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Könnte mal wieder verteidigen: Evan Ndicka. Foto: imago images,
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Könnte mal wieder verteidigen: Evan Ndicka.

Vor Spiel gegen RB Leipzig

Baustellen, aber keine Gräben bei Eintracht Frankfurt – Falsche Berichte über Missstimmung

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt versucht, ihren Spielstil zu modifizieren, schwächelt auch in der Abwehr und sieht sich falschen Berichten über Missstimmung ausgesetzt.

Frankfurt - Wer sich der Schaffenskrise von Eintracht Frankfurt analytisch nähern möchte, landet unweigerlich bei Faktoren wie unterirdischen Zweikampfwerten und einer erstaunlich schlechten Passquote. Man erkennt zudem wiederkehrende Muster: Fehlende Widerstandsfähigkeit und kollektive Kopflosigkeit in hitzigen Duellen, Schläfrigkeit, eine bedenkliche spielerische Einfältigkeit, und generell ist das Angriffsspiel ja nicht mehr das, was es einmal war. Die Hauptfragen: Wo ist ihr Wiedererkennungswert, was ist ihr Markenzeichen?

Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt wirkt heterogen, gewürfelt und gestückelt irgendwie, gar nicht harmonisch und homogen. Das hat Gründe. Die Sportliche Leitung hat sich, ihrer strategischen Ausrichtung folgend, dazu entschlossen, dem brachialen Wildwest-Fußball abzuschwören, also sich von dieser Hauruck-Mechanik zu lösen, die zwar ihre absolute Berechtigung hat, gerade weil sie so erfolgreich war, aber auch Jahr für Jahr dazu führte, dass die Spieler auf den letzten Metern auf dem Zahnfleisch der Ziellinie entgegenrobbten. Ausgepresst wie die Zitronen. Körperlich und geistig.

Eintracht Frankfurt: Die Mannschaft wirkt diffuser und anfälliger als zuvor

Schon unter Niko Kovac, mit einem deutlich defensiveren Ansatz, wurden zum Schluss bessere Platzierungen verspielt, das setzte sich unter Adi Hütter mit seinem Büffel-Fußball fort – sinnigerweise konnte Eintracht Frankfurt nur einmal hinten heraus noch nachlegen: Als die Saison 2020 wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie für zwei Monate unterbrochen wurde.

Eintracht Frankfurt in der Post-Hütter-Ära wollte feiner werden, variabler, nicht so leicht ausrechenbar. Auch deshalb wurde Oliver Glasner geholt, ein detailverliebter Fußballlehrer, der verkopft wirkt, analytisch und strukturiert ist, nicht aus dem Bauch heraus entscheidet, sondern ein Freund klarer Abläufe ist, er agiert taktisch sicher auf einem anderen Level als sein Vorgänger. Das Vertrackte: Auf dem Platz sieht man es nicht, das Team wirkt diffuser und anfälliger als zuvor, sucht nach Halt und Stabilität.

Eintracht Frankfurt wirkt hinten anfällig

Gerade in der Offensive ist nicht oder nur selten (wie gegen Piräus) zu erkennen, wie das Ensemble auftreten will und erfolgreich sein soll. Die Abhängigkeit von Filip Kostic auf links hat noch mal neue Dimensionen angenommen, mit der Folge, dass der Gegner alles daran setzt, den Flügelmann aus dem Spiel zu nehmen – und wenn dazu drei Kettenhunde abgestellt werden müssen. Macht es nicht leichter für Kostic, der in letzter Zeit auch wieder verstärkt dazu übergeht, misslungene Aktionen von ihm oder den Kollegen mit einem genervten Abwinken zu kommentieren. Nicht gut. Immerhin geht es am Samstag gegen seinen Lieblingsgegner RB Leipzig (18.30 Uhr/Sky), gegen den er fast immer trifft. Dagegen zünden die Neuzugänge in der Offensive von Eintracht Frankfurt noch nicht, sind mittlerweile verunsichert. Der Coach muss sie jetzt behutsam heranführen.

Doch auch hinten wirkt Eintracht Frankfurt anfällig, sie kassiert nicht übermäßig viele Treffer, 14 Gegentore in neun Partien (darunter fünf in Dortmund am ersten Spieltag) sind im Rahmen, doch sie hat es auch nur einmal geschafft, die Null zu halten – am zweiten Spieltag beim torlosen Remis zu Hause gegen den FC Augsburg. Es sind zu viele Nachlässigkeiten im Spiel, ärgerliche Unkonzentriertheiten, wie jetzt nach drei Minuten schon in Bochum, als Almamy Touré einnickte. Rechts hat sich ohnehin noch keiner festspielen können: weder Touré, Bruder Leichtfuß, noch Erik Durm oder Timothy Chandler und Danny da Costa – beide waren zuletzt nicht im Aufgebot. Weil da Costa nicht mehr zu der Form wie einst 2018/19 findet, ist rechts hinten eine Problemzone.

Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt wirkt lethargisch und abwesend

In der Mitte von Eintracht Frankfurt kann Makoto Hasebe nicht mehr permanent sein hohes Niveau halten, und auch Publikumsliebling Martin Hinteregger wirkt seltsam lethargisch und abwesend. Hat es mit seinem Lebenswandel zu tun oder doch mit der Schulterverletzung, die gewiss mit schmerzstillenden Medikamenten halbwegs ruhiggestellt wird? „Hinti“ ist nicht mehr der Souverän, auch im Spielaufbau offenbart er plötzlich Mängel.

Überraschenderweise musste Partner Evan Ndicka zuletzt zweimal auf die Bank, weil Trainer Glasner für den rechten Part der Kette auf Rechtsfuß Tuta setzte. Nachvollziehbar, aber Ndicka ist vom Potenzial her sicher der stärkste Abwehrmann bei Eintracht Frankfurt. Zudem ist er im Sommer ein klarer Verkaufskandidat. Sein Vertrag läuft bis 2023, eine Verlängerung ist nicht in Sicht, weshalb 2022 die letzte Chance besteht, Geld mit ihm zu machen. Sein Marktwert wird auf 28 Millionen Euro beziffert, doch in diesen Zeiten ist so viel Geld nicht mehr zu erzielen. Auch die Hälfte wäre wohl schon in Ordnung.

Eintracht Frankfurt: Fatale Berichte über Missstimmung in der Führungsebene

Ndicka ist übrigens einer jener Spieler, die Spürnase Ben Manga einst, 2018, entdeckt hat. Medienberichten zufolge habe der zum Direktor Profifußball beförderte Kadermanager unter Sportvorstand Markus Krösche an Einfluss verloren. Eine Meldung, die die FR nicht bestätigen kann. Sportboss Krösche, der teamorientiert arbeitet und den Gedanken des Miteinanders nicht nur kommuniziert, sondern auch lebt, arbeitet vielmehr vertrauensvoll mit Manga zusammen, der auch in die Transfers eingebunden war. Von einem Riss oder einem Spalt kann keine Rede sein. Das wiederum heißt nicht, dass es keine unterschiedlichen Meinungen geben darf. Toptalent Fabio Blanco schätzt Manga wahrscheinlich höher ein als andere – doch da gilt: Das abschließende Urteil, ob und wann der 17-Jährige Eintracht Frankfurt helfen kann, obliegt dem verantwortlichen Cheftrainer. Und das ist auch richtig so.

Klar ist generell, dass der Weltenbummler Manga in seine neuen Aufgaben erst hineinwachsen und sich in seiner neuen Rolle bei Eintracht Frankfurt zurechtfinden muss. Der 47-Jährige sollte sich – gerade in Abwesenheit eines Sportdirektors – eine andere Führung und Arbeitsstruktur aneignen. Mit seinem Adlerauge bleibt er aber, so oder so, ein wichtiger Mitarbeiter. (Ingo Durstewitz)

Eintracht Frankfurt wird am Wochenende gegen RB Leipzig auf Kapitän Sebastian Rode verzichten müssen, er wird laut Trainer Oliver Glasner geschont. Goncalo Paciencia, der sich gegen den VfL Bochum verletzte, kann der Mannschaft am Wochenende ebenfalls nicht helfen.

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