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Frankfurter Glückseligkeit kurz vorm Fest: Die Eintracht holt in Augsburg den dritten Saisonsieg.
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Frankfurter Glückseligkeit kurz vorm Fest: Die Eintracht holt in Augsburg den dritten Saisonsieg.

Eintracht Frankfurt

Beruhigungspille für den Kopf

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt landet zum Ausklang in Augsburg einen „absoluten Befreiungsschlag“ und will im neuen Jahr oben angreifen.

Vor dem Kehraus in diesem Jahr hat sich Kevin Trapp dazu entschlossen, ein paar kleine Veränderungen herbeizuführen. Also kramte der Eintracht-Schlussmann ganz neue Torwarthandschuhe aus dem Karton, hielt sie seinem Trainer Jan Zimmermann vor die Augen und sprach ganz cool: „Zimbo, das sind die Zu-Null-Handschuhe.“

Um auf Nummer sicher zu gehen, entschied er sich zusätzlich für ein anderes Outfit, streifte ein leuchtendes orangefarbenes Dress über. „Die Stürmer reagieren auf grelle Farben anders als auf neutrale Farben“, hat der 30-Jährige schon vor einer ganzen Weile festgestellt. Und, siehe da, der Griff in die Trickkiste sollte funktionieren, am Samstagnachmittag endete für Eintracht Frankfurt eine schwarze und für Kevin Trapp eine noch schwärzere Serie: Mit dem 2:0 (0:0)-Auswärtssieg holte der Bundesligist erstmals seit dem 3. Oktober und neun Spielen wieder einen Sieg, und ihr starker Torwächter blieb nach mehr als einem halben Jahr und 18 endlos langen Pflichtpartien mal wieder ohne Gegentreffer. Die letzte weiße Weste bewahrte Trapp am 3. Juni beim 3:0 in Bremen. Da war es noch mollig warm.

Für das schöne Erlebnis in der Fuggerstadt muss er nun ein wenig bluten, drei Kumpels hat er je eine nigelnagelneue Xbox versprochen, sollte er tatsächlich zu Null spielen. Für den gut situierten Ballfänger kein großes Problem, zumal: „Ich mache anderen gerne eine Freude und sie glücklich.“ Vielmehr freute er sich aber über den erfolgreichen Abschluss, und seinen grellen Sweater wird er häufiger überziehen: „Wir Fußballer sind abergläubisch, von daher kann ich mir vorstellen, dass man das Trikot jetzt öfter sehen wird.“

Die Erleichterung im Frankfurter Lager war mit Händen zu greifen, fast schon erlöst trat die Eintracht-Entourage die Heimfahrt an den Main und anschließend den kurzen Weihnachtsurlaub an. Trainer Adi Hütter fasste die allgemeine Gemütslage gleich in seinem Eingangsstatement zusammen: „Das war ein absoluter Befreiungsschlag.“ Es war schon mächtig Druck auf dem Kessel in Frankfurt, die Sieglos-Serie nagte am Trainer und an den Spielern. Es ist dann irgendwann auch ein Kampf gegen die Selbstzweifel und die stetigen Nackenschläge, die es zu verdauen galt. „Wir waren nicht immer vom Glück verfolgt“, resümierte Hütter. „Das war keine einfache Zeit, deshalb war es umso wichtiger, dass wir die Serie durchbrochen und den Bock umgestoßen haben.“

Der dritte Saisonsieg war gleich in zweifacher Hinsicht von entscheidender Bedeutung: zum einen tabellarisch. Die Frankfurter überwintern in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen, vier Punkte trennen die Hessen vom ersten Drittel – das ist nicht die Welt, gerade dann nicht, wenn man bedenkt, dass in 2021 noch 21 Bundesligaspiele zu absolvieren sind und es somit ein extrem heißes Frühjahr geben könnte. Die Eintracht liegt in Lauerstellung, hat sich als Verfolger in Position gebracht. „Wir haben den Anschluss nach oben hergestellt“, sagt Verteidiger Martin Hinteregger: „Im neuen Jahr können wir voll angreifen.“

Nicht auszudenken, wo die Frankfurter stehen könnten, wenn sie mehr Entschlossenheit gezeigt und etwas mehr Fortune gehabt hätten. Fünf zusätzliche Punkte wären locker drin gewesen, aber, nun ja, die Tabelle ist nicht bestechlich und spiegelt die Leistungsfähigkeit in der Regel ganz gut wider.

Und zum anderen, keine Frage, war dieser Dreier kurz vor Weihnachten und dem Mini-Break für die Psyche wichtig, der Sieg war die Bestätigung dafür, auf dem richtigen Weg zu sein und es doch noch zu können. Er war, wenn man so will, auch eine Beruhigungspille für den Kopf.

Der Erfolg hat aber auch ganz pragmatische Gründe. Es hat sich gezeigt, dass Trainer Hütter gut beraten ist, eine Mannschaft aufs Feld zu schicken, die nicht nur arbeiten und laufen, sondern auch manierlich Fußball spielen kann. Der Zugewinn an spielerischer Klasse spiegelt sich in den Darbietungen wider, zumal die aufgebotenen Kreativakteure nicht nur Schnicker sind, die nur vorne glänzen wollen, nein, Aymen Barkok oder Amin Younes gehen auch der Defensivarbeit so diszipliniert nach wie ihnen möglich ist.

Die mutige Ausrichtung kommt innerhalb der Mannschaft besser an als die abwartende Haltung: „Das ist die Eintracht, die man sehen will, wir können auch Fußball spielen und stehen nicht nur fürs Umschalten“, sagt Hinteregger. „Wir haben spielerische Akzente gesetzt, das hat uns am Anfang nicht so ausgezeichnet.“

In Augsburg kam auf diese Weise ein wildes Fußballspiel zustande, mit einer bemerkenswerten Torschussbilanz von 16:14 für die Eintracht. Dass ausgerechnet ein von André Silva erzwungenes Eigentor des Augsburgers Raphael Framberger den Türöffner geben musste (53.), war merkwürdig, aber irgendwie bezeichnend: Denn die Eintracht konnte keine ihrer vielen Chancen verwerten, nicht Filip Kostic (18., 26., 34., 48.) und nicht Silva (11., 40.), Younes (43., 45.) oder Erik Durm (37.). „Wenn du so viele Wochen nicht gewinnst, geht Fußball nicht so leicht von der Hand“, wirft Coach Hütter ein.

Doch weil Stefan Ilsanker nach einer wunderbaren Co-Produktion der eingewechselten Spieler um Steven Zuber und Ajdin Hrustic den Deckel auf dieses Spiel machte (87.) und Schiedsrichter Daniel Siebert nach einem Griff an die Schulter des jungen Tuta gegen Iago (Hütter: „Da hatten wir Glück, das kann er pfeifen“) nicht auf Strafstoß entschied, schaukelte die Eintracht den wichtigen Dreier nach Hause. „Jetzt können wir unterm Weihnachtsbaum mal durchschnaufen“, fabuliert Manager Bruno Hübner.

Viel Zeit ist nicht, genau in einer Woche trifft sich die Mannschaft schon wieder – zumindest mit einem guten Gefühl.

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