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Weltreisender: Ajdin Hrustic.
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Weltreisender: Ajdin Hrustic.

Ajdin Hrustic im Interview

„Australien hat mir alles gegeben“

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Zugang Ajdin Hrustic über Heimatgefühle, seine Freundschaft zu Leroy Sane und welche Strapazen seine Familie für seine Karriere auf sich genommen hat.

Herr Hrustic, freuen Sie sich schon auf den 20. Februar?

Hmm, da müssen Sie mir jetzt weiterhelfen, was ist da?

Das Heimspiel gegen den FC Bayern und das Wiedersehen mit Leroy Sané, Ihren Kumpel aus gemeinsamen Schalker Jugendzeiten…

Ach so, ja, das hatte ich nicht so genau im Kopf. Natürlich ist es schön, Leroy bald mal wiederzusehen, hoffentlich mit uns beiden auf dem Feld – und am Ende mit drei Punkten für uns (lacht).

Sané und Sie sind gute Freunde, waren schon gemeinsam auf Ibiza im Urlaub. Wie hat sich das entwickelt?

Als ich damals als Jugendlicher nach Schalke kam, konnte ich kein Deutsch und sein Englisch war auch nicht das Beste. Dann haben wir uns gegenseitig unterstützt und uns die jeweils andere Sprache beigebracht. Wir sind auf dem Feld gute Freunde geworden, in der Kabine und abseits des Fußballs. Wir haben viel zusammen gemacht, sind mal ins Kino, mal zum Abendessen.

Jetzt sind Sie in Frankfurt. Anfangs stellte Sie Trainer Adi Hütter nicht auf, zuletzt bekamen Sie aber Ihre Einsätze. Wie läuft es aus Ihrer Sicht?

Nach jedem Vereinswechsel braucht man ein bisschen Zeit, sich anzupassen, das war auch vorher in Groningen so. Es braucht einen Moment, sich in solch ein gutes Team hineinzufinden. Jede Position ist hier mit zwei, drei guten Spielern belegt. Ich sehe meine Entwicklung sehr positiv, ich gebe 100 Prozent in jeder Trainingseinheit, will mich anbieten und auch die anderen Teamkollegen auf meiner Position pushen. Die Zeit für mich wird kommen.

In welcher Rolle? Als Rechtsaußen, als Zehner, als Achter?

Ich bevorzuge es, als offensiver Mittelfeldmann zu spielen. Gegen Schalke kam ich beispielsweise als Achter. Ganz grundsätzlich ist es mir aber einfach wichtig, dass ich auf dem Feld immer alles gebe, 120 Prozent. Egal, wer neben mir, vor mir, hinter mir spielt. Egal, wie lange ich spielen darf.

Sie sagten, dass Sie Zeit benötigt hätten, um in solch ein gutes Teams hineinzufinden. Was ist also drin in dieser Saison? Ihr Mitspieler Luka Jovic sprach von der Chance auf die Champions-League-Qualifikation.

Wir haben ein gutes Team und strotzen vor Selbstvertrauen. Aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken, und jetzt kommt die Hertha, da holen wir hoffentlich drei Punkte. Wenn es am Ende die Champions League ist, dann ist es die Champions League. Wenn es die Europa League ist, dann ist es die Europa League. Je höher, desto besser.

Sie sind Australier mit bosnischen Wurzeln, mit den beiden Serben der Eintracht, Luka Jovic und Filip Kostic, scheinen Sie sich gut zu verstehen. Sind das Ihre besten Buddies in der Mannschaft?

Wir sprechen viel in unserer Sprache. Luka hat vor kurzem gesagt, dass seit seiner Rückkehr Filip wieder mehr lächelt. Das hat auch damit zu tun, dass wir in unserer Sprache reden, das erzeugt ein Heimatgefühl. Aber es ist nicht nur diese Gruppe, wir alle sind Teil des Teams. Es ist ein kleines Extra, ein zusätzlicher Wohlfühlfaktor.

Sie wurden in Australien, in der Nähe von Melbourne, geboren und sind dort aufgewachsen. Wie kam es als dazu, schließlich stammen Ihre Eltern aus Bosnien. Und wie war Ihre Kindheit Down Under?

Ich weiß nur, dass meine Eltern vor meiner Geburt wegen des Krieges von Bosnien nach Australien gegangen sind. Warum es genau Australien wurde, weiß ich gar nicht. Aber das Land hat mir ein tolles Leben ermöglicht. Deshalb habe ich mich auch für die australische Nationalmannschaft entschieden.

Einst hat uns der Ex-Frankfurter Haris Seferovic, der ebenfalls bosnische Wurzeln hat und für das Schweizer Nationalteam spielt, von Kritik an ihm ob dieser Entscheidung berichtet. Wie war das bei Ihnen?

Es gab bei mir auch negative Reaktionen, das schon. Aber man muss auf sein Herz hören. Australien hat mir alles gegeben. Und dort habe ich meine ersten Schritte zu einer Profikarriere gemacht. Es war keine harte, aber auch keine leichte Entscheidung. Ich habe es aber nicht bereut.

In Australien gibt es ja auch andere populäre Sportarten, Australian Football zum Beispiel, eine Art Rugby. Wollten Sie trotzdem schon immer Fußballer werden?

Alles, was ich gemacht habe, war Fußball zu spielen – in der Schule, daheim, überall.

Haben Sie den Kontinent Australien in Ihrer Jugend so richtig kennengelernt?

Ich habe viele Kängurus gesehen, so wie jeder, der nach Australien kommt (lacht), Haie und Schlangen gibt es zum Glück nicht in der Stadt, nur außerhalb. Im Ernst: Ich habe natürlich die Umgebung erkundet und kennengelernt, auch die wunderschönen Strände. Aber manchmal muss man auch die schönsten Dinge hinter sich lassen, um die eigene Karriere anzuschieben. Das habe ich getan.

Sie sind dann in jungen Jahren, mit 15, schon nach Europa umgesiedelt, zunächst nach England. Wieso hat es Sie auf die Insel verschlagen?

Es war nicht geplant. Wir hatten in Australien ein Turnier, und da haben mich Späher von Stoke City entdeckt. Also habe ich mich dazu entschieden, den Schritt zu gehen und es in England zu versuchen, auch wenn da nicht alles so klappte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Interessant ist, dass Ihre Eltern die Zelte in Australien abgebrochen haben und mit Ihnen nach Europa gegangen sind. Das ist ja schon ein gewaltiger Schritt.

Meine Familie hat alles dafür getan, dass ich meine Karriere vorantreiben und mir meinen Traum erfüllen konnte. Sie müssen sich vorstellen: Sie sind nach dem Krieg in Bosnien nach Australien gekommen und haben dort ein neues Leben begonnen. Und das haben sie nur meinetwegen aufgegeben, damit ich die Chance auf eine Fußballkarriere haben kann. Sie können sich nicht ausmalen, welch unbeschreibliches Gefühl das ist. So viel kannst du nicht zurückgeben – egal, was du tust, egal, wie viel Geld man verdient oder wie viele Dinge man kaufen kann. So etwas bedeutet mehr als alles andere.

Ihre Eltern leben seit längerer Zeit in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen. Ist das Verhältnis noch immer so gut?

Ja, die Bindung ist sehr, sehr eng.

Wie schon erwähnt, haben Sie auch auf Schalke gespielt, dort lernten Sie Sané kennen. Ansonsten lief es dort aber nicht so gut.

Das ist richtig, das hatte aber weniger mit mir persönlich zu tun, sondern mit den äußeren Umständen. Ich habe mich dann dafür entschieden, einen Schritt in meiner Karriere zurückzugehen, um dann irgendwann zwei Schritte nach vorne machen zu können. Deshalb bin ich nach Groningen gegangen. Und es war die richtige Entscheidung. Der Fußball in Holland ist anders. Sie geben dort jüngeren Spielern oft eine Chance. Es war eine gute Erfahrung. Und am Ende ist es durch meinen Wechsel in die Bundesliga zur Eintracht so gekommen, wie ich gehofft hatte: Einen Schritt zurück, zwei Schritte vor.

Sie haben eine ganz schöne Tour um die Welt hinter sich: Australien, England, Österreich, Deutschland, Niederlande, wieder Deutschland. Dabei sind Sie erst 24. Wird man da schneller erwachsenen?

Natürlich. Gerade der Wechsel nach Holland war für mich prägend, weil ich dort als 18-Jähriger allein hingegangen bin. Da habe ich mein Leben als Erwachsener gestartet. Das war ein wichtiger Schritt in meiner Karriere.

Im Sommer 2020 hatten Sie sich endgültig zu einem Wechsel entschlossen. Fühlten Sie, dass die Zeit reif war?

Ich hatte schon vor einem Jahr Angebote aus Griechenland, aus der Türkei, aus Dubai, aber das wollte ich alles nicht machen. Ich wollte nach Deutschland und in die Bundesliga. Ich bin sehr froh, in so einem großartigen Klub gelandet zu sein.

Im Sommer gab es einige überlieferte Zitate von Ihnen, da schien es so, als wollten Sie Ihren Vereinswechsel erzwingen und setzten den Groninger Verantwortlichen die Pistole auf die Brust.

Ich habe das schon mehrmals klargestellt: Da ist etwas draus gestrickt worden, was so nicht stimmte. Ich hatte nur noch ein paar Monate Vertrag, also wollte ich, dass der Verein etwas mit mir verdienen kann, weil sie viel in mich investiert hatten. In Groningen bin ich zum Profi geworden, sie haben mir die Möglichkeit gegeben, mich zu beweisen und mich zu zeigen. Dafür bin ich immer dankbar. Ich wollte, wenn man so will, mich glücklich machen, aber auch den Verein. Ich hatte es positiv gemeint, aber okay, das kam dann anders an. Manchmal werden die Dinge dann auch einfach verdreht.

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