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Axel Hellmann, Finanzvorstand der Frankfurter Eintracht, investiert - das ist überfällig.

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Eintracht, Mainz, der DFB und die Fußballer-Ausbildung: Beton hilft nicht gegen Betonköpfe

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Überall neue Funktionsgebäude - doch ein paar schöne neue Büros helfen wenig, wenn sich in den Betonköpfen darin nichts ändert. Der Kommentar.

Just zu jener Zeit, als Eintracht Frankfurt am Dienstag die Grundsteinlegung für ihren neuen Proficampus legte, informierte der Deutsche Fußball-Bund die angeschlossenen Redaktionen per Mail hochoffiziell über den Termin der Grundsteinlegung seines eigenen Großprojektes. Die neue DFB-Akademie wird nochmal 115 Millionen Euro teurer als der ganz in der Nähe gelegene, 35-Millionen-Eintrachtprachtbau. Auch Mainz 05 kündigte jetzt in der Frankfurter Rundschau an, zeitnah mehr als 20 Millionen Euro in ein neues Trainings- und Geschäfsstellenzentrum zu investieren. Andere Klubs und Verbände haben das längst getan. Im Grunde laufen Eintracht Frankfurt, das kleine Mainz 05 und der große DFB der Musik um ein paar Jahre hinterher. Die Investitionen sind überfällig.

Wichtig wäre es im Fortlauf dann aber vor allem, dass die Ausbildung sehr guter Fußballspieler von diesen Investments profitiert, dass also das viele, viele Geld, das in Steine herausgeht, alsbald von Beinen wieder hereingelaufen wird. Im Nachwuchs gibt es beim DFB und bei der Eintracht, noch viel mehr als bei den Mainzern, erheblichen Nachholbedarf. Spieler aus dem eigenen Stall haben es in Frankfurt schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr stabil in die eigene Profimannschaft geschafft. Deshalb wäre es wichtig, die Pläne umzusetzen, auch die Leistungsmannschaften der B- und A-Junioren nah beim Bundesligateam unterzubringen und die Entwicklung von Talenten tatsächlich zu leben.

Zu viel Taktik, zu wenig Spielwitz

In Mainz, wo Profis und Amateure seit Jahr und Tag nah beisammen sind, derweil das Geschäftszentrum noch viel zu weit außerhalb ausgelagert liegt, hat die Professionalität und Seriosität der Nachwuchsarbeit schon recht ordentliche Ergebnisse erzielt, wenn auch kein Zweifel besteht: Die Topleute holen sich die Rheinhessen derzeit aus Frankreich, wo das Pool an Talenten viel tiefer ist als in Deutschland.

Eintracht Frankfurt baut den neuen Campus: Der 35-Millionen-Euro-Neubau

Genau da ist neben den Klubs vor allem der DFB gefragt, der ja auch längst kapiert hat, dass manche Entwicklungen in die falsche Richtung gingen, weshalb die qualitativ und quantitativ übermächtigen 14- bis 18-Jährigen längst in Frankreich, England und Spanien zu finden sind. 

Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber schon ein Rundumblick auf deutsche Fußballplätze in der Sommervorbereitung gibt zumindest eine Teilantwort: Noch immer sieht man auch bei ambitionierten Klubs Talente ohne Ball am Fuß über den Platz oder gar die Aschenbahn hetzen, noch immer sieht man ganze Einheiten, in denen Trainer zu viel Teamtaktik und zu wenig Spielwitz und Freude schulen. Diese Verhaltensweisen stecken tief drin im deutschen Fußball. Ein paar schöne neue Büros, Schulungsräume Spielfelder, Duschkabinen und Entmüdungsbecken helfen wenig, wenn sich in den Betonköpfen nicht genügend ändert.

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