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Ohne Trikot, dafür mit Trainingsjacke und Pott: Manfred Binz beim letzten Frankfurter Pokalsieg.
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Ohne Trikot, dafür mit Trainingsjacke und Pott: Manfred Binz beim letzten Frankfurter Pokalsieg.

DFB-Pokal 1988

Den Ball weggeschossen

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Manfred Binz erinnert sich an den letzten Pokal-Triumph von Eintracht Frankfurt - der liegt schon 30 Jahre zurück.

Letzte Woche hatte „Manni der Libero“ wieder fast ein Tor geschossen. Es ging im Spiel der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt um einen guten Zweck, doch der „Manni“ köpfte erst drüber, später schoss er vorbei. Das hat ihm nicht gefallen, er ist ja immer noch ehrgeizig, noch kritischer ist aber Sam mit ihm ins Gericht gegangen. „Du bist ja kaum an den Ball gekommen“, sagte Sam gnadenlos. Sam ist acht Jahre alt, Stürmer in der E-Jugend des SV Blau-Gelb Frankfurt – und der Filius von Manfred Binz.

Vor 30 Jahren hat Manfred Binz auch kein Tor geschossen, aber er war richtig gut. „Ich glaube, ich war einer der Besseren“, sagt er jetzt, in der Sonntagszeitung hatte er die Note 2 erhalten. Vor 30 Jahren, am 28. Mai 1988, stand Binz mit der Eintracht im Pokalfinale gegen den VfL Bochum. Binz kann sich noch haargenau an den akkurat geschnittenen Rasen erinnern, „ein super Platz, astrein, auf so solch einem gepflegten Rasen spielte man damals selten“. Es war kein wirklich gutes Spiel, zwei mittelmäßige Teams standen sich da gegenüber, „die Bochumer waren in der ersten Halbzeit besser“, erinnert sich der Libero, Uwe Leifeld hatte für die Westdeutschen sogar ein Tor geschossen, knapp im Abseits soll er gestanden haben. „Wir waren in der zweiten Halbzeit stärker.“ 

Bei der Eintracht hatten in der Saison zuvor Ralf Falkenmayer, Thomas Berthold und Jürgen Pahl den Klub gewechselt, im Finale spielten Thomas Klepper, Michael Kostner, Dietmar Schlindwein, Holger Friz oder Janusz Turowski, nicht gerade Edeltechniker. Viel, eigentlich alles, hing mit der Tagesform der wenigen Leistungsträger zusammen, Uli Stein, Karl-Heinz Körbel, Lajos Detari, auch Binz – oder ob Frank Schulz, der Schleicher, wieder ein Tor aus dem Nichts würde schießen können. Wie im Halbfinale bei Werder Bremen, als die Norddeutschen praktisch ununterbrochen das Frankfurter Tor belagerten, aber an Tausendsassa Stein unter der Latte scheiterten. „Ich glaube, die Bremer hatten eine Torschuss-Bilanz von 28:3“, erinnert sich Binz. Und irgendwann traf Frank Schulz zum 1:0.

Eintracht im Umbruch

Es war eine bleierne Zeit, die seinerzeit auf der Eintracht lastete. Der Klub hatte hohe Schulden, sportlich lavierte man sich unansehnlich durch die Liga, das Team befand sich in einem Umbruch, die Saison hatten die Hessen auf Platz neun abgeschlossen. Der Pokalsieg übertünchte vieles. Und das entscheidende Tor konnte natürlich nur der schießen, der den Unterschied machte – Lajos Detari, genannt Döme. „Als Freistoß gepfiffen wurde, dachte ich, dass dies genau die Situation ist, die Lajos liebte“, sagt Binz. Der feine Techniker aus Ungarn, der kurz vor dem Strafraum vom späteren Eintracht-Spieler Thomas Epp gefoult worden war, galt als Spezialist für die ruhenden Bälle, er pflegte die Kugel regelrecht ins Tor zu streicheln. Und Frank Schulz hat unmittelbar vor der Ausführung des Freistoßes geraunt, „wir gehen dann schon mal zurück“ – so sicher war er sich, dass Detari diesen Freistoß aus 20 Metern versenken würde. Und so kam es in dieser 81. Minute auch. Es war das siegbringende Tor, den Rest der Spielzeit verteidigte die Eintracht den Vorsprung.

Dieser Pokalsieg 1988 war auch der letzte große Erfolg der Frankfurter Eintracht, seit 30 Jahren warten die Hessen auf einen ähnlichen Triumph. Gelegenheiten hat es gegeben, 1992 in Rostock, als der Meistertitel verschenkt wurde, 2006 (gegen Bayern München) und 2017 (gegen Borussia Dortmund), als die Endspiele in Berlin jeweils knapp verloren wurden. 

Manfred Binz war damals 22 Jahre alt, er galt als der kommende Mann und war trotz seines jugendlichen Alters schon eine feste Größe im Frankfurter Team. Er interpretierte die Rolle des Liberos modern, agierte fast vor den beiden reinen Manndeckern Dietmar Roth und Karl-Heinz Körbel und schaltetet sich, wann immer es möglich war, ins Aufbauspiel ein. Vor allem avancierte der im Frankfurter Stadtteil Bockenheim groß gewordene Binz zu einem Dauerbrenner, machte 241 Bundesligaspiele am Stück, fast sieben Jahre hintereinander ohne einmal auszusetzen. Die Serie riss erst im März 1994 nach einer Auseinandersetzung mit Trainer Klaus Toppmöller. „Ich musste auf die Tribüne, nur weil ich seine Aufstellung und meine Rolle im Spielsystem kritisiert hatte“, erzählt Binz. Dabei gehörte der Nationalspieler wahrlich nicht zu den aufmüpfigen Profis. „Ich habe mich ansonsten in meiner Zeit als Spieler so gut wie nie öffentlich geäußert.“ Nur dieses Mal und das kostete Binz die Möglichkeit, den Rekord von Sepp Maier zu brechen, der 245 Spiele hintereinander schaffte. Binz hat das tief getroffen seinerzeit.

Dieser Pokalsieg gehört zu seinen größten sportlichen Erfolgen, 1992 in Rostock hat er ja die Deutsche Meisterschaft verpasst. Unmittelbar nach Schlusspfiff warf er in Berlin sein Trikot vor Freude in die Kurve und drosch den Spielball weg. Das ist es, was er heute noch bereut. „Beim Schlusspfiff hatte ich den Ball am Fuß. Den hätte ich mal lieber behalten sollen.“ Die Feier nach dem Pokalsieg fand teilweise unter den Scheinwerfern des Aktuellen Sportstudios statt, Binz, Körbel, Uli Stein und Trainer Karl-Heinz Feldkamp mussten Rede und Antwort stehen. Anderntags und nach wenig Schlaf ging es vom Frankfurter Flughafen im Autokorso zum Römer, abends war „Manni der Libero“ noch im Studio des HR.

 Da wusste niemand, auch Manni Binz nicht, dass der ganz große Knall noch kommen würde und Frankfurts Bester, Lajos Detari, in der Vorbereitung auf die neue Saison für 17,4 Millionen Mark zu Olympiakos Piräus verkauft wurde. Trainer Feldkamp ist sich sicher, dass noch in der Berliner Nacht die Weichen für den Verkauf gestellt wurden. Binz selbst sollte in den kommenden Jahren immer mehr zu einem unverzichtbaren Leistungsträger werden, er wurde Nationalspieler und Vizeeuropameister 1992, nach dem Abstieg 1996 wechselt er nach Italien zu Brescia Calcio, wo er mit dem 18-jährigen Andrea Pirlo zusammenspielte. Danach spielte er noch zwei Jahre bei Borussia Dortmund.

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete Binz als Co-Trainer bei Kickers Offenbach. Heute zählt er zum Trainerstamm der Charly-Körbel-Fußballschule - dazu trainiert er seinen größten Kritiker: Sohn Sam beim SV Blau-Gelb.

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