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Auch zusammen reichte es nicht gegen die Bayern: Jonathan de Guzman und Lucas Torro beim gemeinsamen Kopfball.

Eintracht Frankfurt im Supercup

Die Bayern als Stimmungskiller

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt ist nach nur einem Spiel im Supercup gegen die Bayern hart auf dem Boden der Realität aufgekommen und muss Konsequenzen ziehen.

Am Tag danach gab es im Frankfurter Stadtwald einigen Gesprächsbedarf, überraschend war das nach der 0:5-Packung im Supercup gegen den FC Bayern nicht. Sportdirektor Bruno Hübner redete ausführlich mit den Journalisten, auch ihm war die Art und Weise der blamablen Niederlage vom Sonntag, die auch noch live in die halbe Welt übertragen wurde, gehörig an die Nieren gegangen. Er ahnte zwar, dass es noch haken würde, dass das, was fließen soll, eher tröpfeln würde, aber dass gar nichts zusammenlief, schmeckte dem Manager gar nicht. „Man muss sich anders verkaufen, das haben die Spieler auch in der Analyse aufgezeigt bekommen. Wir waren kein Gegner für die Bayern“, sagte Hübner.

Auch Trainer Adi Hütter hatte seinem Team einiges zu erzählen. „Klare Worte“ würden fallen, hatte er bereits am späten Sonntagabend angekündigt, allerdings werde er „nicht draufhauen“. Intensiv war die Analyse aber dennoch: Erst eine Stunde nach dem ursprünglich angesetzten Trainingsbeginn trabten die Profis zum Auslaufen auf den Platz, da hatten sie ihre Standpauke schon hinter sich. 

Auftritt im Supercup war eine schallende Ohrfeige

Aber es gibt ja nichts zu beschönigen: Der Auftritt im Supercup war eine schallende Ohrfeige. Er hat all jene, die von einer rosigen Zukunft schwadroniert hatten, erst einmal auf den Boden der Tatsachen geholt. In der Verfassung vom Sonntagabend wird Eintracht Frankfurt in der Bundesliga nicht viele Lorbeeren ernten, im Gegenteil: So drohen die Hessen Schiffbruch zu erleiden, so wird die kommende Bundesligasaison mit dem Tanz auf drei Hochzeiten zu einem Ritt auf der Rasierklinge. Natürlich hat die Saison nicht mal begonnen, noch ist genügend Zeit, um zu justieren und zu korrigieren. „Wir müssen und werden uns in den nächsten 14 Tagen steigern“, sagte Trainer Adi Hütter. Es klang fast schon wie das Pfeifen im Walde. Hütter, keine Frage, hatte sich einen anderen Auftritt vorgestellt. 

Der Österreicher, selbst ganz frisch in Frankfurt, muss einen Umbruch moderieren. Das Gefährliche in diesem Jahr: Noch nie sind dem Klub auf einen Schlag so viele Leistungsträger weggebrochen. Im Grunde konnte die Eintracht von ihren guten Spielern neben den schon älteren Makoto Hasebe und David Abraham lediglich Ante Rebic, den Pokalhelden und Vizeweltmeister, halten. Adäquaten Ersatz für das abgewanderte Quartett ist nicht dabei.

Die Hessen müssen auf die Spieler bauen, die schon in der vergangenen Rückrunde nicht – oder viel zu selten – ihre Leistung gebracht haben: Sebastien Haller, Mijat Gacinovic, Marco Fabian oder Jonathan de Guzman. Neuerwerbung Lucas Torro, als einzig neuer Feldspieler überhaupt im Kader, kann Omar Mascarell nicht das Wasser reichen, zuletzt spielte er in der zweiten spanischen Liga bei CA Osasuna. Torwart Frederik Rönnow wird sich gewaltig strecken müssen, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Und Kevin-Prince Boateng sowie Marius Wolf sind gar nicht ersetzt worden – zumindest bislang nicht. Einen Rechtsaußen wollen die Hessen noch holen. 

Die Bayern, unter Niko Kovac schon in beachtlicher Frühform und in Bestbesetzung angetreten, sind eine andere Hausnummer und für die Frankfurter im Normalfall „kein Gradmesser“, wie Coach Hütter betonte. Dennoch hätte er sich „mehr Mut“, Gegenwehr und Entschlossenheit gewünscht. Die Eintracht wirkte, von der manierlichen Anfangsphase abgesehen, wie ein Sparringspartner, wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange, so als glaube sie selbst nicht daran, überhaupt eine Chance zu haben.

Und die Mannschaft hat momentan nichts, worauf sie sich zurückziehen kann, sie schwebt so ein bisschen im luftleeren Raum, weil sie gar nicht weiß, was und wie sie spielen soll. Das neu eingeführte Pressingsystem hat der Fußballlehrer bereits kassiert, weil er schnell merkte, dass er dafür gar nicht die geeigneten Spieler hat. Es zeichnet einen klugen Trainer aus, das zu erkennen und entsprechend zu handeln. So ist auch der Hinweis von Hübner zu verstehen, der am Montag klarstellte: Die Mannschaft gebe das System vor. Allerdings muss dem Team dann ein anderes Konzept an die Hand gegeben werden. So ist das Ganze irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Abwehr, unter Vorgänger Kovac so etwas wie das Prunkstück, bedenklich wackelt. Als Paradebeispiel taugt Kapitän David Abraham, ansonsten die Zuverlässigkeit in Person, der nicht verhindern konnte, dass Bayern-Stürmer Robert Lewandowski gleich drei Tore schoss und sich zu allem Überfluss noch zu einem hässlichen Ellenbogenschlag hinreißen ließ. Immerhin: Bei Abraham und auch Hasebe kann man die berechtigte Hoffnung haben, dass sie sich fangen und ihr Form finden werden. 

Und bei den anderen? Es lässt tief blicken, dass von den sechs neuen Feldspielern nur ein einziger im Aufgebot stand – dafür aber Hinterbänkler wie Taleb Tawatha oder auch Danny Blum dabei waren. Blum war unter Kovac zum Schluss ausgemustert. Oder war die Nichtberücksichtigung ein Signal von Trainer Hütter, eine Art Hilfeschrei, nach dem Motto: Freunde, mit dieser Mannschaft wird es schwer. Offiziell sagte er: „Die Neuen sind junge Spieler, sie müssen sich an das Tempo und das Spiel gewöhnen. Sie sind noch nicht so weit, das sieht man auch im Training.“ Die Frage ist auch, inwieweit der 48-Jährige in die Kaderplanung eingebunden war. 

Die Pleite gegen die Bayern war zwar schmerzhaft, weil sie die gute Stimmung nach dem Pokalsieg zerstört und am Prestige gekratzt hat, aber zumindest wissen die Verantwortliche jetzt, woran sie sind und wo sie ansetzen müssen. „Vielleicht war das ein Schuss vor den Bug zur richtigen Zeit“, orakelte Trainer Hütter. Viel Zeit bleibt nicht, am Samstag geht es für den Titelverteidiger im Pokal zum SSV Ulm, den Tabellenführer der Regionalliga Südwest. Da sollte sich die Eintracht besser keine Blöße geben. 

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