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SGE

Eintracht: Begehrter Bobic lässt es brodeln - Gerüchte um Abgang zu Hertha BSC

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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In Frankfurt schaltet sich Aufsichtsratschef Philip Holzer ein, um die Diskussion rund um den Eintracht-Sportchef Fredi Bobic und Hertha BSC einzufangen.

  • Hertha BSC ist an Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt interessiert.
  • Bobic selbst dementiert die Gerüchte einen möglichen Wechsel nicht.
  • Die SGE will den zweifachen Manager des Jahres unbedingt halten.

Frankfurt - Selbst mit gewissem Abstand ist für den im Sommer aus dem Amt geschiedenen Wolfgang Steubing sonnenklar, welche Entscheidung in dem halben Jahrzehnt seiner Amtszeit als Aufsichtsratschef bei Eintracht Frankfurt die beste und nachhaltigste war: die, den damals in Stuttgart vom Hof gejagten Fredi Bobic als Sportvorstand zu gewinnen.

Das war 2016, die Eintracht rettete sich nur in der Relegation vor dem Abstieg, und es war nicht so, dass der einstige Nationalspieler aus dem Schwabenländle in Frankfurt mit offenen Armen empfangen worden wäre. Und da geht es nicht nur um die heterogene Fanszene, die dem Macher mit offener Ablehnung begegnete.

Eintracht Frankfurt: Anfängliche Skepsis bei Fredi Bobic

Viel härter war der Kampf, den Steubing intern führen musste, denn in den Gremien waren nicht alle überzeugt von Fredi Bobic, ganz im Gegenteil, nicht wenige präferierten den früheren Eintracht-Profi Thomas Sobotzik, mittlerweile bei Viertligist Kickers Offenbach tätig, als Sportchef. Doch Steubing blieb unbeugsam, es wurde mit harten Bandagen gekämpft, es war eine verdammt schwere Geburt, ehe der Stuttgarter mit slowenischen Wurzeln seine Unterschrift unter den Vertrag setzen durfte. „Wolfgang hat sich gegen größere Widerstände durchgesetzt“, sagt Bobic über Freund Steubing.

Fredi Bobic sammelte Preise, wurde zweimal, 2018 und 2019, als Manager des Jahres ausgezeichnet.

Aus der holprig beginnenden Liaison entwickelte sich eine beinahe märchenhafte Erfolgsgeschichte. Fredi Bobic päppelte die Eintracht auf, anfangs mit einem Schmalspurbudget, in seinem ersten Jahr durfte er für 2,5 Millionen Euro einkaufen gehen. Dafür bindet sich mancher Fußballprofi nicht mal mehr den rechten Schnürsenkel zu. Bobic überzeugte mit Akribie, Willen, Fantasie, gutem Auge und einem riesengroßen Netzwerk. Gemeinsam mit Chefscout Ben Manga stellte er dem damaligen Trainer Niko Kovac eine Mannschaft zusammen, die am 20. Spieltag noch von Platz drei grüßte und den Weg ins Pokalfinale fand. Der Beginn eines beispiellosen Aufschwungs.

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic zweimal Manager des Jahres

Fredi Bobic sammelte Preise, wurde zweimal, 2018 und 2019, als Manager des Jahres ausgezeichnet. Das hatte er sich verdient, weil der Sportboss die Eintracht mit seiner klugen Transferpolitik auf ein anderes Niveau hievte: Pokalsieg 2018, Europa-League-Halbfinale 2019, Qualifikation für den internationalen Wettbewerb 2019, aktuell Platz vier in der Bundesliga. Bobic holte Kracher wie Luka Jovic, Sebastien Haller, Ante Rebic, Kevin-Prince Boateng, André Silva und noch sehr viele mehr.

Wenn er einen zum Hochkaräter entwickelten Spieler verkaufen musste, verpflichtete er halt den nächsten ambitionierten. Erst jetzt gelang ihm wieder ein Volltreffer, als er Jovic für sehr wenig Geld zurück nach Frankfurt holte. Ein Husarenstück, das ihm in der Branche viel Anerkennung brachte. Zu Real Madrid hält er ohnehin beste Verbindungen.

Der frühere Stürmer, der seine Deutungshoheit über Auftritte in TV-Sendungen erlangt hat und regionale Medien meidet, ist inzwischen über jeden Zweifel erhaben, autark, unantastbar. Aus Skepsis ist längst höchste Wertschätzung geworden. Jeder weiß, was Bobic geleistet hat, er hat gemeinsam mit den Vorstandskollegen Axel Hellmann, Oliver Frankenbach und dem Aufsichtsrat die langjährige Zementierungstheorie von Vorgänger Heribert Bruchhagen am eigenen Produkt ausgehebelt.

Eintracht Frankfurt: Bobic weckt Begehrlichkeiten

Diese herausragend gute Arbeit weckt Begehrlichkeiten, Bobic ist auf dem Markt gefragt, im In- und Ausland, und es würde auch etwas kolossal falsch laufen, wenn es anders wäre. In Frankfurt ist dieser Tage deshalb eine gewisse Aufgeregtheit zu vernehmen, denn es ist nicht mal mehr ein offenes Geheimnis, dass Hertha BSC sich sehr gut vorstellen könnte, den 49-Jährigen als Sportlichen Leiter zu installieren.

Für die Berliner hat der Vorstoß Sinn, einen besseren Mann könnten sie nicht finden, um den darbenden Big City Club auf Vordermann zu bringen und den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Etwas merkwürdig waren in diesem Zusammenhang vielmehr einige Aussagen des Frankfurter Vorstands beim Abo-Sender Sky. Als Bobic nach einem Berliner Interesse gefragt wurde, entgegnete er kühl: „Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Das weiß kein Mensch. Aber das habe ich schon immer gesagt – ob das vor einem oder zwei Jahren war.“ Da ließ einer etwas köcheln, was leicht hätte gelöscht werden können.

Es war ein distanzierter Auftritt, der irritierte, gerade im Fußballzirkus, in dem es einen eigenen Sprachgebrauch gibt, jedes Wort interpretiert wird. Bobic weiß, was er sagt und was das auslöst. Vertraglich ist er bis 2023 gebunden, aber wenn er wegwollen würde, wird das Schriftstück kein Hindernis sein. Der mitunter grantige Funktionär hat sich alle Türen offen gehalten und sich positioniert, ohne mit etwas zu kokettieren. Das hat er nicht nötig.

Eintracht Frankfurt: Holzer hat sich eingeschaltet

Für die Eintracht ist diese offene Flanke dennoch nicht gut, die wiederkehrenden Gerüchte lenken ab. Deshalb hat sich nun Aufsichtsratschef Philip Holzer eingeschaltet: „Es wäre nicht verwunderlich, wenn die hervorragende Arbeit von Fredi Bobic bei anderen Klubs auf Interesse stoßen würde“, sagte der 55-Jährige der FR. „Wir sind bei ihm aber tiefenentspannt, denn wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Und es gibt nichts, was uns daran zweifeln lässt, dass er seinen Vertrag bei uns erfüllt. Wie man zuletzt an den Transfers von Christopher Lenz und Ali Akman gesehen hat, planen wir bei der Eintracht gemeinsam die Zukunft.“

Die Eintracht, das ist klar, ist Bobic ans Herz gewachsen: „Ich bin sehr glücklich mit dem Job, den ich hier mache“, sagt er. Und doch sieht er sich ja als Projektmanager, der sich vorstellen kann, häufiger mal etwas Neues zu probieren. Festlegen lassen will er sich nicht. Aber Hertha BSC?

Eintracht Frankfurt: Bobic hat Verbindungen nach Berlin

Zumindest hat der Manager eine Bindung zum Klub, eine Berliner Vergangenheit und auch Gegenwart, schließlich leben seine Frau und Tochter in der Hauptstadt. Er selbst stürmte für die Berliner von 2003 bis 2005, Mitglied ist er bis heute. Das sind weiche Faktoren, die nicht zu unterschätzen sind. Und dann gibt es in der Kapitale auch die Möglichkeit, mit einer Menge Geld zu jonglieren. Durch viele Millionen des Investors Lars Windhorst hätte Bobic, der Baumeister, andere Möglichkeiten als in Frankfurt, wo fast jeder Euro aus dem eigenen Geschäft erwirtschaftet werden muss.

Andererseits mag es Fredi Bobic gar nicht, wenn ihm reingeredet wird, er ist zwar teamfähig, will aber entscheiden. Diese Freiheit hat er in Frankfurt, im sportlichen Bereich ist er quasi die Allmacht, er gestaltet nach Belieben, hat auch alle neuralgischen Positionen mit Personen seines Vertrauens besetzt. Das wäre in Berlin anders, neben dem windigen Windhorst tummelt sich im Aufsichtsrat noch der eigenwillige Jens Lehmann, und auch der neue Vorstandschef Carsten Schmidt äußert sich gerne mal zu sportlichen Angelegenheiten. Da sind viele Häuptlinge am Werk, das dürfte Alphatier Bobic nicht passen.

In Frankfurt werden sie um ihren Erfolgsarchitekten kämpfen, und die Chancen, dass er über den Sommer hinaus bleibt, stehen nicht schlecht. Klar ist aber auch, dass er nicht auf ewig in Frankfurt werkeln wird. So ist er nicht gestrickt, der Fredi Bobic.

Rubriklistenbild: © Moritz Mueller/imago-images

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