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Armin Veh auf Europa-Tour. Foto: Hübner
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Armin Veh auf Europa-Tour.

Dreifachbelastung als Gefahr

Eintracht Frankfurt: Europa League wird zum Balanceakt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt will auf europäischem Parkett Erfolg haben, ohne auf dem nationalen abzurutschen.

Es liegt schon ein paar Jährchen zurück, dass Armin Veh, früher Trainer bei Eintracht Frankfurt, mit seiner unbekümmerten wilden Bande quer durch Europa zog und sich nach einem großen Triumph in Bordeaux dazu hat hinreißen lassen, vor 12 000 ekstatischen Eintracht-Fans eine riesige Flagge zu schwenken. Mit Tränen in den Augen. Und Ganzkörpergänsehaut. „Das werde ich nie vergessen. Es war überwältigend“, bedeutete der Augsburger, schwer angefasst. Das war Ende November 2013. Keine drei Wochen später sollte Armin Veh sagen: „Die Europa League macht uns kaputt.“

Der Coach wollte damit nicht seine Geringschätzung gegenüber dem Wettbewerb ausdrücken und ihn gewiss nicht missen, ganz im Gegenteil, die damaligen Trips über den Kontinent waren, wenn man so will, die Vorboten zu den Glanzlichtern und magischen Nächten, die die Frankfurter einige Jahre später regelmäßig zelebrierten und für die sie in ganz Europa abgefeiert wurden.

Alle paar Tage ein Wettbewerb für Eintracht Frankfurt

Veh ist auch nicht der Meinung, dass Hochleistungssportler nicht alle paar Tage einen Wettbewerb austragen könnten, es sind eher die Begleitumstände, die einer Mannschaft den Garaus machen können. Als da wären: Reisestrapazen, Müdigkeit, Abhängerei im Hotel, fehlende intensive Vorbereitung auf den nächsten Gegner und vor allem: zu wenig zielgerichtetes Training aufgrund der vielen Spiele. „Du hast gar keinen Rhythmus, kannst gar nichts einstudieren, hetzt nur von einem Spiel zum nächsten“, klagte Veh. Erst als sich die Eintracht durch ein bis heute unvergessenes 3:3 gegen den FC Porto aus dem Europapokal verabschiedet hatte, entledigte sie sich in der Liga ihrer Abstiegssorgen.

Auch in der jungen Vergangenheit bekamen die international vertretenen Hessen irgendwann Probleme, 2019 fehlten zum Schluss die Körner, um die Champions League zu erreichen; 2020 war das Team qualitativ nicht stark genug, um auf allen Hochzeiten zu tanzen. Die Eintracht, das kommt hinzu, nimmt den europäischen Wettbewerb ernst, sie saugt ihn auf, lebt ihn.

Dreifachbelastung für Eintracht Frankfurt - mit neuem Trainer und neuem Manager

Nun wird die Eintracht erneut eine Dreifachbelastung schultern müssen – mit neuer Sportführung und neuem Trainer. Daher soll zumindest der aktuelle Kader stabil und also zusammengehalten werden. Ein zu großer Umbruch berge zu große Risiken. Mit 23 Akteuren plus drei Talenten will Manager Markus Krösche in die Saison gehen, die Bundesliga startet am 13. August, die Gruppenphase der aufgewerteten Europa League am 16. September – die Chancen, international zu überwintern, stehen nicht schlecht.

Die Mannschaft, die bald in den neu errichteten Proficampus am Stadion umziehen und sich auch daher nur in Frankfurt und nicht in einem Trainingslager im Ausland auf die neue Saison vorbereiten wird, soll möglichst ausgeglichen und variabel sein, damit Trainer Oliver Glasner entsprechende Möglichkeiten hat, sein Ensemble zu modellieren und an den Gegner anzupassen. Auch Rotation wird bei der Vielzahl an Spielen ein Thema sein. Der Österreicher wird die rechte Balance finden müssen, denn der Europapokal kann auch zum Fallstrick werden, er fordert seinen Tribut.

Eintracht Frankfurt: „Die Spieler sind am Limit“

„Die Spieler sind am Limit“, sagte Krösche der „FAZ“. Sie werden ausgequetscht wie Zitronen. Bei RB Leipzig habe er das erlebt. „Dort wurden praktisch zwei Saisons hintereinander durchgespielt, viele Spieler haben im Schnitt 50 Partien in der Saison gemacht. Dazu mussten die Nationalspieler teilweise bis zu drei Spiele absolvieren, und die Reisen an sich sind auch ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte.“ Der 40-Jährige mahnt: „Wir müssen Rücksicht darauf nehmen, dass die Regeneration nicht zu kurz kommt. Wir müssen aufpassen mit der Belastung der Jungs.“

Die höher beanspruchten Teams, die – anders als Bayern, Dortmund oder Leipzig – die Strapazen nicht so gewohnt sind und deren Kaderbreite in der Spitze nicht so dicht ist, fallen in der Liga nicht selten ab. Beispiele gibt es genügend, auch aktuelle: Borussia Mönchengladbach, in der abgelaufenen Spielzeit in der Champions League dabei, lief auf einem enttäuschenden achten Rang ein. Die in der Europa League überwinternde TSG Hoffenheim schleppte sich nur als Elfter ins Ziel. Und der VfL Wolfsburg mit dem neuen Eintracht-Coach Glasner konnte vielleicht nur deshalb einen Champions-League-Platz ergattern, weil das Team in der Europa-League-Quali frühzeitig ausgeschieden war. Auch die lange Zeit so furios auftrumpfende Eintracht war international nicht gefordert.

Diesen immensen Vorteil hatten die Verantwortlichen schon vor der Saison erkannt, weshalb der Verein trotz der bedrückenden Corona-Krise keinen Leistungsträger abgab. Ohne zusätzliche Spiele, davon waren alle überzeugt, könne das Team die internationalen Startplätze angreifen. Das hat funktioniert.

Die Kunst ist nun: Auf internationalem Parkett zu reüssieren, ohne auf dem nationalen abzurutschen. Verdammt schwierig.

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