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Europa League in Sevilla: Bei Eintracht Frankfurt hat längst das Kribbeln begonnen

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Von: Daniel Schmitt

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Wollen auch in Sevilla jubeln: Rode, Trapp, Hasebe. Foto: Imago Images_
Wollen auch in Sevilla jubeln: Rode, Trapp, Hasebe. © imago images/Jan Huebner

Eintracht Frankfurt will die europäischen Festspiele gegen Betis Sevilla dazu nutzen, wieder mehr Drive in eine eher durchwachsene Saison zu bekommen

Frankfurt - Ganz entspannt nach ihrem lockeren Anschwitzen am Dienstagvormittag im zwar sonnigen, aber noch frischen Frankfurter Stadtwald haben sie sich wieder mal richtig rausgeputzt. Kurz geduscht, etwas länger die Haare in alle möglichen Richtungen gestylt, schließlich rasch reingeschlüpft in die maßgeschneiderten Klubanzüge – alles untrügliche Zeichen für das, was da bald kommen wird: das Achtelfinale der Europa League. An diesem Mittwochabend (18.45 Uhr/RTL+) ist Eintracht Frankfurt zu Gast im warmen Südeuropa, in Spanien, Sevilla, Sherry, Sardinas und Seeteufel, Sonne, dazu Fußball, wunderbar.

Real Betis Balompié, inzwischen Tabellenfünfter in La Liga, erwartet die Hessen zum ersten von zwei Kräftemessen binnen acht Tagen. Es sind jene Spiele, die Fußballer ganz besonders reizen, raus aus dem oft genug grauen Alltag, rein in die glänzende Glitzerwelt, rauf auf die europäische Bühne. Sie kennen das ja bei Eintracht Frankfurt aus den vergangenen Jahren, sie waren es, die 2019 ins Halbfinale dieses Wettbewerbs vordrangen – was seit Umbenennung des Uefa-Cups zur Europa League zuvor und danach ansonsten nur noch dem Hamburger SV als deutschem Vertreter gelungen ist (Saison 2009/10). Die Frankfurter wissen, was diese Highlight-Spiele mit einem machen. Da steigt der Puls bereits weit vor dem Anpfiff, die wachsende Nervosität ist kaum auf- und für manch einen auch gar nicht mehr auszuhalten. Sie will bestenfalls in leistungssteigernde Bahnen gelenkt werden.

Eintracht Frankfurt zu Gast bei Betis Sevilla

Dazu kommt: In Andalusien erwartet die Eintracht ein heißes Pflaster - und das nicht, weil für den heutigen Spieltag zwischen 18 und 20 Grad angesagt sind. Das Betis-Stadion, fast 60 000 Menschen fassend, darf voll besetzt werden, in Spanien ist die Corona-Inzidenz niedrig, sind die Einschränkungen weitestgehend aufgehoben, unter anderem die Maskenpflicht im Freien. Es wird gewiss eine feurige Stimmung im Stadion herrschen, die Betis-Fans gelten als enthusiastisch, zudem werden aus Frankfurt rund 5000 Anhänger:innen erwartet. Unter ihnen sind seit langer Zeit auch mal wieder die Ultras in großer Zahl. Dieses Festspiel wollen sie sich nicht entgehen lassen - anders als die Ligaspiele in den letzten zwei Jahren. All das wissen natürlich auch die Eintracht-Spieler – wenngleich Vollprofis, so haben sie diese lautstarken Unterstützung doch sehr vermisst.

Es sind zwei Spiele für die Eintracht gegen Betis, die Überraschungsmannschaft in Spanien (siehe Artikel auf nächster Seite), die eine bisher durchwachsene Saison zu einer deutlich besseren wenden könnten. Als Bundesligazehnter – sieben Punkte Rückstand auf Rang sechs, elf Punkte Vorsprung auf Rang 16 – droht der Eintracht eine recht fade Restsaison in der Liga. Klar, ein Lauf, und vieles wäre noch möglich, aber um allein erneut 27 Punkte wie in der Hinrunde zu sammeln, benötigte die Eintracht noch 20 Punkte bei neun Spielen und 27 möglichen Zählern. Vorerst warten die sportlichen Höhepunkte allein im Europacup.

Eintracht Frankfurt spürt bereits das Kribbeln

Die Frankfurter wollen es ja selbst noch mal spüren in dieser Spielzeit, das besondere Kribbeln, das nur dann aufkommt, wenn sich mehrere Parameter vereinen: starker Gegner, viele Fans, gute Leistung, Erfolg. Mit einem Weiterkommen ins Viertelfinale ließe sich das gesamte Grundgefühl verändern, auch die Beurteilung der Frankfurter Premierenrunde von Coach Oliver Glasner und Sportvorstand Markus Krösche erheblich verbessern. Schon in der Hinrunde konnten die Hessen durch ihren am Ende doch souverän errungenen Gruppensieg in Europa manch Schwäche in der Bundesliga übertünchen. Auch sind gute Leistungen (vor allem Siege) förderlich, um in den Alltag, etwa am Sonntag gegen Bochum, mehr Zug, mehr Drive reinzukriegen. Der 4:1-Erfolg von Berlin, souverän eingefahren, aber keineswegs überragend erspielt, war ein Anfang, macht Hoffnung, der positive Trend will in Sevilla bestätigt werden.

Emotionslos betrachtet, sind die Andalusier in der Favoritenrolle. In diesem Kalenderjahr erzielte Betis bereits 32 Pflichtspieltore. Zum Vergleich: Die Eintracht schaffte zehn, hatte wohlgemerkt aber auch nur die Hälfte an Spielen. Dennoch: In den fünf großen europäischen Ligen ist lediglich der FC Liverpool (34) treffsicherer als die Sevillanos.

Wie immer im Fußball, vor allem auf europäischer Bühne, geht es aber nicht nur um Tore und Punkte, sondern auch ums liebe Geld. 1,8 Millionen Euro an Uefa-Prämie ist alleine der Einzug ins Viertelfinale wert, dazu kommen weitere Einnahmen über den TV- und Marktpool sowie Fans. Ein mögliches Viertelfinale im April, man wagt es sich gar nicht zu formulieren, könnte unter Umständen auch in Frankfurt wieder vor größerer Fan-Kulisse, womöglich vor vollem Haus ausgetragen werden. Einnahmen, die dem Klub in finanziell heiklen Zeiten weiterhelfen würden.

Eintracht Frankfurt: „Es ist wichtig für uns, international zu spielen“

Zudem, das hat Sportvorstand Krösche vor einigen Wochen im großen FR-Interview betont: Die erhöhte Aufmerksamkeit im Europacup wirkt sich auch auf den Marktwert der einzelnen Profis aus. Ein gutes (oder schlechtes) Spiel gegen, sagen wir, den FC Augsburg, ist dann eben doch nicht so von Belang in der allgemeinen Wahrnehmung wie eines gegen Sevilla. „Auch deshalb ist es für uns wichtig, europäisch zu spielen, denn das hat Rieseneinfluss auf den Wert der Spieler“, erläutert Krösche: „Es ist etwas anderes, ob du gegen den FC Barcelona spielst oder in der Bundesliga ein Mittelfeldduell bestreitest.“ So lassen sich Spielerwerte steigern, logisch eigentlich.

Doch gemach, gemach: Bei all diesen Hoffnungen, bei aller Vorfreude, bei allen positiven Anzeichen, die sich nach der längeren Durststrecke zuletzt wieder mehrten, sollte die Eintracht nicht den zweiten vor dem ersten Schritt gehen, will sie die Partien tatsächlich gewinnen und zu ihren Festspielen machen. Trainer Oliver Glasner bringt es mit seiner Einschätzung auf den Punkt: „Wir müssen uns gegen Betis steigern.“ (Daniel Schmitt)

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