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Wollen wieder jubeln: die Eintracht-Profis.
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Wollen wieder jubeln: die Eintracht-Profis.

Glosse

Auswärtsspiel in Antwerpen: Eintracht international

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Eintracht Frankfurt im Europacup. Man kommt viel rum, wenn nicht Corona ist. Aber Antwerpen, keine Ahnung, wo das liegt. Vermutlich in Sichtweite, von der Couch aus. Eine Glosse.

Internationale Fußballspiele atmen immer noch diesen vergangenen Hauch des Unbekannten. Das Fernweh dringt da durch, die Neugier auf etwas, das man nicht kennt. Na gut, inzwischen ein bisschen kennt. Zugegeben, wir Frankfurter von der Eintracht kennen uns international besser aus als, sagen wir: Uelzener. Ohne damit Uelzener abwerten zu wollen. Uelzen ist gewiss eine Reise wert. Man kommt trotzdem mehr rum mit der Eintracht.

Aber früher, wie aufregend war das, wenn man im Schlafanzug auf der Couch saß, und es spielte Deutschland gegen Spanien. In Schwarzweiß. Unter Deutschland konnte man sich halbwegs was vorstellen; das war dieser Raum um einen herum, der Opa, die Oma, die Mama, der Papa. Die Dippemess. Der Spielwarenladen in der Neuen Kräme. Der Färber Schorsch, Wirt im „Bernemer Fass“, bei dem der Opa samstags Frühschoppen machte, bis ihn die Oma telefonisch nach Hause zum Mittagessen beorderte und bevor er ins Stadion fuhr. Das ging damals problemlos. Vier, fünf Schöppchen, halbe Packung Eckstein, und dann im Ford Taunus in den Wald. Man wurde in den 60er, 70er Jahren von Bier nicht blau. Jedenfalls nicht samstags vor der Sportschau.

Das war aus Sicht des kleinen Buben Deutschland. Seine Größe ein Mysterium, aber seine Anwesenheit ein Fakt. Spanien dagegen: Was war das konkret?

Deutschland gegen Belgien, Italien gegen Spanien, Schottland gegen Jugoslawien: Noch heute kommt dieses Gefühl durch von Sensation, wenn man das liest als jemand, der einst im Schlafanzug auf der Couch saß, während die Namen der Begegnungen auf dem Bildschirm erschienen. Wer waren die Männer, die für Spanien antraten? Was machten sie das ganze Jahr? Von Bernd Hölzenbein wusste man, er spielte jeden zweiten Samstag im Waldstadion, zum Schluss mit runtergerollten Stutzen. Aber die Spanier? Urlaubsreisen zu ihnen waren noch kein Thema. Die kamen später, als man sich schon etwas mehr unter den Ländern vorstellen konnte in seinem Schlafanzug.

Torwart ins Tor gebombt

Bei Deutschland gegen Schottland fiel einmal ein Tor, da schoss Gerd Müller so fest, ich glaube, es war Gerd Müller, wer soll es sonst gewesen sein – Müller bombte so fest, dass jemand im Wohnzimmer rief, er habe den schottischen Torwart mit ins Tor geschossen. Phänomenal. Der Bub hat es später versucht, es gelang ihm nie. Den Torwart mit ins Tor zu schießen, das war offenbar dem Bomber der Nation vorbehalten. Und internationale Spiele waren eine Angelegenheit dieser Gebilde, die Deutschland hießen, Spanien, Belgien oder auch: Chile. Vor der ersten Begegnung mit Chile, das war 1974, sagten alle im Kinderhort wochenlang: Schielee, ungefähr so wie zu dem marmeladeähnlichen Brotaufstrich, nur auf beiden Silben betont. Eine Rote Karte und einen Breitner-Fernschuss später wussten alle, wie man Chile ausspricht.

Wo waren wir? Fußball international. Die Eintracht heute im Europacup. Man kommt viel rum mit der Eintracht, wenn nicht gerade Corona ist. Aber Antwerpen, keine Ahnung, wo das liegt. Vermutlich in Sichtweite, von der Couch aus betrachtet. Aha, nahe der niederländischen Grenze. Vielleicht schießt Sam Lammers den Torwart mit ins Tor, der kommt ungefähr da aus der Gegend. Das wäre mal ein Ding.

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