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Anton Hübler.

Nachruf

Bier in der Hecke

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Anton Hübler, viel mehr als der Ex-Zeugwart der Eintracht, ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

Toni Hübler, der am Mittwochabend im Alter von 87 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben ist, war natürlich viel mehr als nur Zeugwart von Eintracht Frankfurt. Er war der gute Geist des Vereins, eine Legende, der Kummerkasten, dem sich Spieler anvertraut hatten, ob sie nun Sztani, Kress, Grabowski, Hölzenbein, Körbel, Detari oder Möller hießen. Er war Seelentröster, Mädchen für alles und Chauffeur des Präsidenten Rudolf Gramlich. Hübler, im ungarischen Pecs geboren, war ein herzensguter Mensch, immer hilfsbereit und vor allem verschwiegen. „Ich trage nichts in die Kabine rein und nichts aus ihr heraus“, pflegte er zu sagen.

Manche Anekdoten sind doch nach außen gedrungen, erst viele Jahre später, lange nach 1995, als Hübler, der 25 Trainer erlebt hatte, in Pension ging: Trainer Erich Ribbeck hatte in den 70er-Jahren verfügt, dass die Spieler im Trainingslager in Grünberg zu Mittag- und Abendessen nur 0,3 Liter Wasser zu sich nehmen durften. Damals glaubten Ernährungswissenschaftler noch, Spieler dürfen nur wenig trinken. „Auf dem Gelände sind so schöne, breite Hecken“, grinste Hübler, der Schelm. Genau dort deponierte er jeden Abend zwei gekühlte Kistchen Bier, plus Flaschenöffner. „Mein Gott, das waren doch alles junge Männer“, sagte Hübler, der einen eigenen Fanklub hatte, „EFC Kommando Anton Hübler“, und eigene Autogrammkarten.

1954 kam Hübler zur Eintracht. Zum Vorstellungsgespräch lief der in Urberach beheimatete Hübler vom Hauptbahnhof erst zum Waldstadion. Dort erfuhr er, dass er zum Riederwald musste. Also lief er einmal quer durch die Stadt – und kam prompt zu spät. Genommen wurde er trotzdem, als Gärtner. Er bepflanzte den Riederwald mit Pappeln, die zum Teil noch heute stehen. Mit Einführung der Bundesliga 1963 stieg er zum Zeugwart auf und kümmerte sich um die Belange der Lizenzspieler. Hübler hat mehr Höhen als Tiefen bei Eintracht Frankfurt erlebt, die Meisterschaft 1959 genauso wie die Pokalsiege, den Europacup-Erfolg und das Drama von Rostock. Mit Hübler ist die Eintracht nie abgestiegen. Beim Relegationsspiel gegen Nürnberg in diesem Mai war der passionierte Jäger im Stadion.

„Wir sind sehr dankbar für alles, was Toni Hübler für die Eintracht geleistet hat“, rief Präsident Peter Fischer dem Verstorbenen nach.

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