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Auf drei Punkte in Istanbul.
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Auf drei Punkte in Istanbul.

Stillleben

Ballgefühle und Eintracht

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Wie ein sündhaft teurer Lederball im Ostparkweiher landete und was das Ganze mit drei Punkten gegen Fenerbahce Istanbul zu tun hat.

So ein Igel, muss man leider sagen, hilft nicht besonders lang. Selbst wenn er Jesper heißt. Jesper wurde bekanntlich vor knapp drei Wochen am Rande eines Freiluft-Tischtennisspiels aufgegriffen, als er sich unerlaubt mit viel zu geringem Körpergewicht bei Kälte noch draußen aufhielt. Das führte dazu, dass sein Namensvetter Jesper Lindström noch an demselben Tag ein Tor für Eintracht Frankfurt erzielte, aber schon beim folgenden Europacupspiel war seine Wirkung ein wenig verpufft.

Keine Sorge, dem Igel Jesper geht’s gut bei den Wildtierfreunden, die sich jetzt um ihn kümmern. Aber für das letzte Gruppenspiel in der Europa League müssen wir uns wohl was anderes ausdenken, um den (vermutlich) noch fehlenden Punkt für den Gruppensieg einzufahren. Stacheln zeigen. Widerstandskraft. Aber wie?

Vielleicht ist heute der richtige Moment, eine Geschichte zu erzählen, die eigentlich vor fast 21 Monaten hätte erzählt werden sollen. Aber dann fiel das Spiel aus, die Pandemie war schuld, und auch die passende Geschichte aus der Reihe „Unhaltbar“ fiel aus, obwohl schon geschrieben. „Ballgefühle“ war der Titel.

Es ging um einen ganz neuen Fußball und um den Frankfurter Ostparkweiher. Der angehende Fußballstar war zehn Jahre alt geworden, oder elf, jedenfalls kaufte ihm sein Opa Alfred zum Geburtstag einen Lederball. Einen richtigen echten Lederfußball. Im Hort hatte kein Schwein so einen tollen Ball. Wir waren samstagmorgens vor dem Bundesliga-Heimspiel zum Hertie gefahren, mit dem Ford Taunus, jawoll, mitten in die Innenstadt, damals ging das noch, und hatten das teure Stück in der Sportabteilung erworben. Für 70 Mark ungefähr. Ein Vermögen.

Dann auf direktem Weg in den Ostpark, das Objekt sofort ausprobieren. Hervorragend lief das Bällchen zwischen dem Opa, meiner Tante Ute und mir.

Nach gefühlten drei Pässen und etwa zehn Sekunden rollte mein ganzer Stolz, der schönste und beste Lederfußball Frankfurts, wenn nicht sogar der ganzen Welt, direkt auf das Ufer des Ostparkweihers zu. Aber Tante Ute war ihm glücklicherweise bereits hinterhergerannt und würde den Ball sicher vor Erreichen des Wassers stoppen. Würde sie doch, oder?! Schon war sie dran, bückte sich und – gab dem Leder im letzten Moment noch einen Kick, so dass er unter ihren eigenen zugriffsbereiten Händen, zwusch!, ins Wasser rauschte.

Sofort knieten wir zu dritt am Ufer und wühlten im Wasser, um eine Strömung zu erzeugen, die den Ball zu uns ... aussichtslos. Als die erste Träne beim Jungstar zu fließen drohte, ging mein Großvater zum benachbarten Schuppen, sprach mit dem Mann, der dort arbeitete, und kehrte mit einem Ruderboot zurück. Und so wurde mein Opa Alfred, Deutscher Fußballmeister von 1959 als mitreisender Eintracht-Fan, also auch der Held, der mit einem Boot auf dem Ostparkweiher meinen Ball rettete.

Zehn Jahre später schoss ich ihn hoch übers Tor, so hoch, dass er auf die Rosa-Luxemburg-Straße flog, unhaltbar, und nie mehr gesehen ward. Ich habe sie alle sehr gemocht, doch sie sind alle nicht mehr da, der Ball, der Opa und nun auch die Tante. Alle drei. Angemessen wären heute Abend also drei Punkte für die Eintracht. Danke. Bitte.

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