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Ben Manga von Eintracht Frankfurt
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Ben Manga im Jahr 2019.

Eintracht Frankfurt

Ben Manga – der Späher aus dem Schatten

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Ben Manga ist bei der Eintracht zum Direktor Profifußball aufgestiegen, die Manager-Welt aber ist nicht sein Ding. Über einen Spezialisten, der sich treu bleibt.

Frankfurt – Frankfurt hat viel zu bieten, hat sich aufgebrezelt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten, einige Schmuddelecken sind geblieben, na klar, aber so alles in allem: Lässt sich ganz gut leben in der Hochhausstadt am Fluss. Manch einen zieht’s dann am liebsten in die Museen, viele ans Mainufer, noch mehr auf die Zeil, das Stadion im Stadtwald nicht zu vergessen. Potenzielle Lieblingsorte noch und nöcher, das Herz von Europa eben. Auch Ben Manga, Direktor Profifußball bei Bundesligist Eintracht Frankfurt, hat für sich solch ein ganz persönliches Frankfurter Favoritenfleckchen gefunden, ein eher ungewöhnliches, ein Hotel.

Die Unterkunft mit Blick auf Skyline und Europäische Zentralbank, im Stadtteil Sachsenhausen direkt am Main gelegen, hat es dem 47-Jährigen angetan, dort wohnte einst nicht nur der Ex-Sportvorstand Fredi Bobic in einem Appartement hoch droben über den Dächern der umliegenden Häuser, auch Ben Manga ist hier Stammgast. Seit Juli 2016 arbeitet er für die Eintracht, seit Juli 2016 kommt er dort unter. Nun ist so ein Hotelleben, wenngleich mit gehobenem Standard, nicht jedermanns Sache, Ben Manga aber gefällt’s. Er kennt es im Grunde nicht mehr anders. Vor Corona, gefühlt eine Ewigkeit her, jettete der Kaderplaner nur so um die Welt. Brasilien, Ecuador, Frankfurt, Portugal, Spanien, Besuche bei hiesigen Kicks, etwa in Darmstadt oder Wiesbaden, wieder Südamerika. Manga ist fleißig. Ein Reisender, der (fast) nicht aufzuhalten ist, selbst von einer Pandemie nur bedingt, der rastlos ist, der hunderte Hotels dieser Welt kennt, und jenes in Frankfurt am meisten mag. Es ist sein Rückzugsort, seine Wohlfühloase.

Ben Manga von Eintracht Frankfurt: Von Fredi Bobic geholt

Ben Manga wurde in Bata in Äquatorialguinea geboren, mit zweieinhalb Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wuchs in Neuss bei Düsseldorf auf, das rheinische Idiom lässt sich kaum verstecken. In seiner Jugend spielte er stets nur Fußball, morgens, mittags, abends, gerne auch im Dunkeln, erst auf Bolzplätzen, später beim VfR Neuss, dort gar ein Jahr noch im Erwachsenenbereich, ehe er bei Fortuna Düsseldorf zum Profi (drei Bundesligaspiele) avancierte. Manga, ein Linksfuß, musste meist defensiv ran, verspürte wie Vorbild Roberto Carlos aber stets den Drang des Attackierens. Er war schnell, für die große Kickerkarriere reichte es aber nicht. Düsseldorf, Wuppertal, Uerdingen, Karlsruhe, Worms, Düren, Aachen. Sein höchster Marktwert, sagt er selbst, soll bei 75.000 Euro gelegen haben, nicht sonderlich viel.

Eintracht Frankfurt und ihre Leihspieler: Von Giraffen und Wühlmäusen

Drei Kniescheibenbrüche später startete Manga seine nächste Karriere, jene als Talententdecker und -förderer. In Aachen, bei der Alemannia, machte ihn der damalige Sportchef Jörg Schmadtke (jetzt VfL Wolfsburg) zum Jugendtrainer und Scout. Manga trainierte die U11, suchte nach begabten Jungs, später war er Co-Trainer bei der U23 und baute das Scouting für den Klub auf, ehe er über Hoffenheim und Stuttgart vor fünf Jahren nach Frankfurt kam. Fredi Bobic hatte seinen engen Vertrauten weggelotst aus dem Ländle.

Ben Manga von Eintracht Frankfurt: Sehr begehrt im Markt

„Ich habe mich in Frankfurt von Anfang an heimisch gefühlt und identifiziere mich total mit der Philosophie der Eintracht“, sagt Manga, der Anfang März bei den Hessen aufgestiegen ist vom Kaderplaner zum Direktor Profifußball. Was das bedeutet? Von finanziellen Aspekten und einer Vertragsverlängerung bis 2026 mal abgesehen, nicht viel.

Manga taucht in der Öffentlichkeit weiterhin kaum auf, er leistet stattdessen wesentlich Teile der Vorarbeit, die zum Beispiel in der anstehenden Transferphase zu Spielerverpflichtungen führen könnte. Nur ganz selten lässt er sich für die Reporter:innen sichtbar am Stadion im Stadtwald blicken, noch viel seltener spricht er mit ihnen. „Das Phantom der Eintracht“, betitelte ihn die FR nicht umsonst vor einiger Zeit. Lediglich in der aufwühlenden Endphase der Vorsaison, als einige Kapitäne von Deck des Eintracht-Dampfers gingen (Hütter, Bobic, Hübner) ließ er sich in manch Mitteilung des Klubs zitieren. Das Vakuum in der Sportlichen Führungsebene wollte gefüllt werden. Seit Oliver Glasner, der Trainer, und Markus Krösche, der Sportvorstand, das Zepter richtig übernommen haben, ist Manga quasi abgetaucht.

Die Toptransfers von Ben Manga für Eintracht Frankfurt

Ben Manga, der in früheren Jahren eine Automechaniker-Ausbildung abschloss, ist keiner für den großen Auftritt, niemand, der gerne im Fokus steht, der Reden schwingt und erklärt, warum was wie läuft. Das gehört nicht zu seinen Stärken. Langfristige Strategien zu entwickeln, überlässt er gerne anderen, wenngleich dies für einen Direktor Profifußball durchaus auch zum Jobprofil gehört. Genauso wie die Führung von Spielern, die Vermittlung von Perspektiven, aber auch Pflichten. Man muss sich bewegen und behaupten können in dem sensiblen Gebilde einer Profimannschaft, im Spannungsfeld mit Spielern, Sportvorstand und Cheftrainer. Man muss strukturiert sein, politisch denken und handeln. In der großen Manager-Welt wirkt Ben Manga mitunter eher verloren.

Doch bei der Eintracht kennen sie ihre Pappenheimer, die Oberbosse wissen, was sie an Manga haben (und was nicht), einen „Perlentaucher“ nämlich, wie ihn die FR oft genug beschrieb und worüber Manga schmunzeln kann. Gemeint: einen absoluten Fachmann auf der Suche nach fußballerischen Talenten.

In einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte, beim vom Verein gesteuerten Eintracht-Podcast, sagte Manga vor kurzem über seine Aufgabe: „Ein guter Scout muss Fantasie und ein gutes Auge haben, um nicht nur zu sehen, ob ein Spieler gut spielt, sondern um auch die Anlagen von ihm zu erkennen.“ Das Scouting bleibe daher trotz internem Aufstieg sein Schwerpunkt, denn „das kann ich am besten“. Luka Jovic, Sebastien Haller, Ante Rebic, vorher auch Jesus Vallejo oder Omar Mascarell, dazu aus dem aktuellen Kader Profis wie Evan Ndicka, Tuta und Rafael Borré - allesamt Entdeckungen von Ben Manga und seinem Netzwerk. Bald 20 Scouts arbeiten für die Eintracht. Wohlgemerkt: Manch Transferflop war in den vergangenen Jahr auch dabei. Kann halt nicht alles klappen.

Interesse des FC Barcelona an Fabio Blanco?

Das bisher einsatzlose Offensivtalent Fabio Blanco, 17, wechselte erst im Sommer auf Werben Mangas nach Frankfurt, soll laut der katalanischen Zeitung Sport aber vor einer Rückkehr nach Spanien stehen, der FC Barcelona habe Interesse, heißt es. 

Ex-Trainer Adi Hütter jedenfalls stellte einmal fest, dass Manga „über jeden Fußballer europaweit informiert ist“. Etwas übertrieben wohl, dennoch nicht allzu weit weg von der Wahrheit. Ben Manga ist begehrt im Markt, seine hervorragende Arbeit hat sich längst herumgesprochen, regelmäßig erreichen ihn Anfragen anderer Klubs, vor allem aus der Bundesliga. Bisher hält er der Eintracht die Treue, auch seinem Förderer Bobic, der etliche Mitarbeiter von Frankfurt nach Berlin mitnahm, folgte er nicht.

Mit Markus Krösche, dem neuen Chef, ist Manga nicht ganz so eng verbandelt wie einst mit Bobic. Etwaige Differenzen aber, die im Herbst durch manch Medium aufgebracht wurden, soll es laut der Beteiligten nicht geben, das verneinten sie vehement. Immer einer Meinung muss man aber ja auch nicht sein. (Daniel Schmitt)

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