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Auf Kleeblattsuche? Eintracht-Profi Evan Ndicka dirigiert die gut gelaunten Kollegen im Stehen.

Vorschau Europa League

Aus dem Bauch heraus

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Wie Eintracht-Trainer Adi Hütter versucht, auch auf der Erfolgswelle die Spannung bei Eintracht Frankfurt hochzuhalten.

Zur Kernkompetenz des hochveranlagten Eintracht-Verteidigers Evan Ndicka zählt der Zweikampf, gewiss auch Schnelligkeit, Ruhe und Übersicht. Der Distanzschuss gehört nicht dazu. Beim ersten und einzigen öffentlichen Training vor den beiden anstehenden Pflichtspielen gegen Apollon Limassol und den FC Schalke 04 demonstrierte der 19-Jährige, wie es aussehen kann, wenn er aus einiger Entfernung aufs Tor schießt: Erst fliegt der Ball über die Kiste, dann über den Fangzaun hinweg und klatscht abschließend gegen die Frontscheibe des Eintracht-Museums. Macht nichts, kann mal passieren. Ndicka hat andere Stärken und Aufgaben, und überhaupt: Training ist Training, Spiel ist Spiel.

Das nächste führt die Eintracht am Mittwoch auf die Insel Zypern, wo sie anderntags gegen Apollon (18.55 Uhr) versuchen wird, den Einzug ins Sechzehntelfinale perfekt zu machen. Die Chancen stehen nicht schlecht, die Frankfurter führen die Gruppe H mit neun Punkten aus drei Spielen an. Mit drei weiteren Zählern wäre das Weiterkommen fix und fertig eingetütet – zwei Spieltage vor Schluss. Das wäre ein exzellente Leistung.

Mit dieser Absicht reisen die Hessen nach Limassol. „Wir wollen nichts herschenken“, sagt Evan Ndicka. „Wir wollen nicht kalkulieren, sondern auf Sieg gehen.“ Das sei quasi in der DNA der Mannschaft verankert. „Wir wissen, wo wir herkommen“, befindet der Franzose. „Wir werden nicht in Arroganz verfallen, sondern Gier und Hunger behalten.“

Trainer Adi Hütter steht erneut vor der   kniffligen Aufgabe, sein Team so einzustellen, dass es am Donnerstag auf internationalem Geläuf erfolgreich über die Hürde kommt und drei Tage später in der Bundesliga wieder den Alltag bewältigt, Schalke 04 ist zwar nicht gut aus den Startlöchern gekommen, aber weit weg davon, Laufkundschaft zu sein.

Nach dem letzten Europapokalauftritt zu Hause gegen Limassol hatte die Eintracht Probleme, den Schalter umzulegen. Im darauffolgenden Spiel in Nürnberg wirkten die Akteure körperlich, aber vor allen Dingen mental ein wenig ausgelaugt; Sebastien Haller rettete die Frankfurter mit seinem Treffer zum 1:1 in der Nachspielzeit. „Es ist nicht immer leicht, Spiel an Spiel aneinanderzureihen“, gibt Ndicka zu bedenken. „Aber wir sind es ja gewohnt. Wir wollen unseren Rhythmus fortführen.“ Der war zuletzt sehr harmonisch, sieben Partien ohne Niederlage, davon sechs Siege.

Die Eintracht hat für Aufsehen gesorgt und wird ganz anders wahrgenommen als zu Saisonbeginn. Es gibt nicht wenige Experten, die den Klub schon ziemlich weit oben mit klarer Blickrichtung zur Spitze verorten. Die Ansprüche sind auch intern gestiegen, aber vermessen sind sie nicht, die Frankfurter, sie wissen, dass es noch eine knüppelharte Saison wird, viele Unwägbarkeiten erschweren den Weg. Zudem sind die beiden letzten Spielzeiten Warnung genug, als in der Rückrunde jeweils das internationale Geschäft verspielt wurde, das im Mai ja erst durch den Pokalsieg quasi durch den Hintereingang erreicht wurde. Intern bleiben sie auf dem Teppich, und das ist keine Masche.

Hütter wird nun überlegen, ob er vielleicht mal den einen oder anderen Spieler schont. Schon nach dem glücklichen Remis in Nürnberg hatte er offen eingeräumt, dass es vielleicht besser gewesen wäre, mal vier, fünf frische Kräfte zu bringen. Das lässt sich in der Theorie leicht sagen, doch der Fußballlehrer muss auch darauf achten, nicht zu viel Qualität zu verlieren, und vor der Begegnung am Donnerstag muss er ohnehin erst einmal abwarten, welche Spieler ihm zur Verfügung stehen.

Hütter könnte Veränderungen vornehmen

Von den zuletzt angeschlagenen Profis kehrte lediglich Mijat Gacinovic ins Mannschaftstraining zurück, Gelson Fernandes, Marco Russ, Simon Falette und Lucas Torro absolvierten lediglich Individualübungen. Und ein ganzes Sextett ist für die Europa League ja sowieso nicht gemeldet: Die dauerverletzten Carlos Salcedo und Timothy Chandler sowie Felix Wiedwald, Allan Souza, Marco Fabian und Branimir Hrgota. Da bleiben gar nicht mehr so viele Rotationsmöglichkeiten.

Trotzdem könnte Adi Hütter ein paar punktuelle Veränderungen vornehmen, um die Spannung hochzuhalten und im Hinblick auf Sonntag die nötige geistige und körperliche Beweglichkeit herauszukitzeln. So könnte auf Zypern vielleicht mal wieder Nicolai Müller eine Bewährungschance erhalten oder auch Marc Stendera und Jetro Willems. Auszuschließen ist das nicht. Und auch die Büffelherde in der Offensive will so gelenkt werden, dass sie in der Lage ist, alle paar Tage bedingungslos drauflos zu stürmen – ohne mit dem Kopf woanders zu sein, ohne dass die Beine vielleicht mal etwas schlapp sind. Da ist des Trainers Bauchgefühl und taktisches Geschick gefragt.

Nach den beiden kommenden Aufgaben ist erst einmal wieder Länderspielpause – in die letzte ging die Eintracht mit einem 4:1 über Rom und einem 2:1 bei der TSG Hoffenheim. Nicht das schlechteste Omen.  

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