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Bedröppelte Frankfurter nach einer bemerkenswerten 1:5-Vorführung gegen Borussia Mönchengladbach.
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Bedröppelte Frankfurter nach einer bemerkenswerten 1:5-Vorführung gegen Borussia Mönchengladbach.

Eintracht - Gladbach

Behäbig in die Krise gezuckelt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Die 1:5-Demontage gegen viel zu schnelle Mönchengladbacher offenbart tiefsitzende Defizite bei Eintracht Frankfurt. Im Heimspiel erspielen sich die Hessen nicht eine einzige nennenswerte Torchance.

Am Tag nach der Gratisvorführung im Stadtwald hat Heribert Bruchhagen inmitten der Frankfurter Tristesse an bessere Zeiten erinnert. Die liegen noch nicht so lange zurück, fünf Wochen nur, da war alles, was jetzt grau und schwarz erscheint, in hellen Farben gemalt worden.

Der Eintracht-Wirbelsturm war gerade mit 6:2 über den 1.FC Köln hinweggefegt, ganz Deutschland schwärmte von Alex Meiers Traumcomeback und dem neu kreierten magischen Dreieck, nur Heribert Bruchhagen saß anderntags am TV-Stammtisch und warnte vor allzu hohen Erwartungen. „Unsere Range ist Platz sieben bis 13. Das ist unser Anspruch“, wiederholte er am Sonntag nochmals sein Credo. Und jetzt, da die Eintracht vor heimischer Kulisse ein 1:5-Debakel gegen Borussia Mönchengladbach erlebte und vom Herbst-Blues befallen ist, müsse keiner glauben, der Verein werde in hektische Betriebsamkeit oder Aktionismus verfallen.

„Während meiner Amtszeit standen wir vorwiegend auf den Plätzen zwölf, 13, 14“, sagte Bruchhagen. „Das ist für uns nicht neu. Deshalb gibt es keinen Grund, um von Depressionen heimgesucht zu werden.“ Der Vorstandschef stellte klar: „Hier verfällt keiner in Panik.“ Aber erhöhte Alarmbereitschaft herrscht sehr wohl in Frankfurt, die Sinne sind geschärft. „Wenn man sieht, was wir auf den Platz bringen, dann besteht sehr wohl Anlass zur Sorgen“, fasste der Vorstandsboss zusammen. Sehr begründet.

Das, was Eintracht Frankfurt am Samstagabend auf den Rasen warf, spottet fast schon jeder Beschreibung. Das sah zeitweise so aus, als spiele eine Altherrenmannschaft gegen einen Bundesligisten. Die Hessen liefen der Musik hinterher und den Gladbachern sowieso. Alle Defizite wurden schonungslos aufgedeckt von den auch ziemlich anspruchsvoll und mitreißend spielenden Borussen. In erster Linie wurde überdeutlich, dass den Frankfurtern das Tempo fehlt, um mit einer solchen Mannschaft mithalten zu können.

„Die Gladbacher waren zu schnell für uns“, urteilte Trainer Armin Veh. Stefan Reinartz, Marc Stendera oder Marco Russ zuckelten im Einheitstrott übers Feld: behäbig und schwerfällig. Keiner hat eine Idee, wie man nach vorne und zum Erfolg kommen will. An Einfallslosigkeit und Planlosigkeit ist das Frankfurter Spiel kaum zu überbieten, alles ist vorhersehbar und schablonenhaft. Da ist keine Kreativität, kein Esprit, kein Dribbling oder eine überraschende Aktion. Das wirkt quälend langatmig, harmlos und uninspiriert. In den defensiven Zweikämpfen waren die Frankfurter überdies immer zu weit weg und hielten Sicherheitsabstand. „Wir waren nicht griffig“, sagte Johannes Flum. „Wir müssen wieder ekliger sein.“

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So kann man in der Bundesliga jedenfalls nicht zum Erfolg kommen. Ganz anders die Gladbacher, für die Raffael (16., 57.), André Hahn (82., 90.) sowie der überragende und erst 19 Jahre alte Mahmoud Dahoud (51.) die Tore erzielten. Der zwischenzeitliche Ausgleich der Eintracht durch einen Strafstoß von Alex Meier (29.) war mehr oder minder ein Zufallsprodukt.

Den Hessen war es nicht gelungen, auch nur eine einzige Torchance zu kreieren. Auch das ist alarmierend: Sie kommen kaum noch zu Möglichkeiten. Und sie schießen nur wenige Tore. Von den 14 bislang geschossenen verteilen sich zehn auf zwei Spiele (sechs gegen Köln, vier in Stuttgart). In den übrigen sieben Begegnungen machten die Frankfurter nur vier Tore. Das ist, nun ja, arg dürftig. In der momentanen Verfassung ist die Eintracht nicht bundesligatauglich, stellt sicherlich mit die schlechteste Mannschaft. Auch der Trend ist alarmierend. Aus den zurückliegenden fünf Partien holte die Mannschaft zwei Pünktchen. Die Eintracht steckt in einer tiefen Krise oder, wie es Trainer Armin Veh drastisch formulierte, „ziemlich in der Scheiße – wir alle zusammen, Trainer und Mannschaft“.

Es sind ja strukturelle Dinge, die nicht stimmen. Auch die von Trainer Veh gewählte Ausrichtung gegen Gladbach war eine extrem schlechte. Durch die Raute haben die Gladbacher den Platz bekommen, den sie brauchten. „Die Räume waren zu groß, wir hatten keinen Zugriff aufs Spiel, das hat sich desaströs ausgewirkt“, sagte Bruchhagen. Ein taktischer Fauxpas, für den der Trainer verantwortlich zeichnet. Er räumte auch ein, dass diese Variante ein Schuss in den Ofen war. „Durch die Raute hatten wir Probleme in der Defensive. Die Wege sind zu weit, wenn der Gegner besser ist.“ Veh hatte es dennoch zu lange laufen lassen.

An der Einstellung zum Spiel, davon waren dieses Mal alle überzeugt, hat es diesmal nicht gelegen. „Daran lag es nicht, da nehme ich meine Mannschaft in Schutz“, sagte Veh. Und Bruchhagen fand: „Sie haben alles gegeben, sie sind nicht leichtfertig.“ Das eigentlich Positive findet er gerade besorgniserregend. „Das macht es nicht einfacher.“ Denn wenn die Berufsauffassung stimmt, passen halt andere, weitreichendere und grundsätzlichere Dinge nicht. Keine guten Aussichten für Eintracht Frankfurt.

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