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Dortmunds Julian Weigl (l.) schaut Frankfurts Ante Rebic zu, wie man es macht.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund

Nur ein Bienenstich

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund bieten beste Fußballunterhaltung und liefern sich beim 1:1-Remis einen wilden Schlagabtausch.

Es kommt eher selten vor, dass der Frankfurter Trainer Adi Hütter sparsam mit dem Wechselkontingent umgeht. Normalerweise schöpft er seine personellen Möglichkeiten aus, nur an diesem Samstag, beim Topspiel gegen den bislang nur einmal geschlagenen Spitzenreiter Borussia Dortmund, brachte er lediglich Mijat Gacinovic nach 55 Minuten ins Spiel für Luka Jovic, der ohnehin mit einer Magenverstimmung in die Partie gegangen war und im Grunde mit seinem Treffer zum 1:1 (36.) sein Tagwerk bereits verrichtet hatte. Hütter hatte nicht wechseln wollen, weil die Partie vor ausverkauftem Hause gegen Borussia Dortmund (1:1) derart umkämpft und mit hoher Intensität geführt wurde, dass ein Ersatzspieler sicherlich eine Weile gebraucht hätte, sich diesem Niveau anzugleichen. Dieses Risiko wollte der Fußballlehrer nicht eingehen. Und das sagte im Grunde eine Menge aus über die Qualität dieser Begegnung: Beide Mannschaften hätten „unheimlich viel Dynamik in ihren Reihen“ gehortet, weshalb den Zuschauern „ein absolut tolles Bundesligaspiel“ geboten worden sein, fand der Österreicher. Und er lag mit seiner Analyse ganz sicher nicht daneben.

Tatsächlich war es ein Duell ohne Netz und doppelten Boden, ein harter Fight auf des Messers Schneide, ein ungeheuer packendes und dynamisches Spiel auf Augenhöhe – es war eine Toppartie, die hielt, was sie im Vorfeld versprochen hatte. Vor allem im ersten Abschnitt wogte die Begegnung hin und her, es gab Torraumszenen fast im Minutentakt, war das Visier von beiden Teams hochgeklappt, weil beide unbedingt gewinnen wollten. Und beide dazu das gleiche Mittel wählte: die Offensive.

Eintracht-Spieler kämpfen um jeden Ball

Die Eintracht hatte dem Tabellenführer, der nun sieben Zähler vor Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München liegt, alles abverlangt. Die Hessen warfen sich in jeden Ball und in jeden Schuss, sie nahmen den Westfalen über weite Strecken die Luft zum Atmen, weil sie einfach nicht locker ließen und die Kontrahenten bedingungslos über das ganze Feld jagten. Es war ein hochmodernes Fußballspiel, aber auch wild und ungestüm, eines, in denen Urtugenden wie Willen und Leidenschaft im Überfluss ausgepackt wurden. „Die Mentalität und die Einstellung hat mir sehr gut gefallen, die Mannschaft hat immer versucht, nach vorne zu spielen“, sagte Hütter (siehe auch Sport Seiten 2 und 3).

Die Eintracht hat die Dortmunder in der Tat nicht nur mit Hochdruck bearbeitet, sondern auch guten Fußball gespielt, mit Herz und Seele dagegengehalten. „Wenn wir solch eine Leistung abrufen, können wir mit den Topteams mithalten“, sagte der 48 Jahre alte Fußballlehrer. Auch mit dieser Einschätzung lag er richtig. In dieser Verfassung zählen die Frankfurter ganz klar zu den Spitzenteams der Bundesliga und stehen, wie selbst BVB-Sportdirektor Michael Zorc lobte, „nicht umsonst da oben“.

Und die Hessen haben nach den beiden eher mäßigen Vorstellungen zuletzt gegen Freiburg (3:1), vor allem aber in Bremen (2:2) eine prima Reaktion gezeigt und erstmals wieder an die Leistungen aus dem Herbst angeknöpft, als in elf nationalen wie internationalen Spielen ungeschlagen geblieben waren.

SGE gegen BVB: Ein Spiel der Fußball-Schulen

Es war auch ein Spiel, in dem zwei unterschiedliche Schulen aufeinander trafen. Hier die feineren Fußballer aus Dortmund, die sich auf engstem Raum, technisch sehr anspruchsvoll, die Bälle zukombinierten, dort die geballte Frankfurter Wucht und Kraft, unbändig, explosiv, aufschäumend. „Frankfurt“, fand Marco Reus, der das 1:0 erzielte (22.), „hat unmenschlich viel Power nach vorne“. So viel, dass die Eintracht immer wieder mehr als feine Stiche gegen bienengelbe Borussen setzen konnte. Rechtsverteidiger Danny da Costa, vor allem aber Angreifer Ante Rebic hätten durchaus mehr aus ihren Möglichkeiten machen können.

Am Ende konnten mit dem Remis beide leben, es war „ein guter Punkt“, fasste der Jüngste im Team, Evan Ndicka, die aufregenden 90 Minuten zusammen. Immerhin habe die - um Martin Hinteregger - neuformierte Hintermannschaft nur ein Tor zugelassen, selbst wenn es verdammt schwer war, „ein Gegengift“ gegen die schnellen Dortmunder Angreifer zu finden, sagte der Franzose, der eine rundum tadellose Leistung zeigte.

Lesen Sie hier die "Ballhorn"-Kolumne zum aktuellen Spiel

Allerdings gab Sebastian Rode, Frankfurts Bester, zu bedenken, habe es eben in der ersten, wilden Halbzeit eine Phase gegeben, „in der wir leicht höher in Rückstand hätten geraten können“. Es war die Zeit, da Marco Reus das 2:0 und 3:0 (24. und 26.) schmählich hatte liegen lassen. „Wenn man Dortmund spielen lässt, dann haben sie eine brutale Qualität vorne und sind in der Lage, jede Mannschaft auseinander zu nehmen mit ihren schnellen Spielern“, sagte Rode, der wie Gelson Fernandes früh mit einer Gelben Karte belastet war. Als defensive Mittelfeldspieler durften sie sich nichts mehr erlauben, beide haben das danach „superprofessionell“ (Hütter) gelöst.

Ganz offensichtlich hat Eintracht Frankfurt zurück in die Spur gefunden. Die Hessen sind gewappnet für die weiteren schweren Aufgaben, demnächst in Leipzig, gegen Schachtjor Doenzk, gegen Mönchengladbach und erneut gegen Schachtjor. Darüber hinaus haben sie bislang zwei Punkte mehr aufs Punktekonto geschaufelt als in der Hinrunde.

Und Luka Jovic, der Toptorjäger, trifft weiterhin am Fließband. Und zwar exakt alle 97 Minuten, einen besseren Wert gibt es in der ganzen Liga nicht, verlässlicher traf in der Geschichte der Bundesliga noch keiner. Sein Tor zum Ausgleich war bereits sein 14. Treffer, er führt alleine die Torjägerliste an und ist bei der Wahl zum Tor des Jahres 2018 auf den zweiten Platz gekommen. Dabei war er, auch weil er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, praktisch kaum im Spiel, hatte wenige Aktionen, bis auf eine entscheidende. Eine Stiefelspitze reicht einem wie ihm schon.

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