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Dank vom Trainer.

Luka Jovic

Der für die besonderen Momente

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Trainer Adi Hütter lobt die Qualitäten von Matchwinner Luka Jovic.

Sebastien Haller hat es vorher gespürt, und er hat seine Ahnung deshalb explizit kommuniziert. „Ich wusste, dass er trifft“, sagte der eine Eintracht-Mittelstürmer über den anderen Eintracht-Mittelstürmer. „Ich habe ihm gesagt: Vertrau mir, ich weiß, wie das läuft: Ich gehe nach 60 Minuten raus, du kommst rein und machst dein Tor.“ Gesagt, getan: Haller raus, Luka Jovic rein, Siegtreffer erzielt, kurz vor Schluss, und Feierabend.

Okay, vielleicht könnte Monsieur Haller noch ein bisschen an der korrekten Wiedergabe der Minuten feilen, der Franzose machte den Weg in Marseille nämlich erst nach 75 Minuten für den Kollegen frei, doch Jovic ist bekannt dafür, dass er nicht viel Zeit braucht, um durchschlagenden Erfolg zu bringen. In diesem Fall nicht mal eine Viertelstunde, dann war Olympique Marseille im eigenen Stadion besiegt, 2:1. Pardauz. 

Haller gönnt den Treffer

Die lustige Anekdote zeigt aber, wie es um das Binnenklima bei Eintracht Frankfurt bestellt ist. Haller, dreifacher Torschütze in der Liga und einmaliger Vorbereiter, hat seinem Konkurrenten den Treffer gegönnt, Neid, den es gerade unter Torjägern sehr wohl geben kann, ist eher nicht so sehr ausgeprägt. „Luka hat sehr viel Qualität, er ist sehr wichtig für das Team. Wir müssen eine Mannschaft sein, und es ist gut, wenn mehrere Spieler die Tore schießen“, sagte Haller. „Es kann ja nicht immer nur einer treffen.“ 

Das Siegtor in der südfranzösischen Hafenstadt war typisch für Luka Jovic, und irgendwie auch nicht. Denn eigentlich schießt der 20 Jahre alte Serbe seine Tore  aus dem Gewühl, im oder rund um den Fünfmeterraum, per Kopf oder im Privatduell gegen den Torwart, oft ist eine ganze Menge Instinkt im Spiel. Dieses mal aber nahm er den vom weit aufgerückten Außenverteidiger Simon Falette gespielten Ball an, ließ ihn aufhüpfen und drosch ihn gnadenlos unter die Latte. Ein technisch anspruchsvoller Volltreffer. Danach gab es kein Halten mehr. 

Jovic schob Frust

Auch für Jovic war das Tor eine Erlösung, die letzten Monate liefen nicht nach seinem Geschmack, schon im Pokalfinale kam er nicht zum Einsatz, obwohl er die Eintracht mit seinem sensationellen Hackentor auf Schalke ja erst nach Berlin befördert hatte, dann wurde er bei der Weltmeisterschaft nur für zwei Minuten gegen Brasilien eingewechselt, was kein Mensch verstehen konnte. Bei der Eintracht hat er sich ebenfalls keinen Stammplatz erkämpfen können, und zuletzt wurde er in Serbien nur für die U21 und nicht für die A-Elf berufen. 

Das nagte an dem bulligen Stürmer mit dem ausgeprägten Torriecher, er schob Frust, stellte ihn mitunter öffentlich zur Schau. Doch Trainer Adi Hütter fand einen Zugang zum Serben, baute ihn auf, sprach mit ihm, erklärte ihm und auch Haller, das, was er mit seinen Stürmern vor hat. 
Jovic hat zugehört und sich reingekniet. Der Angreifer ist einer, der angetrieben werden muss, zu seiner Anfangszeit redete ihm Ex-Coach Niko Kovac mehrfach ins Gewissen und zog, als er merkte, dass seine Ansprachen nicht fruchten, die Zügel an, machte ihm klar, dass eine Karriere schnell versanden könne, wenn man nicht alles dem Sport unterordne. Talent reicht oft nicht. 

Mit Talent ist Luka Jovic zweifelsfrei gesegnet. Auch Adi Hütter hat diese Hochbegabung schnell erkannt, im Grunde vom ersten Tage an. „Dass er ein toller Spieler ist, habe ich von Anfang an gesehen“, sagte der Coach. Aber auch er fordert mehr Entschlossenheit, mehr Willen, mehr Qual, mehr Leidenschaft und Courage. „Es muss noch mehr kommen“, bekundete der Coach. Doch er greift, wie sein Vorgänger, der Jovic mit dem großen Davor Suker verglich, ebenfalls hoch ins Regal, um die Qualitäten des Torjägers herauszustellen. „Im Sechzehner ist er einer der besten Stürmer, die ich je gesehen habe.“ Hütter, davon kann man ausgehen, wird mit 48 Jahren und fast drei Dekaden als Spieler und Trainer schon so manchen Angreifer begutachtet haben. 

Grundsätzlich, und da kommt wieder Hellseher Sebastien Haller ins Spiel, sei er, der Fußballlehrer, froh, solche zwei klasse Stürmer in seinen Reihen zu haben. „Sie haben gezeigt, dass sie jederzeit in der Lage sind, zu treffen.“ Das ist für Eintracht Frankfurt schon mal nicht so schlecht. 

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