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Stefan Aigner (M) jubelt nach seinem Treffer zum 2:1 zusammen mit Marc Stendera.

Eintracht - Bremen

Befreiungsschlag im Stadtwald

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt bringt mit einem 2:1 (1:1)- Sieg gegen Werder Bremen im letzten Heimspiel eine verkorkste Hinrunde zu einem halbwegs versöhnlichen Ende. Der Sieg ist für Trainer Armin Veh das schönste Weihnachtspräsent. Nur einer braucht Aufmunterung.

Und dann ist Haris Seferovic auch noch das vierte Mal allein auf den Bremer Torwart Felix Wiedwald zugelaufen. Es lief die letzte Minute, die Eintracht zitterte um den knappen 2:1-Vorsprung gegen anrennende Bremer. Geschickt kreuzte der Eintracht-Stürmer den Weg des Bremer Verteidigers, keiner konnte ihn mehr aufhalten und schließlich schoss er den Ball, allerdings mit seinem rechten schwächeren Fuß, am Tor vorbei. Es war bereits seine dritte glasklare Möglichkeit, die der Schweizer Nationalspieler ausgelassen hatten, bei den beiden anderen war er ebenfalls mutterseelenallein auf das Bremer Tor zugelaufen (52. und 61.)– jedes Mal hatte er kläglich versagt.

Nicht auszudenken, wenn die Hanseaten noch zum Ausgleich gekommen wären, Haris Seferovic wäre der große Sündenbock gewesen. Zudem rutschte er einmal alleine vor dem Tor noch aus, ein anderes Mal schafft er es nicht, ins Tor zu schießen, obwohl Torwart Wiedwald im Frankfurter Strafraum weilte. „Ich hätte drei Tore machen müssen. Aber der Ball wollte einfach nichts ins Tor rollen“, sagte der Stürmer nach dem Duschen. Immerhin schoss er allein siebenmal aufs Tor, so viel wie sonst keiner.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff und dem ersten Jubeln liefen einige Frankfurter Profis auf Seferovic zu, sie mussten ihn  wieder aufrichten und aufbauen.  "Das hat mir geholfen", sagte er. Der Schweizer konnte wegen seinen vielen vergebenen Möglichkeiten die Tränen nicht zurückhalten. „Das wichtigste war doch, dass wir gewonnen haben. Mit den drei Punkten haben wir uns selbst beschenkt“, sagte er später, als er sich wieder gefangen hatte.

 Und Haris Seferovic, der nicht nur beste Möglichkeiten vergeben hatte, sondern fast ständig im Abseits stand, hatte dann doch noch ein Erfolgserlebnis: Er war es, der kurz nach der Pause das entscheidende 2:1 durch Stefan Aigner vorbereitete. Am Bremer Strafraum hatte er sich nach einem Fehlpass den Ball zurückerkämpft und Aigner bedient, der den Ball gar nicht richtig getroffen hatte. „Der Ball springt mir gut in den Fuß“, sagte Aigner glücklich. Es war sein allererster Saisontreffer, und dem ist er so lange so vergeblich hinterhergelaufen. Ein Grund für die Frankfurter Krise war ja auch, dass die Tore des gebürtigen Münchners fehlten. Im Schnitt ist Aigner für sieben, acht, neun Tore pro Saison gut, in dieser Hinrunde, die gar nicht gut für ihn lief, hatte er kein einziges Mal getroffen.

Die Erleichterung über den nach der Steigerung in der zweiten Halbzeit verdienten Sieg war im Frankfurter Lager natürlich mit Händen zu greifen. „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen“, fasste Trainer Armin Veh die „sehr, sehr intensiven“ 90 Minuten zusammen. „Ich brauche jetzt keine Geschenke mehr zu Weihnachten.“ Der Sieg im letzten Heimspiel, der erste seit dem 24. Oktober in Hannover, war unglaublich wichtig. „Damit haben wir wieder  Hoffnung tanken können“, freute sich Torwart Lucas Hradecky, der die Eintracht mit einigen Paraden im Spiel hielt. Am Gegentor, dem 0:1 durch Altmeister Claudio Pizarro (29.), war er schuldlos und auf dem falschen Fuß erwischt worden.     

Entscheidend war, dass die Hessen diesen Schock schnell wegsteckten und keine 120 Sekunden später zum Ausgleich kamen. Aleksandar Ignjovski, der vor dem Gegentreffer Pizarro den Ball genau auf den Fuß köpfte, hatte eine feine Flanke geschlagen und Alexander Meier war per Kopf zur Stelle. Es war das siebte Tor des Langen, der gerade noch rechtzeitig aus seinem Loch herausgefunden hat. „Wichtig war es, mit einem positiven Gefühl in die Winterpause zu gehen“, sagte Meier. 

Es war ein sehr leidenschaftliches und angesichts des Tabellenplatzes beider Teams sogar ein gutes Bundesligaspiel. Beide agierten mit offenem Visier, suchten ihr Heil in der Offensive und gingen hohes Risiko. „Das war ein Gegner auf Augenhöhe, und wenn wir da Vollgas geben, können wir auch gewinnen“, hatte Meier noch gesagt.

Mit 17 Punkten geht Eintracht Frankfurt jetzt in die Winterpause. Das ist nicht gut, das ist unter ihrem Anspruch. „Wir haben keine gute Vorrunde gespielt“, sagte Veh. Aber der Sieg gegen Bremen mache den Fußballlehrer „zuversichtlich, dass wir es schaffen. Der Sieg tut einfach gut.“ Die Vorrunde sei „nicht spurlos an der Mannschaft vorbei gegangen“, sagte der Coach. Auch er wirkte nach dem Sieg am Samstagabend kolossal erleichtert, regelrecht befreit.  Mit einem Sieg in die Winterpause zu gehen, sei wichtig gewesen, vor allem für die Stimmung, sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. „Du schläfst einfach ruhiger. Der Sieg war entscheidend für den Glauben an die eigenen Fähigkeiten.“

Eintracht Frankfurt fahre nun mit „einem anderen Gefühl“ ins Trainingslager nach Abu Dhabi (vom 4. bis 13. Januar). Mit von der Partie sollen auch die Neuverpflichtungen sein, von denen einer der Mexikaner Marco Fabian ist, der am Samstag schon im Stadion war und die Partie live erlebte. „Er hat sich gleich in die Atmosphäre verliebt“, sagte Hellmann.

3,5 Millionen Euro soll die Ablöse betragen, am Sonntag steht der Medizincheck an, spätestens am Montag wird alles unter Dach und Fach sein. Unterschrieben ist der Kontrakt bisher nicht, „es ist noch nicht final“, sagte Hellmann. Fabian soll die Probleme auf dem linken Flügel lösen.  Dazu soll die Eintracht bereits einen Spielgestalter an der Angel haben, schließlich sucht sie noch einen Innenverteidiger. Um sich dann im neuen Jahr neu zu sortieren – und neu anzugreifen.

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