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Nicht mehr ein Team, aber vielleicht bald wieder: Profitrainer Armin Veh (links) und A-Jugend-Trainer Alex Schur.
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Nicht mehr ein Team, aber vielleicht bald wieder: Profitrainer Armin Veh (links) und A-Jugend-Trainer Alex Schur.

Eintracht-Nachwuchs

Besser als die Bayern

Seit Alexander Schur wieder seine ganze Konzentration auf die Arbeit am Riederwald richtet, läuft es wie geschmiert bei den Nachwuchskickern von Eintracht Frankfurt.

Von Manuel Schubert

Irgendwann im September haben sich vier wichtige Männer der Frankfurter Eintracht an einen Tisch gesetzt. Es war ein Krisengipfel im Miniaturformat, die Lage war zwar nicht dramatisch, aber sie bot auch keinerlei Grund zur Freude. Also haben die vier Herren – Armin Veh, Bruno Hübner, Armin Kraaz und Alexander Schur – die Lage sachlich und ruhig analysiert, sie haben diskutiert und abgewogen, sie haben auf die Fakten geblickt, aber auch auf ihren gesunden Menschenverstand vertraut, und am Ende haben sie Nägel mit Köpfen gemacht. Der Eintracht-Trainer, der Sportdirektor, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums sowie der Coach der A-Jugend verließen den Raum in dem Bewusstsein, eine Entscheidung getroffen zu haben, die nicht einfach war. Mittlerweile kann man sagen: Sie haben alles richtig gemacht.

Grund für das Meeting: Der „desaströse“ (Kraaz) Saisonstart der U19. Die A-Jugendlichen mit dem Adler auf der Brust hatten ihre ersten vier Ligapartien allesamt verloren, dabei nur zwei mickrige Tore erzielt, der vorletzte Tabellenplatz war die gerechte Strafe. Schlechter waren nur die Nachbarn von Darmstadt 98. Die Lilien haben nämlich das Kunststück vollbracht, in jenen ersten vier Spielen gleich 17 Gegentore zu kassieren. Dass sich etwas ändern musste, war allen bei der Eintracht klar.

Es lief vieles schief

Also wurde etwas geändert, und zwar das Aufgabenfeld von U19-Trainer Schur. Seit Saisonbeginn durfte der 44-Jährige dem Trainer-Team der Profis über die Schulter schauen. Er war jede Woche bei einigen Trainingseinheiten dabei, durfte manche Übungen selbst anleiten, wurde über alle Vorgänge informiert. Ein fester Bestandteil also. Es ist schließlich kein Geheimnis mehr, dass die Eintracht sich gut vorstellen kann, den im Amateur- und Jugendbereich äußerst erfolgreichen Schur in absehbarer Zukunft zum Profitrainer zu machen.

Obwohl Schur immer betont hatte, die U19 habe für ihn oberste Priorität, und obwohl er nie eine Einheit mit dem Nachwuchs hat sausen lassen, lief es zunächst gewaltig schief bei der A-Jugend. Bei eben jenem Treffen im September beschlossen die Eintracht-Oberen also, dass sich Schur künftig wieder ausschließlich um seine U19 kümmern sollte. Und siehe da: Seit Schur wieder seine ganze Konzentration auf die Arbeit am Riederwald richtet, läuft es wie geschmiert bei den Nachwuchskickern.

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Die Mannschaft hat eine eindrucksvolle Siegesserie hingelegt. Nach den vier Pleiten zum Auftakt siegte die Eintracht gleich viermal hintereinander, unter anderem gegen den amtierenden Meister, die TSG Hoffenheim. Es folgte eine denkbar knappe Heimniederlage gegen den 1. FC Saarbrücken (2:3). Hätte die Eintracht dieses Spiel gewonnen, stünde sie nun auf dem vierten Tabellenplatz. Dafür war ihnen in der jüngsten Begegnung, beim 1:0-Sieg gegen Heidenheim, das Glück treu: der Siegtreffer durch Joker Nils Herdt fiel erst in der Nachspielzeit.

Doch auch so stehen die Hessen nun auf einem ordentlichen sechsten Tabellenplatz, Tendenz nach oben. Von den vergangenen sechs Spielen fünf zu gewinnen, das ist außer der Eintracht nur 1860 München, zurzeit Tabellenführer, sowie der TSG Hoffenheim, aktuell Zweiter, gelungen. Die SGE hat in den zurückliegenden sechs Begegnungen sogar eine bessere Siegesquote vorzuweisen als die verwöhnten Nachwuchsstars des FC Bayern München. „Wir sind das Team der Stunde“, freut sich Kraaz.

Es wäre zu einfach, die Erfolgssträhne der Eintracht allein damit zu erklären, dass Schur nicht mehr bei den Profis weilt. Er ist weiterhin Teil des Trainerteams, wird einmal die Woche über alles Wichtige gebrieft, der ständige Austausch ist weiterhin vorhanden.

Findungsphase hat gedauert

Und dazu soll Schurs Abstinenz nur eine vorübergehende sein. Im Winter wird er mit den Profis ins Trainingslager fahren, das ist fest eingeplant. Und sollte die U19 so weiterspielen wie bis her, kann es gut sein, dass Schur im neuen Jahr wieder beim Training der Bundesliga-Mannschaft anzutreffen sein wird. Eine Rolle hat das Ganze sicher dennoch gespielt.

Die Entscheidung sei „nur ein kleiner Mosaikstein“ auf dem Weg zurück in die Erfolgsspur gewesen, findet Kraaz. Es gibt auch andere Gründe. Nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Stürmer Luca Waldschmidt oder Torwart Yannick Zummack hat das Team eine Weile gebraucht, um sich zu finden. Mit Leon Bätge (vorher VfL Wolfsburg) steht nun ein neuer Mann im Tor, mit Niklas Thiel (HSV) ein neuer Mann im Abwehrzentrum, mit Jesse Sierck (FSV Frankfurt) ein neuer Mann im Mittelfeld. Und plötzlich greift ein Rädchen ins andere. Die Mannschaft liefere „eine tolle Performance“, schwärmt Kraaz.

Der Nachwuchschef hat ein Ziel für das Jahresende ausgegeben: mit mehr als 20 Punkten in die Winterpause. Vier Partien sind noch zu spielen, 15 Punkte hat die Eintracht auf ihrem Konto. Es sieht ganz danach aus, als könne Kraaz an Weihnachten ein paar unbesorgte Tage im Kreis der Familie verbringen. „Wir stehen genau dort, wo wir hinwollten“. Wer hätte das vor zwei Monaten gedacht – an jenem Tag, irgendwann im September.

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