Ist wichtiger denn je: Finanzvorstand Oliver Frankenbach.
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Ist wichtiger denn je: Finanzvorstand Oliver Frankenbach.

Oliver Frankenbach

Bei Eintracht Frankfurt wird der Schatzmeister immer wichtiger

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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In diesen schwierigen Corona-Zeiten wird bei Eintracht Frankfurt Schatzmeister Oliver Frankenbach immer wichtiger.

  • Die Corona-Krise hat auch Eintracht Frankfurt finanziell schwer getroffen
  • In diesen Zeiten wird der SGE-Schatzmeister Oliver Frankenbach immer wichtiger
  • Jetzt muss die Eintracht entsprechende Sparmaßnahmen einleiten bzw weiterführen

Frankfurt - Knapp drei Wochen sind es noch bis zum Ernstfall, der ersten Runde im DFB-Pokal, wobei trotz des Marathonfinaltags der Amateure am vergangenen Samstag immer noch nicht feststeht, ob nun Viktoria Aschaffenburg aus der Regionalliga oder der TSV 1860 München aus der Dritten Liga der Gegner der Frankfurter Eintracht sein wird. Es ist, das hat auch das zweite Testspiel am Samstag gegen Eindhoven trotz eines 2:1-Erfolgs gezeigt, noch einiges aufzuarbeiten. Spritzigkeit, Genauigkeit, Tempo, Durchschlagskraft - all das fehlt, dazu mangelt es an frischen Ideen, einem sichtbaren Plan, wie man ein Tor zu erzielen gedenkt.

Eintracht Frankfurt muss durch Corona-Krise schwere finanzielle Einbußen hinnehmen

Aber das alles wird wohl noch kommen, die Vorbereitung hat ja gerade erst begonnen, und all dies steht auf des Trainers Agenda, da wird Adi Hütter Lösungen suchen und finden müssen. Einfach wird es nicht, weil dieser Kader im Augenblick doch arg eindimensional und leicht ausrechenbar wirkt. Auch das kann sich im Laufe der nächsten Wochen ändern, vielleicht sollte es sich auch ändern. Die Sportliche Leitung hat also alle Hände voll zu tun, auch Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga sind gefordert. Vieles spricht dennoch dafür, dass erst ganz zum Wechselschluss Anfang Oktober die wichtigen Abschlüsse getätigt werden können - selbst wenn die Bundesligasaison da schon wieder läuft.

In dieser Zeit, da niemand weiß, wie lange das Virus die (Fußball)-Welt noch vor sich hertreibt, rückt die wirtschaftliche Lage der Klubs immer weiter in den Vordergrund. Die grundsätzliche Frage lautet: Wie lange können Vereine ohne weitere Einnahmen durchhalten? Zwar hat sich die Lage durch die Zahlungen aus der nationalen Vermarktung der Medienrechte entschärft - Eintracht Frankfurt erhält etwa knapp 61 Millionen Euro für die Saison 2020/21 -, doch auf Dauer werde man Spiele ohne Zuschauer „sicherlich nicht überleben“. Das sagte dieser Tage der Finanzvorstand der Eintracht, Oliver Frankenbach, dem „Kicker“. Und der Schatzmeister bezifferte auch schon mal den Rahmen, wie Umsatzeinbußen ins Kontor schlagen könnten, falls tatsächlich alle 17 Heimspiele in einem nahezu menschenleeren Stadion gespielt werden müssten: 60 bis 80 Millionen Euro Miese. Allerdings rechnet der Klub derzeit nicht mit diesem Worst-Case-Szenario.

„Für unsere Planung gehen wir in der Hinrunde davon aus, keine Zuschauer zu haben, dafür in der Rückrunde mit Vollauslastung“, sagt Frankenbach, seit 1998 bei Eintracht Frankfurt. Er weiß natürlich auch, dass angesichts steigender Fallzahlen auch das Risiko steigt, tatsächlich komplett ohne Fans spielen zu müssen - trotzdem muss man überleben. Immerhin haben die Hessen in der Vergangenheit solide gewirtschaftet, rund 100 Millionen Euro an Transfereinnahmen durch den Verkauf des Stürmertrios sind eine Hausnummer, Eigenkapital (68 Millionen Euro), Überschuss (37 Millionen) und entsprechende Kreditlinien federn die Einbußen etwas ab. Deprimierend sei es dennoch, hat schon der frühere Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing gesagt, prima gewirtschaftet zu haben und dann fresse Corona alles auf. Allein der Umsatz (280 Millionen) wird sich halbieren.

Große Solidarität bei Eintracht Frankfurt

Darüber hinaus sind weiterführende Sparmaßnahmen unabdingbar, geplante Investitionen etwa müssen gestreckt werden, Marketingaktionen auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft werden, das Thema Internationalisierung wird vorerst auf Eis gelegt. Und die Profis werden um Gehaltseinbußen nicht herumkommen, inklusive Pandemieklauseln. Auf bis zu 20 Prozent sollen die Spieler verzichten, darüber ist längst gesprochen worden, „offen und ehrlich“, wie Torwart Kevin Trapp unlängst sagte. Einsichtig zeigten sich die Profis, heißt es, keiner solle im Verein seinen Job verlieren.

Rechtsverteidiger Almamy Touré sprach von dem „großen Solidaritätsgedanke und der großen Geschlossenheit“ innerhalb der Mannschaft. Freilich wirft ein etwaiger Verzicht auch Fragen auf, in Frankfurt wie beispielsweise auch bei Borussia Mönchengladbach. Etwa: Wie verträgt sich ein Gehaltsverzicht mit gleichzeitigen Millionen-Investitionen für neue Spieler? Finanzvorstand Frankenbach signalisierte bereits, dass es in der aktuellen Situation „nicht vorstellbar“ sei, Transfererlöse - etwa von Filip Kostic - komplett zu reinvestieren. Diese Gelder werden anderswo dringender benötigt.

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