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Werden in Rom nicht dabei sein: Kevin Trapp (links) und Jonathan de Guzman.

Lazio Rom - Eintracht Frankfurt

Bedeutungslos, oder nicht?

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Eintracht Frankfurt wird in Rom mit einer veränderten Elf antreten, denn der Fokus liegt klar auf Leverkusen.

Als die Frankfurter Belegschaft am Mittwoch um die Mittagszeit in der Ewigen Stadt einschwebte, kämpfte die Sonne mit den dichter werdenden Wolken um ein bisschen Platz am Himmel. Auf zehn, elf Grad schaffte sie es, die Atmosphäre zu erwärmen, das war ein bisschen angenehmer als in der Heimat, aber sicher kein Kaiserwetter. Für den heutigen Spieltag auf internationaler Bühne ist die Prognose düsterer, nasskalt, Dauerregen.

Die Eintracht-Party in Rom mit mehr als 10 000 Fans und eingeladenen Gäste wie Ex-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen oder Ex-Profi Thomas Berthold wird deshalb nicht ins Wasser fallen, aber sie ist halt nicht so hell und fröhlich wie erhofft. Sollte das als Risikospiel eingestufte Duell gegen Lazio abseits des Platzes dennoch halbwegs friedlich enden, wäre das ohnehin ein großer Erfolg. Die ersten Übergriffe auf Frankfurter Fans hat es jedoch bereits gegeben. Am Mittwoch mussten zwei Eintracht-Anhänger zurück in die Heimat geflogen werden. Nach einem tätlichen Angriff hatten sie eine Nacht in der Klinik verbringen müssen. 

Eintracht steht bereits als Sieger fest 

Die Berufsfußballer aus Hessen sind ins historische Rom gekommen, um Geschichte zu schreiben, sechs Siege in sechs Partien hat noch kein deutscher Starter in der Europa League in der Gruppenphase geschafft. „Wir haben die Chance, diesen einmaligen Rekord zu brechen“, sagte Trainer Adi Hütter am Mittwochabend in Rom. „Für uns wäre das etwas Besonderes.“ Die sportliche Relevanz des letzten Gruppenspiels hält sich dennoch in Grenzen.

Die Frankfurter stehen als Sieger des Tableaus H fest, Lazio Rom ist als Zweiter ebenfalls qualifiziert fürs Sechzehntelfinale, das Montag in Nyon ausgelost wird. Hütter verspricht, dass seine Mannschaft trotzdem mit Feuereifer bei der Sache sein wird, das sei man nicht nur den vielen Fans schuldig. „Ich erwarte eine 100-prozentige Einstellung und Mentalität. Die Mannschaft will sowieso jedes Spiel gewinnen.“ 

Im Sechzehntelfinale wird die Eintracht gesetzt sein, genauso wie die übrigen elf Gruppensieger sowie die besten vier Drittplatzierten aus der Champions League. Ihnen werden die zwölf Zweiten sowie die vier schlechteren Dritten aus der Königsklasse zugelost. Paarungen von Vereinen aus demselben Land sind ausgeschlossen, genauso wie Begegnungen zwischen Teams, die in der Gruppenphase schon gegeneinander gespielt haben. Die Eintracht hat, zumindest aller Voraussicht nach, im Rückspiel am 21. Februar Heimrecht, in der Woche zuvor wird das Hinspiel ausgetragen. 

Klar, dass die Frankfurter auf einen attraktiven Gegner hoffen, der aber gleichzeitig machbar ist. Dass mit der Eintracht zu rechnen sein wird, hat sie in den vergangenen Monaten auf europäischem Parkett eindrucksvoll bewiesen. Fünf Spiele, fünf Siege, 15 Tore geschossen – mehr hat kein anderes Team erzielt. Die beste Tordifferenz weist sie gar als bisher beste Mannschaft des gesamten Wettbewerbs aus. Eine klare Ansage. Deshalb ist Adi Hütter auch gefragt worden, ob er denn einen Euro auf den Titelgewinn der Eintracht setzen würde. „Einen Euro würde ich auf Eintracht Frankfurt immer setzen“, antwortete der Coach lächelnd, um dann anzufügen: „Es sind noch viele Topteams dabei, ich weiß, was noch auf uns zukommen kann. Es ist aber auch nicht so einfach, gegen Eintracht Frankfurt zu spielen.“

Für die Hessen, deren Partie heute Abend (18.55 Uhr) bei Dazn und nicht im Free-TV ausgestrahlt wird, weil RTL Nitro das für RB Leipzig entscheidende Spiel gegen Rosenborg BK überträgt, geht es darum, die kleine Delle aus der Bundesliga auf internationalem Parkett auszubeulen. Das wird gewiss nicht leicht, denn Lazio Rom würde sich gerne für die 1:4-Schlappe aus dem Hinspiel revanchieren. In welcher Formation die fünftplatzierten Römer in diesem an sich bedeutungslosen Spiel antreten werden, ist dennoch offen, in der Serie A legten sie zuletzt durchwachsene Auftritte hin, kamen zu vier Unentschieden hintereinander, dreimal 1:1, einmal 2:2, zwischendurch gab es noch eine eher unappetitliche Niederlage in der Europa League auf Zypern gegen Apollon Limassol. 

Die Eintracht kreuzt bereits am Sonntag um 18 Uhr zu Hause mit Bayer Leverkusen die Klingen, und genau diese Partie schwirrt Trainer Adi Hütter natürlich durch den Hinterkopf, er wertet das Heimspiel, wie er im FR-Interview sagte, „als extrem wichtig“. Der Coach wird daher mit Sicherheit rotieren lassen, die Frage ist, in welchem Maße. Klar ist, dass die Torhüter ihre Positionen für heute tauschen, Kevin Trapp wird für seinen Ersatzmann Frederik Rönnow Platz machen. Und sonst? Vielleicht wird Taleb Tawatha den Dauerspieler Filip Kostic, ohnehin gesperrt, hinten links ersetzen. Jetro Willems könnte für den verletzten Jonathan de Guzman im Mittelfeld zum Einsatz kommen, womöglich erhält auch Danny da Costa mal eine Pause. Für Nicolai Müller wäre die Begegnung in Rom auch eine Möglichkeit, sich anzubieten. „Einige Spieler, die nicht so oft gespielt haben, werden sich zeigen wollen“, sagte Hütter und stellte klar. „Wir nehmen das Spiel total ernst.“ 

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