständig gesund zu werden. Für mich ist das zwar ein erneuter Rückschlag und es wird jetzt vielleicht etwas länger dauern, aber das wirft mich nicht um“, sagt Meier. „Ich fühle mich normal, werde mich an den Therapieplan halten und genau auf die Ärzte hören.“
 

Der Plan sieht nun erst einmal die vierwöchige Einnahme eines Antibiotikums vor, anschließend wird der Routinier mit einem weiteren Medikament behandelt, ehe er abschließend noch eine Woche ein Antibiotikum schlucken muss. Nach weiteren fünf Wochen wird eine erneute Blutuntersuchung Aufschluss darüber geben, ob die Bakterien wie erhofft eingedämmt sind und Meier seinem Beruf wieder uneingeschränkt nachgehen kann. Eine gezielte Behandlung ist zwingend notwendig, wird diese versäumt, kann Borreliose chronisch werden und meldet sich von Zeit zu Zeit mit schmerzhaften Schüben.


Meier wird erst einmal die Füße stillhalten müssen. „Aktiver Sport im hochtourigen Bereich ist verboten“, berichtet Kovac, der einen Spieler vor sich hatte, „der nicht gut aussah, sehr blass“.
Die Krankheit gehe auf den Kreislauf, weshalb Meier mehr oder weniger „stillgelegt“ sei. Der Stürmer will sich auf dem Laufband fit halten, ohne sich übermäßig anzustrengen. „Ich bin froh, dass es keine Auswirkungen auf meine Reha hat.“

Man müsse sehr vorsichtig sein und dürfe nichts überstürzen, bedeutet Kovac völlig zurecht. „Das kann gesundheitliche Probleme für die Zukunft haben. Es gibt solche Fälle.“ Das ist korrekt. Der frühere Nationalspieler Zoltan Sebescen gab aufgrund anhaltender Kniebeschwerden, die durch eine Borreliose-Infektion ausgelöst worden waren, damals sein Karriereende bekannt – im Alter von 30 Jahren.

„Ich werde das wegstecken und zurückkommen“

Und auch Thomas Schneider, der heutige Assistenzcoach von Bundestrainer Joachim Löw, musste seine Laufbahn wegen eines zu spät erkannten Zeckenbisses vorzeitig beenden. „Als es akut war, hatte ich drei Monate lang einen geschwollenen Knöchel, vorher drei Knie-Operationen, bei denen man nicht recht wusste, wo das Problem wirklich lag“, erzählte Schneider einmal. „Ich weiß noch, wie schlecht ich mich in der Zeit körperlich gefühlt habe. Ich war nach 20 Minuten platt.“ Heute beeinträchtige ihn die Krankheit nicht mehr, aber er habe über mehrere Jahre hinweg in Zyklen Antibiotika verabreicht bekommen. Keine schöne Geschichte.

Alex Meier macht sich über solch schwerwiegende Folgen keine Gedanken, obwohl er in den vergangenen Jahren von einigen Verletzungen gebeutelt war und immer wieder zurückgeworfen wurde. „Ich werde das wegstecken und zurückkommen“, sagt der verhinderte Torjäger fast ein bisschen trotzig. „Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.“

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