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Ball im Visier: Daichi Kamada (links) attackiert Stefan Ilsanker im Eintracht-Training.

Eintracht Frankfurt vor Spiel in Berlin

Eintracht Frankfurt besinnt sich auf die Basics - Rückkehr von Luka Jovic unwahrscheinlich

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Verteidiger Stefan Ilsanker bleibt auf dem Boden, die Rückkehr von Stürmer Luka Jovic dagegen vorerst ein Wunschtraum.

  • Eintracht Frankfurt bereitet sich auf das Spiel am Freitag in Berlin vor.
  • Wieder dabei: Linksverteidiger Jetro Willems.
  • Eine Rückkehr von Luka Jovic dürfte Wunschdenken bleiben.

Beim Üben am sonnigen Dienstagvormittag hat Eintracht Frankfurt einen alten Bekannten, fast einen verlorenen Sohn, erstmals wieder nach langer Zeit im Training begrüßen können. Er hatte vor mehr als einem Jahr sein Glück bei einem anderen Klub gesucht, einem Spitzenklub sogar, doch so richtig hatte er sich nicht durchsetzen können, sonst wäre er jetzt nicht hier. Es war Jetro Willems, der niederländische Linksverteidiger, der gestern wieder große Teile des Mannschaftstrainings mitmachte - und es war eben nicht Stürmer Luka Jovic, über dessen Rückkehrwunsch zu den Hessen in den letzten Tagen heftig spekuliert wurde.

Luka Jovic zurück zur Eintracht? Eher unwahrscheinlich

Ein Comeback bei jenem Klub, bei dem er sich binnen eines Jahres in den Fokus von Real Madrid geschossen hatte, erscheint allerdings mehr als unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist da die Verpflichtung von Ajdin Hrustic aus Groningen, selbst wenn der 24 Jahre alte Australier seinen Wechsel mit sehr unschönen Methoden glaubt beschleunigen zu müssen. Anständig ist das nicht. Inwieweit Jetro Willems in Frankfurt einen Neuanfang plant, ist ebenfalls ungewiss, eigentlich wollte er fest bei Newcastle United einsteigen, selbst die Ablösesumme stand wohl mit 15 Millionen Euro schon fest. Dann brachte ein Kreuzbandriss und die Corona-Pandemie alle Planungen zum Einsturz. Er und Simon Falette spielen aktuell in den Planungen von Trainer Adi Hütter keine Rolle.

Eintracht Frankfurt: Für das „Zaubern" sind Silva und Kamada verantwortlich

Dafür umso mehr Stefan Ilsanker, auf den verlässlichen defensiven Mittelfeldspieler lässt der Frankfurter Coach nicht viel kommen. Auch am Samstag wechselte er ihn ein, beim Stand von 1:1, und eigentlich hätte man für die Schlussoffensive einen torgefährlicheren Akteur erwartet. „Das Zaubern“, sagt der 31 Jahre österreichische Nationalspieler, wolle er anderen überlassen, jenen, die es können, Daichi Kamada etwa oder André Silva, denen im letzten Aufeinandertreffen mit dem nächsten Gegner am Freitag, Hertha BSC, ein Traumtor gelungen war. Ilsanker, der von sich selbst sagt, „kein feinmotoriger Spieler zu sein“, hält fürs Erste sowieso „die Basics“ für viel, viel wichtiger. Keine Lücken lassen und zusehen, kein Gegentor zu kassieren - das sei in jedem Spiel das Gebot der Stunde. Und wenn man dies nicht berücksichtige, bekomme man „in Berlin den Allerwertesten aufgerissen“, sagte Ilsanker drastisch. Denn die Hertha sei „sehr gut drauf“, habe sich gut verstärkt, verfüge über viel Qualität. „Das wird definitiv nicht leichter als gegen Bielefeld.“ Allenfalls gemeinsam komme man zum Erfolg, denn: „Wir werden nicht großartig mehr machen“ auf dem personellen Sektor, vermutet der Nationalspieler.

Eintracht Frankfurt und das Ketchupflaschenprinzip

Der erfahrene Ilsanker, der seine Aggressionen nach eigener Aussage auf dem Platz auslebt und eine eher rustikalere Spielweise bevorzugt, bittet nach den beiden allenfalls durchschnittlichen Vorstellungen der Hessen im Pokal bei 1860 München und zum Auftakt gegen Arminia Bielefeld um Nachsicht. „Dass die Muster noch nicht richtig passen, ist fast normal“, alles müsse sich noch finden, zudem sei man auf zwei Teams getroffen, gegen die man nicht regelmäßig spiele. „Die kannten wir nicht so gut.“ Gegen Berlin sei das anders. „Ich hoffe, dass es da besser wird als in den ersten beiden Partien“, sagt Stefan Ilsanker, der jenseits des Spielfeldes großes Interesse an Musik, Kunst, Geschichte und Architektur hat. „Ich bin eher ein Schöngeist“, hat er einmal gesagt.

Als die ganz große Verstärkung hat sich Stefan Ilsanker bislang noch nicht präsentieren können, seit er Ende Januar auf den letzten Drücker von RB Leipzig verpflichtet wurde und einen Kontrakt bis 2022 erhielt. Eine gewisse Körperlichkeit strahlt er auf dem Platz aus, als Innenverteidiger hat er zuweilen stärkere Partien abgeliefert als im defensiven Mittelfeld, im Passspiel könnte er sich verbessern. Landsmann Hütter lobt gerne Mentalität und Willen des Österreichers. 18 Pflichtspiele hat Ilsanker in seinem ersten halben Jahr für Eintracht Frankfurt bestritten. Eindrucksvoll waren vor allem seine neun Minuten in Bremen, als Ilsanker in der 83. Minute eingewechselt wurde, um die 1:0-Führung abzusichern, und dann in diesen neun Minuten gleich zwei Tore zum 3:0-Endstand erzielt. Er nannte das selbst in der ihm eigenen, zuweilen ironischen Art „Ketchupflaschenprinzip“ - erst komme gar nichts, dann alles auf einmal. Es waren in 92 Bundesligaspielen seine bislang einzigen Tore.

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Am Dienstag wurden die Frankfurter Kicker freilich nicht nur am Ball geschult. Nach dem Training lauschten sie einem Vortrag von Mannschaftsarzt Professor Florian Pfab, der die Antidopingkompetenzen der Profis auffrischte und sie etwa für die Gefahren einer unbewussten Zunahme verbotener leistungsfördernder Substanzen durch falsche Ernährung sensibilisierte. Jetro Willems hörte zu, Luka Jovic nicht.

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