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Will es endlich wissen, bei Eintracht Frankfurt und neuerdings auch in der marokkanischen Nationalelf: Aymen Barkok.

Länderspiel für Marokko

Eintracht Frankfurts Aymen Barkok mit Werbung in eigener Sache

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht-Profi Aymen Barkok trifft im Länderspiel für Marokko und will künftig auch in Frankfurt weiter seinen Aufwärtstrend fortsetzen.

Dieser Pass zum 2:0 hatte, mit ein wenig Zuspitzung, durchaus Uwe-Bein-Charakter, nur dass nicht Anthony Yeboah diesen Ball veredelte, sondern Youssef En-Nesyri. Es war ein Pass in die Schnittstelle der Hintermannschaft, fein durchgestochen mit viel Gefühl und an allen Abwehrspielern vorbei. Der Pass war schwieriger zu spielen, als anschließend das Tor zu schießen, das sagt eine Menge aus über die Qualität der Vorarbeit.

Diesen Pass schlug Aymen Barkok. Er trug ein rotes Trikot mit der Nummer 16 drauf. Es ist das Dress der marokkanischen Nationalmannschaft. Sie gewann an diesem Länderspielwochenende ein Freundschaftsspiel in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, gegen Senegal mit 3:1. Aymen Barkok stand im Team der Nordafrikaner, an der Seite von Achraf Hakimi, jetzt Inter Mailand, vorher Borussia Dortmund, Hakim Ziyech (FC Chelsea) oder eben En-Nesyri vom FC Sevilla. Mitten drin Aymen Barkok, ein Frankfurter Bub aus der Nordweststadt. Sie haben keine schlechte Mannschaft zusammen, die von Trainer Vahid Halilhodzic und Ex-Profi Mustapha Hadji angeleitete marokkanische Nationalelf, deren Kicker überall in den europäischen Ligen verstreut spielen.

Es kam ein wenig überraschend, dass Barkok unlängst mitteilte, für das Heimatland seiner Eltern zu spielen. Vor knapp 25 Jahren waren die Barkoks aus Casablanca nach Frankfurt gekommen, aber Aymen, der älteste von drei Brüdern, durchlief nahezu alle Junioren-Auswahlmannschaften des DFB, von der U 16 bis zur U 21 bestritt der mittlerweile 22-Jährige immerhin 16 Spiele. Doch der Sprung von der U21 in die erste Mannschaft von Joachim Löw erschien Barkok zu groß, in der Auswahl Marokkos dürfte er sicherlich mehr und einfacher Spielpraxis erhalten. Zudem hatte der afrikanische Verband vor Jahren schon einmal angefragt, hatte Barkok eine Einladung für ein U-20-Spiel auf den Tisch gelegt. Das Land seiner Eltern kennt der in Frankfurt geborene Barkok lediglich von Urlaubsreisen, es gibt Fotos, die ihn auf dem Markt in Marrakesch mit einem Äffchen auf der Schulter zeigen. Groß geworden ist Barkok auf den Bolzplätzen der Nordweststadt, ebenso wie der etwas ältere, für die DFB-Elf spielende Emre Can, mit dem Barkok als Teenager auf Gummiplätzen zusammenkickte. Am Dienstag wird es für Barkok wieder Ernst, dann geht es ebenfalls in Rabat in der Qualifikation für den Afrika-Cup um Punkte gegen den Kongo. Womöglich steht er nach der guten Leistung gegen den Senegal erneut in der Startformation.

Ache bei U21 verletzt

Ragnar Ache, Stürmer Nummer drei bei Eintracht Frankfurt, ist vorzeitig von der U-21-Nationalmannschaft zurückgereist. Der 22-Jährige, nach 64 Minuten im Spiel gegen Moldau (5:0) eingewechselt, hat sich eine Verletzung zugezogen, die ein Einsatz am morgigen Dienstag in der Partie der Elf von Trainer Stefan Kuntz gegen Bosnien-Herzegowina ausschließt. Wie schwer die Verletzung ist, wird eine genaue medizinische Üntersuchung am heutigen Montag in Frankfurt ergeben. Laut DFB sei die Blessur nicht gravierend, sagte ein Sprecher der Hessen. kil

Ohnehin läuft es momentan ganz gut beim Deutsch-Marokkaner. Auch bei Eintracht Frankfurt, seinem Heimatverein, ist der 22-Jährige in der Spur. In allen vier Pflichtspielen bisher kam er zum Einsatz, es waren insgesamt zwar nur 62 Minuten, aber die hat der feine Techniker genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. In Berlin, gegen die Hertha, hätte er in den nur fünf Minuten, in denen er spielen durfte, fast noch ein Tor erzielt, es wäre das 4:1 gewesen, aber sein (zu früh angesetzter) Schuss strich haarscharf am Pfosten vorbei.

Keine Frage, der sehr geerdete, unkomplizierte Mittelfeldspieler, will seine zweite Chancen bei den Hessen nutzen. Zwei Jahre war er ausgeliehen zu Fortuna Düsseldorf, Zeit, die ihm - trotz einer Knie- und einer langwierigen Schulterverletzung - gut getan hat. Mittlerweile „ist aus dem schüchternen Knaben ein fast erwachsener Mann geworden“, schrieb die FR im Sommer, als Barkok zurückgekommen war. „Was gibt es als gebürtiger Frankfurter Schöneres als seinen Heimatverein zu repräsentieren“, fragte der begnadete Dribbler rhetorisch. Mittlerweile sei er zu 100 Prozent fit, seine Laufwerte stimmten. „Ich weiß, dass ich offensive Akzente setzen muss“, sagt er voller Tatendrang.

Und die rechte Mischung finden zwischen jugendlicher Unbekümmertheit, die ihn stark gemacht hat, und einem seriösen Auftreten in der Bundesliga. Das Zeug dazu hat er, der sich eigentlich vor Jahren schon für ein Maschinenbau-Studium an der TH eingeschrieben hatte, ehe er in seinem ersten Bundesligaspiel gleich ein Traumtor zum 2:1-Sieg bei Werder Bremen erzielte. Mittlerweile hat er 45 Bundesligaspiele auf dem Buckel, zwei Tore sind ihm gelungen.

Konkurrenz hat Barkok jüngst aus dem eigenen Stall erhalten. Amin Younes und Ajdin Hrustic, auf den letzten Drücker verpflichtet, sind ebenfalls Spieler, die seine kreative Position auf der Acht oder der Zehn spielen können. Beide freilich haben noch erhebliche Defizite aufzuarbeiten, körperlich (Younes) wie spieltaktisch (Hrustic), das hat das Testfreundschaftsspiel gegen den Zweitligisten Kickers Würzburg (0:3) sehr deutlich gezeigt. Die Zeit könnte für das Frankfurter Eigengewächs spielen, Barkok hat die komplette Vorbereitung bestritten, er ist klar weiter. Und gute Leistungen bei der Nationalmannschaft könnten zudem nicht schaden.

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