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Anno 2013 musste sich die Eintracht in tel Aviv geschlagen geben.:

Rückblick Europa League

"Beschämend"

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Eintracht Frankfurt steht in der K.O.-Runde der Europa League. Vor fünf Jahren blamierte sich die Eintracht am vierten Spieltag in Tel Aviv.

Selten war die Meinung über ein Spiel derart eindeutig, selten wurden auch derart deutliche Wort gefunden für eine Partie, die Eintracht Frankfurt doch eigentlich in die nächste Runde hätte führen sollen, ein Punkt hätte zum vorzeitigen Weiterkommen gereicht. Aber nach dem 2:4 (0:3) gegen Maccabi Tel Aviv Anfang November 2013 brachen viele Dämme: Die FR urteilte knüppelhart und schrieb von „einer lachhaften Vorstellung“, auch der Sportinformationsdienst griff hoch ins Regal, nannte die Nichtleistung „peinlich“.

Trainer Armin Veh konnte sich kaum mehr einkriegen. Er erkenne seine Mannschaft nicht wieder, stöhnte er nach dem Desaster in Israel. „Wir haben überhaupt keine Einstellung gefunden. Eine Katastrophe. Wir standen völlig neben den Schuhen, wir haben uns überhaupt nicht bewegt.“ Selbst eine Viertelstunde nach der Partie war der Coach noch komplett konsterniert. „Wir konnten keinen Ball halten. Ich war maßlos enttäuscht von der ersten Halbzeit. Das war Überheblichkeit.“ So hatte man den Trainer noch nie gehört. In der Halbzeitpause, so erfuhr man hinterher, herrschte Eiseskälte in der Frankfurter Kabine. Veh sagte ganze drei Sätze, leise, gefährlich leise.

Tatsächlich konnte man seinen Augen kaum trauen, auch die etwa 2000 mitgereisten Frankfurter Fans nicht. Nach drei Siegen in der Europa League lag der Bundesligist zur Pause gegen einen wahrlich nicht bockstarken Gegner sage und schreibe 0:3 hinten, nichts funktionierte, konzeptlos und vogelwild rannten die Frankfurter über den Platz. Im zweiten Abschnitt rafften sich die Hessen immerhin kurzfristig auf, kamen durch Srdjan Lakic (63.) und Alex Meier (67.), der einen Handelfmeter verwandelte, noch auf 2:3 heran, ehe in der Schlussminute der Endstand fiel. Wenigstens übten sich die Spieler, die meisten zumindest, in wohltuender Selbstkritik: „Für diese erste Halbzeit müssen wir uns schämen“, sagte Mittelfeldspieler Johannes Flum. Torwart Kevin Trapp sprach von „der schlechtesten Halbzeit, die wir je gespielt haben“. Meier fand den Auftritt „beschämend“.

Ohnehin hing die Eintracht seinerzeit in der Liga durch, zehn Punkte hatte sie am elften Spieltag. Und nicht nur Vorstand Axel Hellmann schwante jedenfalls nach den jüngsten Eindrücken Schlimmes für den zwölften Spieltag. Wenn der FSV Mainz 05 am nächsten Spieltag das gleiche Engagement an den Tag legt wie Tel Aviv, dann „könnten sie uns auffressen.“ Taten sie nicht ganz, dennoch reichte es für einen 1:0-Sieg, für den Eric Maxim Choupo-Moting in der 88. Minute sorgte. Die Hessen rutschten in der Liga auf Platz 15 ab, zwei Zähler von einem Abstiegsplatz entfernt.

Ein falscher Satz

Und Tel Aviv war auch für Srdjan Lakic, den kroatischen Stürmer, eine Zäsur. Ohnehin war der Angreifer seinerzeit nicht gerade in einer starken Position, er traf - nach starkem Beginn - immer seltener, fiel so gut wie gar nicht auf. Und mit einem einzigen Satz, unbedacht dahin gesagt, hatte der Stürmer seine Karriere bei Eintracht Frankfurt im Grunde beendet: Man habe zwar schlecht gespielt und verloren, aber „mit meiner Leistung bin ich ganz zufrieden“, hatte er nach der Partie am Flatterband gesagt. Als Veh davon Wind bekam, ist er schier ausgeflippt – und Lakic spielte in der Folge in der Bundesliga bei der Eintracht noch genau fünf Minuten, ehe er in der Winterpause an den SC Paderborn transferiert wurde.

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