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Gegner der Eintracht: Barcelonas gefährliche Sehnsucht

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Von: Daniel Schmitt

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Auch Aubameyang spielt beim FC Barcelona. Foto: dpa
Aubameyang spielt mittlerweile beim FC Barcelona. © Joan Monfort/dpa

Sportlicher Glanz soll erhebliche finanzielle Probleme kaschieren: Der ziemlich riskante Weg des FC Barcelona, der in der Europa League nun auf Eintracht Frankfurt trifft.

Frankfurt – Hätte es tatsächlich noch einer Spielszene bedurft, die die ohnehin seit Jahrzehnten bekannten Vorzüge des Fußballs Marke FC Barcelona verdeutlichen, diese 37. Minute im Achtelfinalrückspiel der Europa League bei Galatasary Istanbul wäre ideales Anschauungsmaterial: Die katalanischen Kicker also versammelten sich in geballter Mannschaftsstärke, mit Ausnahme ihres deutschen Torwarts Marc-André ter Stegen, um den gegnerischen Strafraum. Genau dort, wo sich, nur logisch, auch die Spieler des türkischen Klubs eingenistet hatten. Elf Profis aus Istanbul gegen deren zehn aus Barcelona. Keiner aufseiten der Hausherren auch nur annähernd dazu gewillt, die Wir-mauern-das-Tor-zu-Taktik aufzugeben. Und Barça? Lässt einfach das Bällchen laufen. Zwei-Meter-Pass, Drei-Meter-Pass, gar ein Viereinhalb-Meter-Pass. Dann die Kugel bei Pedri, 19, dem jungen Xavi, oder Iniesta, oder Busquets, eine Mischung eben. Pedri mit einer ersten Körpertäuschung, mit einer zweiten, vorbei an drei verdutzt auf den Boden plumpsenden Verteidigern. Und schließlich mit einem Schuss rein ins Tor - das 1:1, das der Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang kurz nach der Pause mit dem 2:1-Endstand veredelte. Im Viertelfinale geht’s nun gegen Eintracht Frankfurt.

Es war ein Sahnetor von Pedri, eines, wie es Barcelona, wie es die Ronaldinhos, Messis, Neymars über Jahre hinweg in aller Regelmäßigkeit geschossen haben. Aber auch eines, das den Spaniern in der jüngeren Vergangenheit dann doch deutlich seltener gelungen ist. Denn: Der FC Barcelona steckt in einer Krise.

FC Barcelona: Teure Wintertransfers trotz knapper Kasse

Sportlich läuft es seit dem Eintreffen des einstigen Mittelfeld-Dirigenten und jetzigen Trainers Xavi zwar nicht mehr ganz so übel, Barcelona ist Dritter in La Liga und aktuell das zweitformstärkste Team Europas. Nur der FC Liverpool holte aus den vergangenen zehn Pflichtpartien mehr Punkte. Aber finanziell. 1,35 Milliarden (!) Euro an Miese weisen die Zahlen aus. Hochpreisige Transfers im Sommer, Träume von Erling Haaland, Nabil Fekir oder einer Rückkehr Messis verbieten sich von selbst. Also eigentlich.

Denn Barça ist Barça, eine weltweite Marke. Wer Präsident Joan Laporta zuhört, könnte meinen, der Verein habe keine Probleme. „Wir sind wieder da“, tönte er, als im Januar Ferran Torres für 45 Millionen Euro von Manchester City kam. Zudem verstärkten im Winter Aubameyang vom FC Arsenal und Adama Traore aus Wolverhampton das Team. Der Hunger auf Erfolg treibt auch manch schwer bekömmliches, weil teures Mahl hinein. Laporta geht den Weg des Risikos, gibt Geld aus, das nicht da ist, um den Glanz des Erfolgs zu erhalten. Nur dann, so sieht es jedenfalls der Vereinsboss, können auf Sicht auch die finanziellen Schwierigkeiten gelöst werden.

FC Barcelona: Sponsorendeal mit Spotify

Wie anziehend der FC Barcelona, der am Sonntag in der Liga im Clasico bei Real Madrid antritt, weiterhin ist, bewies der jüngste Deal mit Spotify. Bis 2026 läuft Blaugrana mit dem Schriftzug des schwedischen Unternehmens auf, auch das Stadion, das Camp Nou, die Pilgerstätte für Anhänger:innen des schönen Spiels, trägt künftig den Beinamen des Sponsors - erstmalig in der Geschichte des 123 Jahre alten Klubs. Dies ermögliche, so Laporta, „Unterhaltung und Fußball miteinander zu verbinden und gleichzeitig eine größere Zahl von Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen“. Vor allem junge Menschen, die nächste Generation an Fans, hier spielt die Musik. 70 Millionen Euro pro Saison bringt das Sponsoring ein, die Spotify-Aktie legte nach Bekanntwerden der Partnerschaft fast sieben Prozent zu.

Es ist an dem im November verpflichteten Heilsbringer Xavi, die Sehnsucht nach sportlichen Großtaten in finanziell komplexen Zeiten zu erfüllen. Bisher gelingt dies dem 42-Jährigen, der zuvor nur in Katar als Coach tätig war, prächtig. Mit einer für ihn bereits als Spieler typischen Mischung aus Demut und Selbstvertrauen treibt er die spielstarke, teils noch zu fehleranfällige Mannschaft an. Er lässt die jungen Wilden (Pedri, Gavi, Torres) laufen und von den Erfahrenen (Aubameyang, Piqué, Busquets) in den passenden Momenten wieder einfangen. Das Resultat: Immer häufiger gelingen deshalb wieder Sahnetore im ureigenen Barça-Style. (Daniel Schmitt)

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